Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 10. August 2026

Es ist so viel los im Moment, dass ich kaum hinterher kommen mit meinen Berichten!

Also am Sonntag war Training für den Pas de Deux. Am Montag wartete dann mal wieder ein ganz besonderes Abenteuer auf mich! Mein Mädchen hatte einige Wege ausgesucht, die sie gern mal erkunden wollte. Und anstatt sich – wie sonst – alles vorher schon genau mit dem Auto oder Fahrrad anzuschauen, hat sie diesmal beschlossen, dass ich groß und erwachsen bin und wir das so schaffen. Also den Rennesel eingeladen und den Mann und los ging es. Ach ja, hier kenne ich mich doch gut aus, das ist doch der schöne Wald! Diesen Weg kenne ich – leider haben sie den streckenweise frisch geschottert, früher war er noch viel schöner…. Naja, das übliche Problem eben.

Und da, da steht die große Bank – die allerlängste Bank, die wir kennen. Und auf der Bank ein Mann, der drei Dackel an der Leine hat. Also Schritt und freundlich grüßen, wie es sich gehört. Drei Dackel! Aber ganz lieb und still. Nur Dackel Nummer vier – der war weder angeleint, noch lieb. Der kam angeflitzt aus dem Wald und ging mir direkt ans Hinterbein! Der Besitzer brüllte „Gustav!“ und während mein Mädchen mir sagte, ich soll den bitte einfach wegatmen, teilte der Mann dem Besitzer von Gustav mit, dass Gustav sich besser von meinem Hinterbein entfernt, wenn ihm seine Gesundheit am Herzen liegt. Mein Mädchen war mir sooooo dankbar und so stolz auf mich, dass ich die Situation so überaus entspannt gemeistert habe und Gustav eben nicht mit einem kleinen, gut gezielten Tritt zu einem Freiflug ins nächste Postleitzahlengebiet verholfen habe. Sie hat mir dann gesagt, ich soll mal ruhig weitergehen. Bin ich. Und hinter uns ging das Gebrüll los:

„GUSTAV!! KOMMST DU HIERHER! GUSTAV! HIERHER!“ während Gustav nicht eine Sekunde daran dachte, zu tun, wie ihm geheißen war. Mein Mädchen hat kurz überlegt, ob wir nicht einfach Hackengas geben sollen, aber sie wollte mir auch gern vermitteln, dass gesitteter Schritt die korrekte Verfahrensweise in dieser Situation ist. Sie hat mir fest versprochen, dass der Mann mich beschützt, falls Gustav seine Zähne auspacken sollte und sie hat mir auch fest versprochen, dass sie – falls wir mal allein in so eine Situation geraten sollten – absteigen und die Gerte gegen den Hund einsetzen wird. Das klingt fies, ist aber für den Hund sehr viel verträglicher, als wenn ich mich selbst wehre.

Als Gustav dann endlich doch mal das Weite gesucht hatte, gab es prompt einen Keks und ich kann mir bis heute die Lobeshymnen anhören, dass ich so entspannt geblieben bin. Denn obwohl Gustav uns wirklich genervt hat, wollte mein Mädchen doch gern, dass auch er unbeschadet aus der Situation rausgeht. Liebe Hundebesitzer: euer Hund zieht den Kürzeren, wenn ich keine Lust mehr habe! Und mein Mädchen sagt, das will sie nicht erleben. Also bitte, sorgt dafür, dass ich unbehelligt weitergehen kann.

Nach dieser Begegnung der dritten Art ging es dann ab auf die neuen, unbekannten Wege. Ach, toll, endlich seh ich mal was anderes! Das hat mir richtig gute Laune gemacht. Ich bin fröhlich getrabt, als plötzlich

Vollbremsung!

Mir sind noch bisschen die Vorderhufe auseinandergerutscht, aber dann stand ich. Was zum Henker glitzert denn da hinter der Kurve so? Glitzern finde ich immer noch schwierig, auch nach all den Jahren. Der Mann hat angeboten, mit dem mutigen Rennesel vorweg zu gehen, aber mein Mädchen wollte gern, dass ich selbst die Verantwortung übernehme. Also standen wir und ich hab geguckt. Und geguckt. Und geguckt. Dann hab ich mich auf Anfrage meines Mädchens 2 oder 3 Schritte vor getraut. Dann wieder gucken. Und dann ging es, dann bin ich mutig an alle dem Zeug vorbei gegangen, was da stand. Ein Anhänger. Heulageballen. Ein altes Auto, ein Haus, ein Pferdeanhänger, ein LKW.  Mein Mädchen war sehr, sehr stolz auf mich, dass ich soooo mutig vorneweg gegangen bin und hat gleich mal wieder einen Keks springen lassen.

Danach kam eine sehr unaufgeregte Strecke. Bisschen Trab, ein kleiner Galopp – inklusive Hufschuhverlust, den musste der Mann mir dann wieder anziehen und ihn ordentlich festmachen, danach ging es auch.

Der Mann macht Hufschuhservice, mein Mädchen kann sitzen bleiben

Dann in ein „Dorf“ (war nur eine Ansammlung von ein paar Höfen). Oh ich höre ein Auto hinter der …

Wusch!

Schon war das Auto in einer Staubwolke an uns vorbeigebrettert! Zum Glück bin ich da ja sehr erprobt und entspannt! Mein Mädchen war etwas enttäuscht, sie hatte doch gehofft, dass meine schöne bunte Bimselgebamseldecke die Autofahrer so irritiert, dass sie langsamer machen, aber das war wirklich weit entfernt von langsam.

Und dann kamen wir doch tatsächlich plötzlich an einem Polizeiauto vorbei! Schade, dass die nicht eben da waren, als der Typ so an uns vorbei gebrettert ist. Die hatten nämlich einen Blitzer aufgestellt! Aber sie meinten, ich sei wohl nicht schnell genug, um mich blitzen zu lassen. Schade eigentlich, das Bild hätten wir wie eine Ehrenurkunde aufgehängt. Wir wurden noch gefragt, was es wohl mit meinen hübschen bunten Bändern auf sich hatte, dann haben wir den Blick wieder freigegeben für den Blitzer. Ist uns ganz recht, wenn dafür gesorgt wird, dass die nicht so fies rasen! Wir wollen schließlich friedlich ausreiten!

Achtung! Blitzer voraus!

Noch ein Dorf – diesmal ein richtiges Dorf. Und ich hatte das leise Gefühl, mal zu müssen. Mein Mädchen meinte „nicht im Dorf“ und dann sagte sie „wenn dann da, da ist ein Grünstreifen“. Aber in dem Moment wo sie das sagt, schaut sie zur Seite und sieht dieses Schild! Da wäre sie vor Lachen fast von mir runtergeplumpst. Ich hab mich dann beherrscht und NICHT direkt unter das Schild geäppelt. Genaugenommen war ich sogar so nett, überhaupt nicht ins Dorf zu äppeln. Obwohl das eigentlich ja gute Tradition ist!

Nach ein paar weiteren Kilometern trafen wir dann wieder auf die laaaaange Bank – Gustav war allerdings zum Glück nicht mehr da – und traten den Rückweg an. Gute 16km in 2Std 10 min auf der Uhr und ich war sehr zufrieden mit mir und der Welt. Ab in die Wackelkiste!

Aber der Tag war noch gar nicht zu Ende! Denn die Wackelkiste wurde auf einem fremden Hof geparkt. Dann wurde mir vorn die Kekstür aufgemacht und ich durfte in der Wackelkiste stehen, Heu schmausen und rausschauen, während mein Mädchen zwei Pferden die Hufe in Form geraspelt hat. Also so lässt es sich leben! Ich war hoch zufrieden mit dieser neuen Tagesgestaltung und beantrage, dass wir das jetzt öfter mal so machen, da hab ich auch noch mal was zu gucken!

Mein neues Hobby: meinem Mädchen bei der Arbeit zuschauen

Euer gut bespaßter Sir Duncan Dhu of Nakel

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