Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 458

Sonntaaaaaag! Ich hab meinem Mädchen gleich gesagt, was heute dran ist: Ausreiten! Und da lasse ich auch nicht mit mir reden! Ich wollte sie direkt am Strick vom Hof runterziehen, aber da hat sie gelacht und gesagt, wir sollten schon erst noch die Schuhe anziehen und satteln.

Eigentlich wollten wir mit der Wackelkiste los, aber daraus wurde nichts. Mein Mädchen hat mir erklärt, dass sie und der Mann heute Nachmittag nochmal ohne uns los wollen. Und zwar zu einer Demonstration. Ich hab sie gefragt, worum es denn da wohl geht und sie hat mir das so erklärt: In Deutschland scheint es ein paar Menschen zu geben, die finden, dass Menschen aus anderen Ländern nicht so gut sind wie die, die in Deutschland geboren wurden. Das ist so, als ob ich zum Beispiel nur noch mit weißen Ponys zusammenleben würde oder nur noch mit Schotten, oder vielleicht sogar nur mit weißen Schotten. Ich hab sie verständnislos angeschaut: warum sollte ich das denn wollen? Meine besten Freunde haben fast alle eine andere Farbe als ich. Und sie sind andere Rassen. Nicht nur meine Freunde hier zu hause, sondern auch mein Ausreitkumpel, mein Schimmelfreund und der schöne Spanier! Und ich selbst bin genetisch gesehen Schotte, meine Mama und mein Papa sind aus Schottland gekommen, aber ich wurde in Dänemark geboren und bin dann nach Deutschland ausgewandert. Bin ich jetzt Schotte, Däne, oder Deutscher? Mein Mädchen sagt, ich bin das beste Pony der Welt und nur darauf kommt es an. Und deswegen geht sie zu der Demo, weil sie es auch bei den Menschen viel lieber bunt mag als so einheitlich. Und sie freut sich sehr, dass sooooooo viele Menschen das genauso sehen wie sie!

Also, weil die beiden Menschen noch zur Demo wollen, war keine Zeit für die Wackelkiste. Aber es ist dringend Zeit für Training! Und was heißt das nun wieder? Richtig, es geht über den Berg…. Vor dem Berg ging es aber erst mal ins Dorf. Dort müssen wir immer durch ein kleines Hindernis, wo man sich so durchschlängeln muss. Bisher ist mein Mädchen da immer abgestiegen aber heute meinte sie, dass ich das jetzt auch mit ihr oben drauf kann. Ich habe mich reingeschlängelt, dann wusste ich nicht genau und bin erst mal stehengeblieben. Sie hat gesagt, ich kriege das hin und also habe ich mich auf der anderen Seite wieder raus geschlängelt und – zack! – Mädchen stolz!

Da hab ich mich durchgeschlängelt – mit meinem Mädchen an Bord!

Aber zwischendurch meinte sie dann, ich hätte wohl etwas Übermut. Nur weil ich mal Stimmung gemacht hab. Und deswegen sagte sie, wir erklimmen den Berg im Trab. Nun ist der Berg nicht nur steil (und wird immer steiler, je weiter rauf man kommt!), sondern derzeit auch sehr matschig. Gleichzeitig ist er aber auch voller großer Steine und dann lagen da auch noch Äste. So war die Herausforderung perfekt, aber mein Mädchen hat gesagt, das schaffen wir und ich hab das dann auch geschafft. Ich weiß ja auch: oben auf dem Berg machen wir traditionell eine schöne, ausgiebige Graspause!

Diego kam den Berg im Schritt hoch. Während ich mich den ganzen Winter über einigermaßen fit gehalten habe, ist er ja wegen des Hufgeschwürs und seiner komischen Zähne so gar nicht gut in den Winter gestartet und dann war ewig kein Wetter bei dem man so wirklich Muskeltraining machen konnte. Deswegen muss er jetzt mit der Fitness von vorn anfangen. Und plötzlich ist alles umgekehrt: seit ich hier bei meinem Mädchen bin war Diego immer der „Große“ und hat Rücksicht auf mich genommen. Hat auf mich gewartet, wenn ich nicht schnell genug war und sich an mein Tempo angepasst. Jetzt bin ich der fittere von uns beiden und ich bin dran mit anpassen. Diego soll ja sein Schritttempo gehen (schneller als meins) und keine Rücksicht mehr nehmen, aber umgekehrt, wenn er den Berg im Schritt macht, den ich im Trab schaffe, bin ich dran damit, oben auf ihn zu warten. Ok, kann ich!

Nach ungefähr 1,5 Stunden und 8km waren wir dann wieder zu hause. Ich fühle mich entspannt, aber kein Stück müde und das weiß mein Mädchen auch ganz genau und plant schon wieder, was diese Woche noch so auf meinen Zettel kommt, damit ich nicht zu viel Übermut und Burgkoller ansammle. Außerdem muss ich meine Fitness noch ein bisschen steigern, denn sobald mal gutes Wetter auf den richtigen Wochentag fällt, wollen wir auch wieder den Ausreitkumpel besuchen und ich weiß genau, dass der im Winter viiiiiiiel mehr draußen unterwegs war als ich und jetzt aussieht wie ein Top-Athlet und mich einfach abhängt, wenn ich nicht aufpasse!

So liebe Menschen, schaut doch mal ob es nicht in Eurer Nähe auch noch eine Demo gibt, damit unser Leben schön bunt bleibt!

Euer schottisch-dänisch-deutscher Sir Duncan Dhu of Nakel

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  1. Avatar von Stella, oh, Stella

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