Nach unserem schönen Alleine-Ausritt ging es dann am Sonntag wieder an der anderen Front weiter mit üben: Pas de deux! Diesmal kam der kleine Herr Fjord zu uns und wir haben auf dem Reitplatz geübt. Mein Mädchen hatte im Scherz gesagt, der Mann könnte eine Trillerpfeife bekommen und immer pfeifen, wenn wir abbiegen sollen, wie sich das bei den großen Quadrillen gehört. Womit sie nicht gerechnet hatte: der Mann hat eine Pfeife gefunden und fing an zu pfeifen! Das hat mich irgendwie durcheinandergebracht. So ein fieser, schriller Ton! Und dann ist es passiert: gerade als ich in der Ecke durch die Büsche linse und dort – oh Schreck! – Diego und Caruso auf der Weide erspähe (irgendwie schon erschreckend, dass die dauernd mehr Gras bekommen als meinereiner!), pfeift der Mann einen lauten Pfiff und da hat es mich doch kurz verlassen. Habe einen doppelt gesprungenen Rittberger mit halber Schraube hingelegt und einen Satz in eine ganz andere Richtung gemacht. Und dabei stellte sich raus: mein Mädchen hatte mir wohl beim Nachgurten zu viel Luft gelassen. Jedenfalls geriet sie plötzlich ins Rutschen, was sonst bei meinen Hopsern gar nicht ihre Art ist (ein gutes Pferd bleibt immer unter seinem Reiter und ich achte ja doch immer drauf, sie noch mitzunehmen). Ich bin dann erstmal stehengeblieben und mein Mädchen hing ein bisschen so an meiner Seite herum, bis sie einsehen musste, dass es nur eine Lösung gibt: Absteigen, neu satteln. Sorry, mein Mädchen, das wollte ich nicht! Aber sie fand das nicht schlimm, war ja nicht meine Schuld. Nach dieser Panne konnten wir dann weiter üben, aber unsere Konzentration war doch irgendwie sehr mäßig. Der Mann hat fröhlich weiter gepfiffen, weil ich mich da ja dran gewöhnen sollte – hab ich auch, aber es hat halt doch etwas an meiner Aufmerksamkeit genagt – und die Ecke, in der ich mich erschreckt hatte, war mir jetzt doch ganz grundsätzlich nicht mehr ganz geheuer, was mein Mädchen irgendwie albern fand. Trotzdem waren die Mädchen nachher zufrieden, was unsere Pas-de-Deux-Fähigkeiten angeht, auch wenn die Reiterei an sich ziemlicher Murks war. Das Mädchen von dem kleinen Herrn Fjord war vor allem – völlig zu Recht – sehr fröhlich, weil ihr Pony sich durch meinen Hoppsassa nicht hat irritieren lassen. Das ist eine sehr wichtige Eigenschaft, dass man nicht in Panik gerät nur weil jemand anders etwas Chaotisches macht. So wie ich ja auch nicht mit hüpfe, wenn mein Ausreitkumpel einen Baumstamm für gefährlich erklärt.
Am Ende haben wir noch kurz das Reiten mit Fahnen geübt, dafür hat mein Mädchen extra eine Schottlandfahne erworben. Wenn wir jetzt noch rausfindet, wie sie damit so reitet, dass sie auch sieht wo es langgeht, ist es fast perfekt. Sonst muss ich halt die Steuerung übernehmen, wenn sie nichts mehr sehen kann, ist auch gut.

Obwohl also eigentlich alles gut war, war mein Mädchen abends doch etwas frustriert, weil es nicht so schön und harmonisch war, wie sie es gern gehabt hätte. Aber ich hab sie getröstet, mich kurz in ihren Arm gekuschelt, ihr erlaubt mich einmal feste zu umarmen und dann war alles auch schon wieder gut. Herzensreparateur ist und bleibt nun mal meine Hauptaufgabe!
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit der leichten Sibilumophobie