Jetzt hänge ich schon wieder mit meinem Tagebuch hinterher! Und dabei hatte ich gestern Einzugs-Jahrestag! Man, das war was, damals, als mein Mädchen, der Mann und Diego mich abgeholt haben. Vielleicht war das das größte Abenteuer meines Lebens, aber andererseits ging es da ja erst so richtig los mit den Abenteuern! Und was wir in den vergangenen sieben Jahren nicht alles erlebt haben, mein Mädchen und ich. Oft in Begleitung von Diego oder dem Ausreitkumpel, in letzter Zeit aber auch häufiger ohne Begleitung. So richtig groß und erwachsen und selbständig, nur mein Mädchen und ich (naja, der Mann ist auch oft dabei, mein Mädchen ist einfach noch nicht ganz so erwachsen und selbständig wie ich. Kommt vielleicht noch!)
Wie dem auch sei: wir vertragen uns gut, alle miteinander. Wir Ponys untereinander, ich mit den Menschen (nicht nur mit meinem Mädchen und dem Mann, sondern auch mit all den anderen Menschen mit denen ich mittlerweile zu tun habe). Und die Abenteuerrate ist in den Jahren kontinuierlich gestiegen.
Heute wollen wir mal wieder schön zusammen ausreiten gehen, mein Mädchen und ich. Nur sie und ich. Ohne Plan und ohne Ziel (sonst plant sie ja immer so gern, aber heute darf ich mal wieder mitreden, hat sie mir versprochen. Wir können nicht JEDEN Weg gehen, den ich gehen möchte, weil manche verboten sind und manche ins nirgendwo führen und wieder andere an einer großen Straße enden. Aber unter den wählbaren Wegen darf ich wählen.)
Jetzt erzähle ich noch kurz, was nach unserem Distanzritt passiert ist:
Nichts.
Naja, das stimmt so nicht. Erst hatte ich einen Tag frei, um mich zu erholen. Haha! In Wirklichkeit war es mein Mädchen, die Erholung nötig hatte. Ihre Waden taten ihr tüchtig weh und müde war sie auch. Ich hingegen war fit und munter und allerbest gelaunt. Am Montag kam sie dann und hat ein bisschen Handarbeit mit mir gemacht, um zu sehen wie es mir geht und mich ein bisschen zu lockern. Das hatte ich aber keineswegs nötig. Ich war so verdammt stolz auf meine Leistung, dass ich mich wie der König der Welt fühlte und das habe ich ihr dann auch so gezeigt. Habe mich schön in Pose geworfen und bin eindrucksvoll neben ihr her getänzelt! Sie hat ein bisschen gelacht, aber sich vor allem sehr gefreut, dass ich mich selbst – völlig zu Recht! – so toll finde.
Danach ging der Alltag weiter mit reiten und Besuch durch meine diversen Freundinnen. Und dann ist mein Mädchen in Urlaub gefahren. Einfach so. Ohne mich. Ab und zu tut sie das ja, aber ich werde mich daran nie gewöhnen. Was soll das? Es ist soooo langweilig! Vor allem weil Diego und Caruso ja jetzt den ganzen Tag auf der Weide sind, während Gatsby und ich noch nicht mal den Rundlauf zur Verfügung haben. Der ist nämlich abgesperrt, weil die Eicheln schon fallen. Ach menno, wie öde. Was soll man da den ganzen Tag tun? Naja zum Glück wächst im Paddock ja überall so ein bisschen kurzes Gras, das habe ich dann einfach verschmaust. Und auf Äpfel gewartet, die vom Baum fallen.
Und so kam es, wie es kommen musste: kaum war mein Mädchen wieder da, hat sie auch schon gesagt, ich sei zu dick. Ja und wessen Schuld ist das? Deine natürlich! Ich brauche eben ganz viel Sport und Abenteuer, um in Form zu bleiben. Und wenn Du Deine Pflichten so schleifen lässt, bleibt mir nichts anderes übrig, als mir die Zeit mit Essen zu vertreiben.
Also hat sie mir mit Diät und Sport gedroht (wobei Sport für mich keine Drohung ist, sondern ein Versprechen).
Aber sie hat mir auch direkt noch ein Abenteuer geliefert. Davon erzähle ich euch nächstes Mal, jetzt hab ich erstmal ne Verabredung zum Ausreiten!
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (immer auf der Suche nach dem nächsten Abenteuer)