Ein Freund, ein guter Freund

Neulich habe ich in einem Podcast  eine schöne Umschreibung gehört für das was Elsa „in Harmonie gehen“ nennt. Sie lautet: „verhalte Dich wie ein Freund“. Und ist es nicht das, was wir alle sein wollen? Ein Freund für unser Pferd? Im Freedom Based Training ist die Definition dieses Verhaltens klar umrissen, aber Freundschaft hat viele Gesichter und auch die, die kein FBT machen, können diesen Satz für sich mal durchdenken.

Wie verhält sich denn ein Freund? Ein Freund ist zum Beispiel jemand, der mit uns gemeinsame Aktivitäten unternimmt auf eine Art und Weise die sich für uns beide gut anfühlt. Wenn ich mit meiner Freundin ausreiten gehe, dann haben wir ähnliche Vorlieben, einen ähnlichen Rhythmus. Wir nehmen aber auch Rücksicht aufeinander, um diesen gemeinsamen Rhythmus herzustellen. Das ist ein Teil der Freundschaft. Ein anderen Teil von Freundschaft ist für mich, dass ich versuche, die Bedürfnisse des anderen wahrzunehmen und zu erfüllen. Wenn meine Freundin mich bittet, keinen Knoblauch an die Salatsoße zu tun, dann merke ich mir das. Ich werde es nicht nur dieses Mal machen (das ist selbstverständlich), sondern ich werde es nächstes Mal von selbst nicht tun. Ein Freund ist auch mein Mann, der mir ansieht, wann ich eine Tasse Tee gebrauchen könnte und mich dann fragt, ob er mir eine machen soll. Er kommt mir dabei zuvor bei der Erfüllung meiner Wünsche (ich könnte mir den Tee ja auch selbst kochen).  Und dann geht es noch eine Stufe weiter: manchmal, wenn ich nach hause komme, hat er mir schon eine Tasse Tee hingestellt. Weil er weiß, dass ich nach vielen Stunden im Kalten gern einen heißen Tee trinken möchte. Der Tee „köchelt“ dann auf dem Stövchen und ist für mich ein großes Geschenk von einem wunderbaren Menschen, der an mich gedacht und meinen Wunsch vorausgesehen hat. Er kennt mich eben gut!

Bei Duncan habe ich ein Beispiel gefunden, an dem ich es gut erklären kann: Popo kratzen. Duncan wird in der Regel nicht gern gekratzt. Er ist nicht so ein Anfass-Typ. Als seine Freundin weiß ich das und fasse ihn nur dann an, wenn es nötig ist. Aber es gibt eine Ausnahme: wenn er Winterfell verliert. Wir haben festgestellt – er und ich – dass es dann ein paar Tage oder Wochen gibt, an denen er gern oberhalb der Schweifrübe gekratzt wird. Das ist ein sehr kleiner Bereich vom Pferd und eine sehr kurze Zeit im Jahr in der er das mag. Letztes Jahr hat er herausgefunden, wie er mir sagen, kann, dass er da jetzt gekratzt werden will: er dreht den Po in meine Richtung (ohne mir nah zu kommen) und schaut sich dann zu mir um und macht eine „Genusslippe“. Klare Ansage! Der Bitte komme ich natürlich gerne nach. Ich verhalte mich wie eine Freundin. Dieses Jahr möchte ich versuchen, den Zeitpunkt zu erhaschen, zu dem es anfängt. Ihm gelegentlich anbieten, dass ich ihn kratzen könnte, noch bevor er mich danach fragt. Er kann dann ja sagen oder nein, es ist ja nur ein Angebot. So als würde mein Mann sagen „möchtest Du eine Tasse Tee?“. So kann ich Duncan zeigen, dass ich seine Bedürfnisse im Blick habe. Es ist nur ein kleines Beispiel, aber eines an dem ich es gut sehen kann. Ein Freund ist jemand, der Wünsche erfüllt die du aussprichst. Ein noch besserer Freund, der dich gut kennt, ist jemand, der Deine Wünsche schon erahnt und vorab anbietet, sie dir zu erfüllen.

Der Grat ist schmal. Ich habe mal ein paar mal einen jungen Mann gedatet, der beobachtet hatte, dass ich beim ersten Essen gehen einen KiBa trank und danach meinte, das würde ich so wollen. Da wurde ein KiBa für mich bestellt, ohne dass ich gefragt wurde, und das hat mich doch massiv gestört. Er kannte mich einfach noch nicht gut genug, bildete sich aber ein, mich zu kennen. Er hat versucht, sich wie ein guter Freund zu verhalten, obwohl er das noch gar nicht war, und das funktioniert eben so nicht. Das kann auch beim Pferd ganz schön nach hinten losgehen. Wenn wir echte Freunde sein wollen, liegt es also an uns, zu überprüfen, was wir denn schon wirklich über unser Pferd wissen und wo wir vielleicht falsche Schlüsse gezogen haben. Ein guter Freund ist man nicht, indem man einfach nur nett ist. Ein guter Freund zu sein bedeutet echtes „Investment“. Sich Mühe geben, beobachten, nachfragen, zuhören, es ernst meinen. Egal, ob mein Gegenüber ein Mensch ist oder ein Pferd.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 12. Januar 2025

Sonntag! Und heute hat der Sonn-Tag seinem Namen wirklich alle Ehre gemacht: die Sonne hat den ganzen Tag wie verrückt geschienen. Und das heißt: Ausfluuuuuuuug! Das wurde aber auch wirklich mal Zeit! Das Anziehen hat wieder eine halbe Ewigkeit gedauert. Mein einer Hufschuh hat rumgezickt, da war eine Schraube lose und gepasst hat er auf mysteriöse Art und Weise auch nicht mehr. Außerdem war mein Mädchen unsicher bei der Wahl ihres Pelzes. Unsereiner hat da keine Wahl. Und da es heute nach kalt wird, hat mein Mädchen auch entschieden, dass wir nicht entpelzt werden.

Als endlich alles fertig war, ging es los. Ach, das tat gut, die Beine mal wieder zu strecken. Diego und ich waren bestens gelaunt. Als wir dann einen kleine Trab einlegen wollten, hat Diego mal gezeigt, was in ihm steckt. Ich schwöre, der ist nicht getrabt, der ist geflogen! Ich wusste gar nicht wie mir geschieht. Habe dann – mit Erlaubnis von oben – einen schönen Reisegalopp angestimmt bis wir Diego wieder eingeholt hatten. Aber viel getrabt sind wir heute nicht, denn es war ein Schritt- Ausritt für die Grundkondition geplant. Die kleinen Trabstrecken dienten nur der Auflockerung. Wir haben die Zwei-Dörfer-Tour gemacht. Also erst rüber nach Kleinvollstedt – das muss das längste Dorf der Welt sein! Dort sind die Menschen abgestiegen und zu Fuß gegangen, während ich Vorgarten-Watching gemacht habe. Dann bei den schönen Friesen vorbei, die sich wieder mächtig in Pose geworfen haben. Kurz danach wollten wir eine Graspause einlegen, aber das Wetter der letzten Wochen hat nichts übrig gelassen, was uns ernsthaft essenswert schien, und so ging es weiter, noch ein kleiner Trab durch den Wald, dann im Schritt durch den Sonnenschein. Wir sind einfach so gleichmäßig vor uns hin gelaufen, mal der eine vorne, mal der andere. Als wir schließlich in Groß Vollstedt waren, sind die Menschen nochmal zu Fuß gegangen. An der Rinderweide sind sie wieder aufgestiegen und den Rest nach hause geritten. 12,4km in gut 2 Stunden und am Ende war Diego doch rechtschaffen müde und fing an, etwas zu schlurfen, aber insgesamt hat er gut durchgehalten (ich ja sowieso) und mein Mädchen und der Mann waren hochzufrieden mit dem Lauf der Dinge. Ich habe noch ordentlich Dehnübungen verpasst bekommen, weil ich mich neulich wieder so schief gezogen hatte und jetzt wieder gerade werden soll. Und wenn die Muskeln so schön durchgewärmt sind, dann dehnt es sich bekanntlich besonders gut. Anschließend durften wir in der Sonne Heu schmausen und haben den Rest des Nachmittags verdöst.

Wochenend und Sonnenschein…

Ach, das war ein toller Sonntag! Jetzt ist mein Burgkoller kuriert und die Laune gerettet!

Euer gut durchgelüfteter Sir Duncan Dhu of Nakel

Gute Vorsätze

Ich höre ja oft Podcasts. Und da kommt Anfang Januar das unvermeidliche Thema zur Sprache: gute Vorsätze und wie man dann wirklich dranbleibt. Ich habe das für mich selbst ja komplett aufgegeben, mir Vorsätze zu machen, das hilft mir gar nicht. Aber trotzdem möchte ich natürlich Dinge ändern und besser machen. Für mich ist es kein „am 1. Januar anfangen und dann durchziehen“, sondern ein immer wieder anfangen. Immer wieder den Faden verlieren, aber ihn dann immer wieder neu aufnehmen. Wie dem auch sei, in einem Podcast kam ein Tipp, der mich besonders angesprochen hat: mach Dein neues Ziel zur Priorität.

Da habe ich mich ertappt gefühlt, denn auch ich habe versucht, die neuen Ziele einfach in den bestehenden Alltag mit rein zu quetschen. Was bei mir oft zur Folge hatte, dass ich erst den Alltag bewältigt habe und dann zu müde war für mein neues Ziel. Das neue Ziel vorne an stellen und sich trauen, dafür auch ganz bewusst mal etwas anderes liegen zu lassen, ist für mich daher vielleicht der wertvollste Tipp zum „dranbleiben“ den ich bekommen habe.

Aber ich wollte ja über Ponys schreiben! Also sagen wir es so: im Internet, da gibt es diese perfekten Frauen. Vielleicht sind die im echten Leben ja auch so perfekt, das kann ich nicht überprüfen. Aber fest steht: die bringen mich auf die Palme. Eine schreibt, sie putzt ihre Pferde jeden Tag. Das ist voll wichtig, Fellpflege hilft vor allem im Winter gegen Parasiten und so. Leuchtet mir ein (vielleicht auch nicht, aber auf den Inhalt kommt es jetzt nicht so an). Nur: die Dame hat meines Wissens 4 Pferde. Die putzt sie alle jeden Tag? Da sind nach meiner Rechnung die ersten 1,5 Stunden schon vergangen. Wo nimmt sie die her? Denn trainiert werden die lieben Tiere ja auch alle mehrfach in der Woche. Und das alles während sie erfolgreich selbständig ist. Für mich, die ich leider wenig belastbar bin und sehr viel Schlaf brauche, ist so ein Pensum unvorstellbar. Ich weiß, andere brauchen viel weniger Schlaf und Pause als ich aber auch deren Tag hat doch nur 24 Stunden oder? Haben diese Frauen eine Haushaltshilfe, eine Putzfrau, eine Stallhilfe oder wie darf ich mir das denken?

Selbst wenn ich es wollen würde: Für mich wäre es völlig unrealistisch, mir jetzt vorzunehmen, alle unsere Ponys jeden Tag zu putzen. Zumindest wenn ich es mir ZUSÄTZLICH zu meinem normalen Pensum vornehmen würde. Ich müsste mir dann schon überlegen, wo ich die Zeit hernehmen soll. Und das heißt: etwas anderes muss liegenbleiben oder wegorganisiert werden.

Nun ist es nicht meine Absicht, die Ponys jeden Tag zu putzen, aber es gibt schon Dinge, die ich angehen will. Und gerade nachdem ich über Jahreszeiten und den Einfluss des Wetters nachgedacht habe, ist mir klar geworden: ich möchte mehr in Abschnitten arbeiten. Es gibt Zeiten, die dienen dem Ausreiten bzw dem Ausdauertraining. Es gibt Zeiten, da ist das Wetter nicht so oder es ist nicht viel Zeit, dann können wir uns mehr der Handarbeit widmen. In manchen Zeiten widme ich mich vielleicht intensiver der „passiven“ Beschäftigung mit Duncan: Huf- und Fellpflege, Dehnübungen, Freedom Based Training. Alles abhängig von Wetter, meiner Zeit, seiner Laune.

Was ich aber durch den Podcast nochmal ganz klar verstanden habe: ich kann nicht alles schaffen. An den Tagen, an denen Duncan dieses Kribbeln spürt und sich austoben muss, wird das Putzen ausfallen zugunsten einer ausgiebigeren Longen-Einheit. An den Tagen, an denen ich mich intensiv um seine Hufe und sein Fell kümmere, wird die Zeit nicht reichen, um noch zu reiten. Ich muss mich entscheiden (oder im Lotto gewinnen, um mehr Freizeit zu haben. Oder rausfinden, wie diese perfekten Super-Frauen aus dem Internet das machen). Bewusst etwas weglassen, um Platz für etwas anderes zu schaffen, anstatt zu versuchen, alles in einen Tag zu quetschen.

Und so dreht sich das Vorsatz-Blatt ein bisschen um: Gerade so, wie man ein Regal oder die berüchtigte Gerümpel-Schublade nur aufräumen kann, wenn man erstmal Sachen RAUS nimmt, bevor man was neues rein legt, möchte ich erstmal sehen, wo die Zeit und Energie herkommen können, die ich für meine neuen Vorsätze brauche. Was mache ich heute NICHT, damit ich stattdessen das machen kann, dem ich heute die oberste Priorität gegeben habe?

Wenn es um mein Pony geht, geht es dabei auch um seine Priorität für den Tag. Hat er großen Bewegungsdrang? Oder hat er dringend eine Hufpflege nötig? Ist er heute gut gelaunt und hat sowieso auf alles Lust? Ist er vielleicht auch einverstanden damit, heute nichts mit mir zu unternehmen? Was würde er weglassen, wofür würde er Platz schaffen, wenn es seine Entscheidung wäre? Ich kann mich nicht immer danach richten, aber manchmal schon.

Einen guten Vorsatz habe ich aber schon. Allerdings nicht erst seit dem 1.1.2025 sondern seitdem wir hier eingezogen sind. Damals haben Arnulf und ich vereinbart, die Zeit mit unseren Ponys als Priorität zu sehen und zu genießen, denn dafür machen wir das hier schließlich alles.

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 8. Januar 2025

Gestern morgen hatte ich wieder ganz doll dieses Kribbeln in mir drin. Nach dem ganzen Sturm und drinnen rumstehen, ging es einfach nicht mehr! Also habe ich mal in den Tobemodus geschaltet, bin in Höchstgeschwindigkeit über den Paddock gerast. Caruso ist mitgerannt, aber sein Kribbeln war schneller aufgebraucht als meins. Da stand ich nun im Paddock und es kribbelte einfach zu doll! Also bin ich ein paar mal auf der Stelle in die Luft gesprungen, bis Gatsby kam und gesagt hat, wir könnten doch auch schön spielen. Das haben wir dann ausgiebig getan, dann ging es wieder. Mein Mädchen hat das alles beobachtet und gedacht, gegen Kribbeln weiß sie doch was. Also kam sie ein paar Stunden später und wir sind mit der Longe auf den Reitplatz gegangen. Mein Mädchen hat Stangen hingelegt und wir haben ein ausgiebiges Aufwärmprogramm gemacht. Dann hat sie zwei klitzekleine Sprünge aufgebaut. Es ist so: wir haben jetzt ein paar mal geübt, dass ich einen kleinen Sprung schaffe. Vor ein paar Wochen hat sie dann mal zwei Sprünge hinterheinander aufgebaut. Das war so geplant, dass ich zwei Galoppsprünge dazwischen machen konnte. Das war lustig, aber auch wirklich etwas kompliziert! Ich bin dann immer über den einen Sprung rüber und war dann etwas überrascht, dass da gleich NOCH einer kommt! Manchmal hab ich es geschafft, aber oft war doch etwas Fußchaos. Diesmal hat mein Mädchen die Sprünge enger zusammengestellt, nennt sich „in-out“. Das heißt, wenn ich nach dem Sprung gelandet bin, muss ich auch schon gleich wieder abspringen für den nächsten. Hoch sind die Dinger ja nicht, aber man muss eben doch wissen wo die Füße hingehören. Beim Aufbauen hat sie zu mir gesagt „ich weiß ja jetzt dass du sowas schaffst ohne dir die Haxen zu brechen“. Klar, Füße sortieren kann ich doch gut. Ich also im Galopp los, über den ersten Sprung – huch! – da kommt ja schon der zweite! Aber ich habe es irgendwie hingekriegt. Und mein Mädchen hat mich gefeiert. Keks!! Und wenn sie dann so ausflippt, gleich mehrere Kekse raus haut und verrückte Geräusche macht, dann fühle ich mich sehr angespornt, muss ich sagen! Also los, ich will nochmal! Und nochmal! Und nochmal! Zwischendurch sollte ich aber auch bitte noch ein paar schöne Kringel im Trab machen. Jaja. Jetzt aber wieder zu den Hopsern, ja? Ach, das war lustig. Alsbald hat mein Mädchen gesagt, wir hören jetzt auf. Weil nämlich alles so toll geklappt hat und ich ein ums andere mal perfekt da rüber gesprungen bin. Und dann hört sie ja immer lieber auf, weil sie sich so ärgern würde, wenn es dann nicht mehr klappt. Aber ich hoffe, dass wir das bald mal wieder machen – großer Spaß!!

Mein Mädchen hat leider vergessen, ein Foto für euch zu machen, aber das lässt sich ja nachholen.

Euer hopsender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 7. Januar 2025

Na, liebe Menschen, habt ihr alle schön den Schwerpunkt tief gehalten? Also wir haben ja immer noch kein Schaf zum nachschauen, aber es kommt mir doch so vor, als hätten die gestern abend zeitweilig keine Locken mehr gehabt. Das hat ganz schön gepustet! Aber uns Ponys ist das relativ egal. Caruso hat seine warme Decke anbekommen, weil der Wind nicht gut ab kann, wir anderen sind ja gut gerüstet für so ein Wetter. Als Schotte bin ich ja „double-coated“, mein Fell besteht also quasi aus warmer Unterwäsche und einem wind- und wasserabweisenden Mantel (mit stufenlos einstellbarer Isolation!), damit habe ich es immer schön kuschlig. Die Stellen, die mein Mädchen entpelzt hatte, sind jetzt schon wieder gut nachgewachsen, auch da reicht es für mich total aus um warm zu bleiben.

Aber eigentlich wollte ich euch ja was anderes erzählen. Bevor der Sturm kam und den Schafen kurz die Locken rausgebürstet hat, war nämlich noch meine kleine Freundin da. Da es geregnet hat, wollten die Menschen nicht auf den Reitplatz, also sind wir in die Halle gegangen. Mein Mädchen hat überlegt, was wir mal schönes machen könnten und dann hat sie beschlossen, mal „fahren vom Boden“ zu üben. Ich kann das ja voll gut, aber mit meiner kleinen Freundin hintendran, die das noch nie gemacht hat, musste ich mich richtig doll konzentrieren. Die drückt sich noch nicht so eindeutig aus, ist oft spät dran und vergisst noch manchmal was zu tun ist. Und fahren vom Boden hat sie noch nie gemacht, da hatte sie eine Menge zu tun! Aber inzwischen kenne ich sie ja schon ganz gut und weiß, dass ich auch mal vorsichtig was probieren kann und sie mir dann sagt ob es das war was sie meint. Und wenn es gar nicht klappt, schiele ich zu meinem Mädchen, die gibt mir einen Hinweis.

Für meine kleine Freundin war das eine neue Herausforderung, aber es hat ihr Spaß gemacht. Jetzt sind mein Mädchen und ich ganz gespannt, ob sie es nochmal machen möchte, wir werden sehen! Mein Mädchen ist jedenfalls sehr stolz auf uns beide. Auf mich, weil ich so fein zugehört habe, mich gaaaaaaaanz doll konzentriert und natürlich alles gut hingekriegt habe. Und auf meine kleine Freundin, weil sie anfängt, mir zu vertrauen (sie hat ja leider ein paar schlechte Erfahrungen mit anderen Ponys gemacht, die leider mit ihrer Aufgabe als Lehrpferd überfordert waren) und weil sie schon wirklich viel gelernt hat. Läuft bei uns! Trotzdem möchte ich anmerken, dass ein ordentlicher Ausritt zur Hebung meiner allgemeinen Laune dringend nötig ist.

Euer Lehrpony Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 5.Januar 2025

Neues Jahr, neues Glück! (Dachte ich). Als mein Mädchen zum reiten kam, war ich gut gelaunt. Dachte ich doch, es ist ja Sonntag und da gehen wir bestimmt ausreiten! Zumal der Mann und Diego auch auf dem Hof standen zum antüddeln. Als alles an mir dran war, wollte ich munter vom Hof runter marschieren. Aber ach! Leider war kein Ausritt angesagt. Mein Mädchen meinte, das Wetter sei zu fies und ich bestimmt total unausgelastet nach einer Woche Freizeit (kann ich was dafür, dass sie weg war?). Wir gehen auf den Reitplatz. Menno. Lust hatte ich keine. Also hab ich auf dem Weg dorthin ein paar Ablenkungsmanöver gestartet und Hofbesichtigungstour gemacht. Ich habe nämlich rausgefunden, dass das gestattet ist, wenn ich freundlich zu einer Stelle hinziehe und anzeige, dass ich da was gucken möchte. Ich gucke dann kurz oder rieche mal an was und dann versuche ich, heimlich zum essen überzugehen. Leider ist mein Mädchen erprobte Pony-Besitzerin und es gelingt mir fast nie, auch nur ein Hälmchen zu erhaschen. Schade. Naja, nach einigen Abzweigungen waren wir dann doch auf dem Reitplatz angekommen und ich habe mich entschlossen, das Beste draus zu machen. Zu meinem Trost kam auch Diego alsbald dazu. Diego und der Mann üben jetzt Kutsche fahren ohne Kutsche, ich kann das ja schon lang. Diego kann das eigentlich auch voll gut, aber er hat in seinem Leben so viel Freiarbeit gelernt und sollte da immer den Menschen anschauen, deswegen braucht er immer etwas Zeit um zu verstehen, dass er jetzt vorneweg marschieren soll. Wenn er dann den Schalter umgelegt hat, kann er es total gut und der Mann kann mit der Doppellonge kämpfen Griffe üben.

Also hat jeder sein Übungsprogramm gemacht. Mein Mädchen und ich haben Übergänge geübt. Sie zählt dann den Takt in ihrem Kopf (1-2-3-4 für Schritt, 1-2-1-2 für Trab und 1-2-3 für Galopp) und ich soll das erfühlen. Kann ich schon voll gut, wenn ich erstmal warm bin. Nebenbei mussten wir die Augen offen halten, damit wir nicht mit Diego, dem Mann oder den meterlangen Leinen zwischen den beiden kollidieren. Ging aber alles sehr fein. Und dann hatte Diego plötzlich Feierabend und hat den Platz verlassen! Da wollte ich mit: vielleicht gehen die ja noch ausreiten? Aber das war nicht erlaubt. Und weil ich ja so ein Guter bin, habe ich dann noch ein paar Minuten artig weitergemacht. Mein Mädchen wusste, dass mir das schwerfällt und ist alsbald abgestiegen, dann durfte ich noch auf dem Reitplatz rumlaufen und nach Grashalmen suchen, während sie Rumstehtraining gemacht hat.

Anschließend durfte ich noch meine Schüssel mit klebrigem Schmatzofatz leeren und dann ging es wieder in den Stall zur nächsten Heumahlzeit. Mein Mädchen meint, ich könnte mich schonmal drauf einstellen, dass es noch ein paar Wochen lang sehr wenige Ausritte geben wird, aber ich lasse natürlich nicht locker und werde bei jeder passenden Gelegenheit meine Meinung zu dem Thema äußern!

Euer etwas reitplatzgenervter Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. Wie gefällt euch die neue Überschrift?

2025

So, da ist es jetzt, das neue Jahr. Und so sehr es mich nervt, das alles an einem willkürlich gewählten Datum festzumachen, so sinnvoll ist es doch, immer mal Bilanz zu ziehen und neue Pläne zu schmieden.

Einige Pläne stehen schon fest. Das erste Abenteuer startet im Februar, wenn Arnulf seinen Kutschenführerschein macht. Denn Diego, jetzt ja auch nicht mehr ganz jung, soll Arnulf nicht mehr immer tragen müssen. Er kann es noch und wenn er wieder trainiert ist, wird er es auch wieder länger können, aber er wird auch ein fantastisches Kutschpferd werden und mit Arnulf hinter ihm schneller wieder auf mehr Kilometer kommen. Duncan ist derweil ja immer noch nicht vor der Kutsche, weil ich es ihm einfach noch nicht recht zutraue. Aber das macht nichts, unsere Zeit zum fahren kommt noch und ich reite ja sowieso lieber.

Im Sommer ist wieder ein Reitkurs gebucht und die Termine für zwei kleine Distanzritte stehen auch schon im Kalender. Davor steht vor allem noch „Kopftraining“ an, also lange unterwegs sein, aber nicht schnell. Ich weiß jetzt, dass das Tempo (im Gegensatz zu damals mit Finlay) gar kein Problem sein wird. Aber der Kopf muss mitmachen und da gibt es noch zu üben. Auch mehr Begegnungen mit fremden Pferden, gerne auch mehreren fremden Pferden auf einmal, möchte ich noch haben zum üben.

Außerdem hoffe ich, dass wir endlich mit dem Thema alleine ausreiten weiterkommen. Wieso wir da in 2024 so wenig geschafft haben, ist mir gar nicht ganz klar. Irgendwie war das Wetter schwierig und ich war oft am Limit – wahrscheinlich auch deswegen, weil wir im Frühjahr so lange um Diegos Gesundheit gekämpft haben. Naja, neues Jahr, neues Glück. Aufgeben ist keine Option, dann dauert auch das eben wieder mal länger als geplant. Duncan war an vielen Stellen schneller als ich dachte, an anderen brauchen wir länger – so ist das Leben. Dazu möchte ich mich technisch auch noch etwas aufrüsten und für Duncan einen Tracker haben, denn mein größter Horror ist, dass er mich unterwegs verliert und ich nicht weiß wo er ist. So ein Stück Technik kann mir Sicherheit geben und dieses Sicherheitsgefühl bedeutet hoffentlich, dass ich die Technik niemals brauche…. Ich fürchte allerdings, dass dieses Projekt erst ab Juni richtig starten wird, denn erfahrungsgemäß ist Duncan im Frühjahr schreckhaft und das taugt meinen Nerven so gar nicht zum alleine reiten.

Ich möchte auch anfangen, Stangen und kleine Sprünge zu reiten (bisher haben wir das nur an der Longe gemacht).

Grundsätzlich möchte ich aber vor allem meine gewonnenen Erkenntnisse zum Thema Wetter und Jahreszeiten zu meinem Vorteil nutzen. Soll heißen: wenn das Wetter im Winter es mal hergibt, möchte ich das vor allem für längere Schritttouren nutzen, denn es hat sich gezeigt, dass schnelleres reiten mein kleines, allzu fittes Pony gar nicht gut auslastet. Ich möchte nochmal mit ihm gemeinsam verinnerlichen, dass eine ausgiebige, flott gerittene Schritttour uns da besser taugt. Wenn es dann im Frühjahr wieder mit den Montagsausritten losgeht, möchte ich ihm dieses Jahr nicht mehr dienstags frei geben, sondern den Tag nach dem flotten Ritt für Handarbeit, Dehnübungen und Keksgymnastik nutzen. Außerdem habe ich gelernt, dass es nicht klug ist, ihm viel „reitfrei“ zu geben und stattdessen zu longieren, denn anscheinend braucht er deutlich mehr Gymnastik zwischen den Ausritten und deutlich weniger Ausdauer-Training. Das hängt aber natürlich auch davon ab, wie er seine Figur hält….

Wenn dann die Hitze kommt, möchte ich mir die Tageszeiten schlauer einteilen. Ich habe gemerkt, dass morgens zwischen 9 und 10 Uhr, wenn ich es noch ok finde auf dem Reitplatz, einfach nicht seine Zeit ist. Er ist dann sehr unmotiviert, das heißt, wenn ich nur zu dieser Zeit die Möglichkeit habe, etwas mit ihm zu machen, wird es wiederum Handarbeit sein oder ich lege lieber eine Wippeneinheit ein. Andererseits kann die Wärme mir helfen, das alleine ausreiten weiter voranzutreiben, dann kommt mir ein etwas träges Pony ja deutlich entgegen….

Wenn das Wetter gut ist, möchte ich vor allem Zeiten verlängern. Also auch auf dem Reitplatz endlich mal wegkommen von unseren üblichen 30-40 Minuten und mal deutlich längere Sessions machen, damit sich unser beider Konzentrationsspanne verlängert und wir auch noch besser herausfinden, wie wir sinnvoll Pause machen können, denn da hapert es noch ein bisschen. Aus einer Pause wieder neu starten habe ich jetzt schon mit kleinen (sekundenlangen) Pausen geübt, das scheint ein Thema zu sein, dass der Übung bedarf. Im Gelände gilt das gleiche: rausfinden, wann er eine Pause braucht und wie die am besten aussieht. Ist es besser für ihn, ein paar kleine Pausen zu machen oder lieber eine große?

Die Frageliste ist noch endlos lang, aber langsam, ganz langsam habe ich das Gefühl, dass unsere Beziehung und Duncans Ausbildung auf einem stabilen – wenn auch noch nicht kompletten – Fundament ruhen auf das wir beide uns verlassen können. Und das lässt mich auf ein gutes Jahr hoffen.

Frohes neues Jahr euch allen!

Jahresrückblick

Der Weihnachtstrubel hatte mich fest im Griff, der Donnerstag strich unbemerkt an mir vorrüber. Also bekommt Ihr jetzt einen Artikel, der passt ja ganz gut zur Jahreszeit.

2024 hatte einiges in petto für uns, vor allem einen todkranken Diego. Aber der ist nun wieder fit und fidel und nachdem ich nochmals an der Fütterung herumgeschraubt habe, sieht er nicht nur wieder viel besser aus sondern fühlt sich auch sichtlich wieder wohl in seiner Haut. Auf die nächsten 10 Jahre! Dann wird er so alt sein wie Merlin jetzt, möge er dann auch noch mindestens genauso fit sein. Arnulf und Diego haben Großes vor, aber davon später mehr.

Duncan und ich hatten insgesamt ein ganz gutes Jahr. Aber wenn ich auf letzten Januar zurückschaue muss ich zugeben: auf dem Reitplatz haben wir eher Rück- statt Fortschritte gemacht. Ich glaube, dass das alles damit anfing, dass ich die Fütterung verändert habe. Ich hatte ausnahmsweise auf Rat von außen gehört und das ging gründlich in die Hose. Nicht nur, dass Duncan wahnsinnig schreckhaft war, er hatte auch einen extrem langsamen Fellwechsel und war insgesamt einfach nicht so fit. Das schreibe ich mir jetzt hinter die Ohren und kehre zurück zur alten Methode: Das Auge des Herrn füttert das Pferd. Ich übernehme die volle Verantwortung und glaube nicht mehr unbesehen, was mir ein Experte sagt.

Dann kam uns wohl noch ein amtlicher Wachstumsschub in die Quere, zumindest wirkte es auf mich so. Mein Pony war überbaut und schief und krumm und es machte zwischendurch wieder laut „plopp plopp“ in seiner Hüfte. Ganz durch scheinen wir damit auch immer noch nicht zu sein, was natürlich in Anbetracht seiner 6 Jahre auch überhaupt nicht überraschend ist. All das hat uns das Arbeiten auf dem Platz sehr erschwert und im Nachhinein verstehe ich, dass ich wohl viel mehr Handarbeit hätte machen sollen. Aber gleichzeitig war Duncan auch oft voller Bewegungsdrang, so dass ich mich (zu sehr) auf das Ausdauertraining konzentriert habe.

Rückblickend wird mir klar: Lernen kann ich diese Dinge nur im Jahreszyklus. Denn da ist schon ganz schön viel Veränderung, die einfach den Jahreszeiten geschuldet ist und dem Wetter. Das einzuschätzen erfordert aber Erfahrung mit dem eigenen Pony und die sammle ich ja nun gerade noch. Nächstes Jahr möchte ich also einiges anders machen.

Trotzdem: wir haben, vor allem was die Ausdauer angeht, sehr gute Fortschritte erzielt. Duncan ist jetzt (im Moment eher zu meinem Leidwesen) vom Herz-Kreislauf-System verdammt fit, das beweisen einige Anekdoten, bei denen er dieses Kribbeln spürte. Die Pulswerte die der junge Mann im Anschluss hat und die kaum erhöhte Atemfrequenz sprechen Bände.

Und dann waren da auch noch ein paar erste Male: ein erster Reitkurs zum Beispiel, inklusive der ersten direkten Rinderbegegnung. Das hat er alles ganz toll gemeistert, obwohl ich wieder mal froh war um Diegos kompetente Begleitung. Da wir aber nicht ein Leben lang von Diego abhängig sein wollen (und können), haben wir auch einen schönen Ausflug zu Jule Liebelt gemacht und geübt, wie das ganz alleine klappt. Und wir waren ohne Diego zum Ausreiten verabredet, zum Beispiel mit Herrn Fjord. Man, war ich da beim ersten Mal nervös! Aber mein Pony hat alles ganz fantastisch gemacht und sich nach kurzer anfänglicher Irritation benommen wie immer. Auch mit Ritter Willibald waren wir schön unterwegs und auch da war ich sehr zufrieden. Der erste Ausritt in Begleitung einer Stute zeigte, dass Duncan wirklich Wallach ist und sich nicht mehr an sein Hengst-sein zu erinnern scheint. Auch eine zweite Stute hat er souverän als Ausreit-Begleitung akzeptiert. Beides war für ihn im Kopf anstrengend, aber sein Körper scheint über schier unendliche Reserven zu verfügen. Nur einmal war ich unsicher, ob ich seine körperliche Grenze überschritten habe oder es nur ein Kopf-Problem war. Jetzt habe ich mich weiter fortgebildet und kann das vielleicht demnächst besser objektiv überprüfen, aber letztlich gilt es wohl, ein Gefühl fürs eigene Pony zu entwickeln um Situationen besser einschätzen zu können.

Den Distanzritt, den ich noch nicht mitreiten wollte, weil ich dachte, er schafft das noch nicht, hätte er jedenfalls ziemlich sicher gut geschafft. Aber so war es auch fein, ich bin nicht das Risiko eingegangen, ihn zu überfordern – weder geistig noch körperlich – und ich weiß, dass wir nächstes Jahr unsere Chancen nutzen werden.

Vielleicht habe ich dieses Jahr mehr darüber gelernt, wie ich es nächstes Jahr NICHT machen möchte, aber was ich auf jeden Fall auf unserer Haben-Seite verbuche ist die Tatsache, dass Duncan jede Herausforderung gemeistert hat und sich immer wieder als zuverlässiger Partner herausstellt. Die Dinge, die er kann, die kann er dann auch wirklich abrufen und auch wenn er aufgeregt ist, bleibt er noch ansprechbar.

Den größten Fortschritt haben wir dieses Jahr im Freedom Based Training gemacht. Mir scheint, dass ich da endlich ein paar Dinge besser verstanden habe und jetzt besser weiß, wie ich die Theorien für uns passend in die Praxis umsetze. Gleichzeitig bin ich wieder völlig fasziniert, wie diese laut Elsa Sinclair „langsamste Trainingsmethode der Welt“ schnelle Fortschritte bringen kann auf der Beziehungsebene. Wie gut ich lerne mein Pony zu lesen und wie gut mein Pony lernt, sich für mich verständlich auszudrücken. Und manchmal waren es diese innigen Momente, die mich darüber hinweggetröstet haben, wenn ich vor Problemen im Rest der Ausbildung stand.

Seit ein paar Wochen geht es mit der Reiterei auf dem Reitplatz steil bergauf. Ob das jetzt ein Trainings-, ein Fütterungs- oder ein Wachstumserfolg ist, vermag ich nicht zu sagen. Aber es bleibt sich gleich, denn das Wachstum ist irgendwann abgeschlossen und wenn meine Fütterung und mein Training jetzt besser passen als zuvor, dann kann ich das ja so beibehalten und vom jetzigen Punkt aus versuchen, weiter zu verbessern. Die Ausbildung eines Pferdes ist eben keine Sache von 6 Wochen – und auch keine von 6 Jahren. It takes 10years to make a good 10 year old horse.

Wir sehen uns dann nächstes Jahr mit neuen Plänen!

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 571

Fröhliche Weihnachten liebe Menschen!

Gestern ist etwas sehr ungewöhnliches passiert: die Sonne schien! Wir Ponys haben erstmal ein ordentliches Sonnenbad genommen. Aaaaaaah das war nötig nach all dem Wind und Regen!

Mittags war der Sonnenschein schon wieder weg, aber die Menschen kamen für einen Ausritt. Na das wurde aber auch Zeit! Los geht´s und ich will LINKS vom Hof! Aber kaum waren wir vom Hof geritten, da wurde schon wieder gestoppt. Der Mann hatte etwas vergessen! Also hat Diego ihn zurückgetragen und mein Mädchen und ich haben gewartet. Mädchen, wo sind die denn? Ich finde wir sollten da auch hin. Ich hab meine Lauscher spitz gespitzt und versucht zu hören, was die da tun auf dem Hof. Hingehen durfte ich aber nicht, mein Mädchen meinte, das sei eine super Übung. Nach einer halben Ewigkeit kamen die beiden dann wieder und wir konnten unseren Ausritt starten. Ich war gut drauf und habe einen Turboschritt angestimmt, das fand mein Mädchen prima. Es bleibt allerdings dabei: egal wie stark ich meinen Turbo strapaziere, Diego zieht lässig an mir vorbei und verschwindet in der Ferne.

Bevor das passiert ist, war allerdings kurz gruseln angesagt. Zwei Jäger hatten sich getroffen und standen an der Straße und schnackten. Das allein fand ich schon beunruhigend, denn der eine trug dieses Outfit in Orange, was sie zur Treibjad tragen. Aber schlimmer war der Hund. Der saß in dem einen Auto, schob seine Nase durch den offenen Fensterspalt und bellte. Nein, das war mir zu viel. Habe auf dem Absatz kehrt gemacht, aber natürlich bin ich ein Guter und habe mich auf 2 Galoppsprünge beschränkt. Umgedreht, wieder hin. Mein Mädchen hat mir gut zugeredet. Hm. Vielleicht… .nein! Das ist mir wirklich zu gruselig! Sogar Diego hat einmal hingeschaut und das will was heißen! Ich wieder auf dem Absatz kehrt. Da ist mein Mädchen abgestiegen und hat mich freundlicherweise vorbei geführt. Ok wenn sie neben mir geht, kann ich das. Puh. Danach sind wir beide ein Stück zu Fuß gegangen. Mein Mädchen fand das auch alles gruselig, weil ich so angespannt war. Schließlich ging es wieder und ich sie ist wieder rauf gehüpft. Weiter im Turboschritt. Flinke Füße! Mein Mädchen fand, ich fühle mich immer noch angespannt an, aber technisch gesehen habe ich alles ganz richtig gemacht und sie hat mich ordentlich angefeuert, dass ich meinen allerschnellsten Schritt gehen soll. Ein paar mal mussten wir trotzdem nachtraben, da hab ich dann mal vorgeschlagen, wir könnte auch…. nein, nicht erlaubt. Schneller Schritt!! An manchen Stellen hatte ich tatsächlich die Chance, etwas aufzuholen. Da, wo es rutschig ist, bin ich nämlich im Vorteil! Mein Schwerpunkt liegt tiefer und meine Beine sind nicht so lang. Ich bin kompakt gebaut, da kann ich schneller über glitschige Matsche laufen als Diego, der mit seinen langen Gräten teilweise doch ganz schön ins Schliddern kam.

Hintenrum ins Dorf, dann hinterm Dorf rum. Und dann sind wir plötzlich in die falsche Richtung gelaufen! Wo wollt ihr denn hin, ihr Menschen? Nach ein paar Metern haben wir angehalten. Was ist das hier? Mein Mädchen sagt, das ist ein Einkaufsladen. Den gibt es seit ein paar Monaten neu im Dorf und dort kann man jederzeit einkaufen gehen. Und das war dran, denn es fehlten noch Plätzchenzutaten. Mein Mädchen ist also da rein gegangen, während der Mann mit uns draußen gewartet hat. Aber ach! Als sie wieder kam, war sie ganz betrübt. Sie wollte uns Möhren mitbringen, aber ausgerechnet bei den Möhren hat es mit dem kassieren nicht geklappt und sie musste sie dort lassen. Mist!

Shoppingtour!

Nun war auch klar, warum der Mann mit Rucksack auf dem Rücken unterwegs war. Diego musste nun auch noch den Einkauf schleppen, der arme Kerl! Es war ihm aber völlig egal, er wollte unbedingt nach hause. Und ob da Eier im Rucksack waren oder nicht, war ihm auch egal, er hat einen flotten Schritt hingelegt und ist über den Grasweg an den Rindern vorbeigerutscht dass es keine Art hatte. Ich war da lieber langsam und vorsichtig unterwegs.

Dann noch etwas Turboschritt – die Menschen waren stolz auf mich, dass ich das auch nach über 7km noch kann! – und eine gruselige Begegnung mit einem sehr hellen Licht, das uns entgegen kam. Was ist das? Der Stern von Bethlehem ist vom Himmel auf die Straße gefallen? Nein, nur der Nachbar mit seinem Rollgefährt. Als er das Licht ausgemacht hat, haben wir ihn dann auch erkannt. Er kann nicht mehr laufen, deswegen rollt er immer, das kennen wir schon.

Es wurde schon dunkel aber wir sind gut beleuchtet.

Als wir wieder zu hause waren, durften wir Ponys noch etwas auf die Weide, während die Menschen Plätzchen gebacken haben. Und was kann schöner sein, als nach einem feinen Ausritt was leckeres zu essen?

Ich wünsche euch frohe Weihnachten, liebe Menschen, und mögen eure Keksdosen stets gut gefüllt sein!

Euer einkaufender Sir Duncan Dhu of Nakel

Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 570

Was war das denn für eine Woche? Montag war ja meine kleine Freundin da und am Dienstag war mein Mädchen mit mir auf dem Reitplatz. Aber dann? Nichts. Einzige Beschäftigung war eine kleine Wipp-Einheit am Donnerstag. Ansonsten hab ich Langeweile geschoben. Mein Mädchen hat gearbeitet und wenn sie nicht gearbeitet hat, hat sie über das Wetter gemeckert. Eine Woche Sturm und Regen und sie immer draußen unterwegs, das kann sie nicht. Weil sie eben kein gutes Winterfell hat! Ich sag es immer wieder, ihr Menschen seid bemitleidenswert. Aber ich finde, derzeit bin ich auch ganz schön bemitleidenswert. Gestern dachte ich dann, es passiert mal was Richtung Ausritt, aber nein, das Wetter war schon wieder gegen uns. Ständig kamen Regenschauer von der Seite angeflogen. Und so wetterfest ich auch bin: da war ich dann doch mal im Stall und bin dort auch geblieben. Mein Mädchen hat sich auch nicht viel blicken lassen. Abends kam sie dann mit dem Mann und wir durften wippen. Aber ach! Diego durfte zuerst wippen! Ich stand am Zaun und hab ihm immer reingequatscht. Weil ich das so viel besser kann als er. Ich wurde schon ganz kribbelig. Dann, endlich, nach einer halben Ewigkeit, war ich dran. Und all diese Kribbeligkeit bahnte sich ihren Weg. Ich habe meine wildesten Wipptechniken gezeigt und konnte mich nicht so wahnsinnig gut konzentrieren. Mein Mädchen hat das verstanden, ihr war klar, dass das gerade schwierig ist. Wir haben dann erstmal gemischtes Programm am Steg gemacht (da bewegt man die Füße etwas mehr) und sind dann wieder wippen gegangen. Diesmal ging es besser und ich konnte ihr zeigen, dass ich jetzt voll gut quer wippen kann. Mein Mädchen findet das äußerst faszinierend. Es war ja damals meine eigene Idee, dass ich mit allen 4 Hufen quer auf der Wippe stehen könnte und es war auch meine eigene Idee, dass ich in dieser Position wippen könnte. Und ich sage euch, mit all den Wachstumsschüben zwischendurch bei denen sich mein Radstand verlängert und mein Schwerpunkt verschoben hat, war das keine leichte Übung! Aber jetzt habe ich es ziemlich gut raus und mein Mädchen ist schwer beeindruckt von mir.

Kurzer Eindruck (Ihr wisst ja: Der Speicherplatz…)

Normal wippen haben wir auch geübt, da habe ich jetzt rausgefunden, wie ich den Takt erhöhen kann. Früher war es so ein Denksport, die richtigen Muskeln anzusteuern, so dass mein Mädchen auch zufrieden ist (wild mit dem Kopf schlagen damit es ordentlich wippt ist nämlich nicht erwünscht!). Jetzt komme ich langsam dahinter wie ich das schneller hinkriege und dabei schön im Takt bleibe.

Eine halbe Stunde haben wir mit Wippe und Steg gespielt, dann ging es mir etwas besser und es war Feierabend. Aber mein Mädchen hat meine Botschaft gehört und weiß jetzt, dass ich die nächsten Tage mal ordentlich beschäftigt werden muss.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit ordentlich Energieüberschuss