Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 417

Wie viele Erlebnisse passen eigentlich in einen Sonntagsausritt?
Also geplant war, dass wir zur Autobahnbrücke reiten. Zum Üben. Und dann wieder nach Hause. Das war übrigens ausnahmsweise nicht die Idee meines Mädchens, sondern die vom Mann. Stolze 16km wären das geworden!
Also haben wir alles eingepackt, alles angezogen und los. Weit sind wir aber nicht gekommen, denn schon nach den ersten Metern fiel meinem Mädchen auf, dass sie vergessen hatte, mir das obligatorische Zöpfchen zu flechten! Also umdrehen, Zöpfchen flechten, wieder los.
Nach einer kleinen Weile musste Diego mal was fallen lassen. Nun ist es ja normal, dass die Menschen das wegräumen, wenn wir im Dorf sind. Waren wir aber gar nicht. Trotzdem ist der Mann abgestiegen und komischerweise hat er sich sogar darüber gefreut! Er hat sich vom Mädchen eine Tüte geben lassen und einen kleinen Teil des Haufens säuberlich eingetütet und dann ein Etikett drauf gemacht. Es ist nämlich wieder einer dieser Tage…. . und anstatt uns einzeln irgendwo einzusperren meinte mein Mädchen, wir erledigen das ganz elegant so nebenbei. Gut.

Echt jetzt? Eintüten, beschriften und mitnehmen? Menschen…..

Nachdem das geschafft war, ging es weiter und auf zu einem munteren Galopp! Das war fein. Bis der Weg plötzlich so komisch wurde, da haben wir lieber durchpariert. Treckerspuren! „Oje“ meinte mein Mädchen „wir haben die Maisernte vergessen!“

Maisernte bedeutet, dass sehr, sehr viele sehr, sehr große Trecker sehr, sehr schnell durch die Gegend fahren. Für Reiter bleibt da nur eins: immer auf der Hut sein und rechtzeitig irgendwo im Heckloch oder neben dem Weg auf dem Feld oder der Wiese verschwinden. Und das ging dann auch alsbald los. Riesig sind die Dinger und mein Mädchen fürchtet sich ziemlich davor. Ich nicht. Noch nicht mal wenn sie direkt neben mir „pffffffffft“ machen. Ich weiß doch: je größer der Trecker, desto größer der Keks! Null problemo!

Was mir allerdings schon etwas Sorge gemacht hat, war der starke Feuergeruch, an dem wir dann vorbeigekommen sind. Da haben wir Ponys von Natur aus so eine Steppenbrand-Warnglocke. Mein Mädchen hat aber versprochen, dass das nicht schlimm ist und Diego war wie immer völlig unberührt, also hab ich das auch geschafft.


Als wir dann 4 riesige Trecker später im Nachbardorf – Kleinvollstedt – ankamen, sind wir wie geplant rechts abgebogen. Aber da kam schon wieder so einer! Und zwar genau aus dem Weg raus, in den wir einbiegen wollten. Und da hat der Mann gemeint, wir bräuchten Plan B. Also umdrehen und überlegen, wie ein möglichst Maistreckerfreier Weg nach Hause führt. Der ging dann erst mal durch dieses ganze, ewig lange Dorf. Kleinvollstedt ist nicht groß (das sagt ja schon der Name) aber es zieht sich einfach soooooo in die Länge! 2km immer geradeaus die Dorfstraße lang. Klingt langweilig, ist aber eher das Gegenteil! Weil es da einfach alles gibt: Noch ein Maistrecker (man war der schnell!), ein Sportwagen, der uns gleich zweimal überholt hat (der ist bestimmt im Kreis gefahren und wollte angeben!), Fahrradfahrer, Kinderwagen, Motorräder, eine Frau die vor ihrer Haustür Unkraut aus den Steinen gekratzt hat, jemand der unsichtbar, aber recht laut ein komisches Gerät bedient hat…. und so weiter, und so weiter. Und das waren jetzt nur die Dinge, die sich bewegen, alles andere, was sich nicht bewegt und keine Geräusche macht, ist ja auch da und will beachtet werden. Da läuft mein Kopf auf Hochtouren (und der von meinem Mädchen auch, schließlich versucht sie immer, alles wahrzunehmen und einzuschätzen was ich wahrnehme, damit ich mich auf sie verlassen kann).


In der Mitte des Dorfes stehen zwei Rinder auf einer Weide. Normalerweise bin ich da ja nicht so, aber diese Rinder haben ganz komische Geräusche gemacht! Da hatte ich einen halben Nervenzusammenbruch und musste mich ein bisschen an Diegos Schweifzipfel hängen. Mein Mädchen hat auf mich eingeredet und versucht, mir zu erklären, dass das gar nicht die Rinder sind, die die Geräusche machen. Und als wir dann an der Rinderweide vorbei waren, fiel mir auf, dass sie recht hatte! Da standen einige kleine Menschlein am Straßenrand und die haben die Geräusche gemacht! Erst fand ich das komisch, aber dann dachte ich: ach, Menschen sind Menschen, egal wie groß. Dingo war wieder vorneweg und gerade als er auf der Höhe der kleinen Menschen war fragte der eine kleine Mensch „darf ich das mal streicheln?“. Also haben wir angehalten. Die kleinen Menschen haben ganz lieb gefragt, ob sie mich auch streicheln dürfen und mein Mädchen hat ja gesagt und genau beobachtet wie ich reagiere. Die kleinen Menschen waren sehr, sehr lieb und haben mich ganz zart gestreichelt und das fand ich total nett! Ich hab mich streicheln lassen und nochmal streicheln lassen und fand das alles ganz wunderbar in Ordnung. Die kleinen Menschen wollten wissen, ob ich ein Junge oder ein Mädchen bin, wie alt ich bin, und warum ich einen Zopf habe. Mein Mädchen hat alles beantwortet und ich hab dem einen kleinen Menschen einen zarten Kuss geschenkt, weil die so nett waren.

Freundliche kleine Menschen am Wegesrand!

Nach einer Weile sind wir dann weiter gegangen. Noch ein ganzes Stück durchs Dorf. Als wir dann schließlich von der Hauptstraße abgebogen sind, kamen wir auf den Weg wo es an dem Friesenhengst vorbei geht. Das ist vielleicht ein Macker! Der macht immer eine Szene, wenn wir da vorbeikommen, rennt am Zaun auf und ab und plustert sich auf. Ich bin da ja raus aus dem Stadium, bin ja jetzt Wallach und in diesen Momenten ist mein Mädchen immer besonders froh darum. Ich auch, ehrlich gesagt, so viel Aufregung brauche ich nicht. Naja, mein Mädchen ist trotzdem vorher abgestiegen, weil der Angeber mich doch meistens noch ordentlich aus dem Konzept bringt. Aber heute hatte ich einen Plan. Ich bin einfach am langen Zügel neben meinem Mädchen hermarschiert und habe betont in die andere Richtung geguckt. Und so getan, als könnte ich den Kerl gar nicht sehen. Mein Mädchen fand, dass ich das mega toll gemacht habe, hat erst einen Keks rausgerückt und dann einen Graspause verkündet. Oh toll, was zu essen kam mir nun gerade recht nachdem ich schon so viel Gehirnschmalz investiert hatte.
Wir haben also was geschmaust und gerade als wir wieder los wollten, kam ein anderes Pferd mit Reiterin aus dem Wald getrabt. Als es uns gesehen hat, hat es sich plötzlich total gefürchtet – und das obwohl wir gar keine Zebraverkleidung anhatten. Ich war ein bisschen verwundert, dass man sich so aufregen kann über zwei so nette, entspannte Gesellen wie Diego und mich. Na, ich muss nicht alles verstehen.
Jetzt kam endlich der romantischere Teil der Reise. Naja so halb, denn der Weg sieht zwar schön aus, geht aber erst mal direkt neben der Autobahn entlang. Aber ich kann das inzwischen, ich weiß, die machen da allerhand komische Geräusche, das braucht mich aber nicht zu interessieren.
Dann über die Straße zum wirklich romantischen Teil. Da sind wir dann noch ein schönes Stück galoppiert, das hat Spaß gemacht und mein Mädchen war sehr zufrieden mit mir.
Als wir dann auf den größeren Weg kamen, war schon wieder was los! Da haben zwei Männer ein merkwürdiges Gefährt auf einen Anhänger verladen. Sie waren dabei, mit Ketten das Ding fest zu machen und das hat sehr merkwürdige Geräusche gemacht. Ich hab mich ein bisschen gegruselt, bin aber tapfer weiter gegangen. Gerade als wir dran vorbei waren, hat es nochmal richtig laut „krchrch“ gemacht und ich hab mich ein bisschen erschreckt.

Bin zusammengezuckt und habe blitzschnell die Möglichkeiten abgewägt. Dann habe ich mich für die mit dem Keks entschieden. Das ist ja die Regel, die mein Mädchen aufgestellt hat: wenn ich Angst habe und mich statt rennen fürs stehenbleiben entscheide, kriege ich einen Keks. Und den hab ich mir dann auch geben lassen und da waren wir beide sehr, sehr zufrieden!
Danach noch ein schöner Galopp und schon waren wir wieder in Groß Vollstedt. Und ich musste mal. Diesmal sind die Bollen auf der Straße gelandet und darauf hatte mein Mädchen die ganze Zeit gewartet. Normalerweise sollen wir nicht im Dorf äppeln. Heute wollte sie, dass ich im Dorf äppel. Wie man´s macht….. aber ich hab es ja richtig gemacht. Also wurden meine Äppel auch noch sauber vertütet und etikettiert.
Am Landgasthof vorbei und dann den schmalen Weg unter den Weiden durch (mein Mädchen hat sich in einer Tour die Spinnenweben aus dem Gesicht gewischt) und dann ab nach Hause.
Fast 13 km in 2,5 Stunden, aber mein Mädchen sagt, für unsere Köpfe müsste man das dreifache zählen, bei dem was da heute alles los war. Ich fand´s toll, ich bin gerne kopfmüde.
Und ich hab alles richtig macht und wunderbar gemeistert, sagt mein Mädchen. Wie ein ganz Großer (der ich ja auch bin!). Nächsten Sonntag, hat mein Mädchen beschlossen, ist dann aber unbedingt wieder Romantik angesagt.

Euer kopfmüder Sir Duncan Dhu of Nakel

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  1. Avatar von Vorgärtnerin
  2. Avatar von zuselfee

2 Comments

  1. also das mit dem Sportwagen, das war bestimmt so:
    Der Sportwagen hatte ein bisschen Grusel davor, zwei Ponys mit sehr harten Hufen zu überholen – wenn die Hufe gegen ihn treffen, hat er sofort fiese Beulen und Kratzer und sieht aus, als wäre ihm was schreckliches passiert.
    Deswegen hat sein Mensch ihm gesagt, überhol die Ponys und es gibt einen Autokeks!
    Und das haben die zwei dann zur Sicherheit noch mal gemacht, damit der Sportwagen es auch sicher gelernt hat.

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