Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 395

Diese Woche sind die Wochentage durcheinander geraten! Am Dienstag war viel zu viel Wetter um schön ausreiten zu gehen, also wurde der Dienstagsausflug erst auf Donnerstag verschoben und dann wurde er nochmal verschoben auf Freitag. Was für ein Chaos, wer soll sich da noch auskennen?

Das Gute ist ja: ich weiß genau, wann wir mit dem Ausreitkumpel losziehen. Woher ich das weiß, verrate ich nicht, aber ich weiß es. Und wenn mein Mädchen mich dann ruft, dann freue ich mich doll und komme sofort. Ich wollte ja auch gleich in die Wackelkiste einsteigen, die schon offen parat stand. Aber nein, erst noch die Hufschuhe anziehen. Jetzt aber, ja? Nein, erst noch ein Zöpfchen flechten. Aber jetzt, oder? Nein, erst noch einsprühen. Himmelherrgott ich will endlich los! Ja, dann ging es endlich los. Mein Mädchen hatte eine schöne, große Tour (11,2km) geplant. Das Mädchen vom Ausreitkumpel wollte nicht in den Wald, weil da so viele Mücken sind, sie wollte lieber durch die Felder in dem Gebiet wo sie früher mit den besten Ponys 1.0 immer unterwegs waren. Also los! Tja, was soll ich sagen. Mücken waren da tatsächlich keine. Nur Bremsen, und davon viele. Und alle waren sie hungrig! Kaum waren wir gestartet, fielen sie über uns her und wollten uns aussaugen! Wir haben ja zum Glück unsere patenten Decken und und mein Ausreitkumpel hatte auch eine Fliegenmaske auf, aber mein Kopf wurde zum allgemeinen Festschmaus erklärt und da half auch mein üppiges Wallehaar nicht so richtig gut. Ich kann euch sagen: das hat sooooooo genervt! Am Anfang ging alles noch. Ich habe nämlich alsbald raus gefunden, wie man die fiesen Bremsen am besten los wird: im Galopp! Und mein Mädchen war auch dieser Meinung. Also sind wir mal wirklich schön ausgiebig galoppiert (so fühlte es sich für uns an. Es waren aber nur 600Meter….). Ich bin sogar vorne weg galoppiert und ein Stück sind wir nebeneinander her galoppiert! Erster gemeinsamer Galopp! Da waren unsere Mädchen beide ganz glücklich, das war wieder ein großer Meilenstein und natürlich haben wir Ponys das wieder alles perfekt gemacht, auf uns ist schließlich Verlass!

Leider mangelt es mir da noch an Training mit meinem Mädchen oben drauf zu galoppieren und heiß war es auch, also konnte ich das alsbald nicht mehr. Wir sind dann getrabt, damit wir wenigstens nicht ganz aufgefressen werden. Um meinen Kopf etwas bremsenfrei zu halten hat mein Mädchen immer mit der Gerte daran entlang gestrichen Ich hab immer schon meine Nase an die Gerte gedrückt, damit sie mir die Bremsen damit abstreichen kann. Das war die einzige Methode, wie ich es irgendwie aushalten konnte.

Mein Ausreitkumpel hatte mal wieder Hüpf-Tag und an einer Stelle fand er eine Bank so gefährlich, dass er ein gutes Stück zur Seite und mit seinem Hintern im Trab voll gegen meine Schulter gesprungen ist! Ich bin ordentlich zur Seite geflogen und fast im Graben gelandet, aber weil ich ja so ein Guter bin, habe ich auf alle aufgepasst und so kam niemand zu Schaden. Mein Mädchen war schon wieder sehr stolz, weil ich das so gelassen hingenommen habe.

Nach flotten 6,5km war mein erster Tank leer und ich konnte die Mädchen zum Glück zu einer Graspause überreden. Leider hatten da nicht nur wir Buffet, sondern auch die Bremsen! Die fielen da mal munter über die Menschen her. Und wir hatten ja noch fast 5km vor uns! Es ging wirklich ums nackte Überleben sage ich euch. Mein Mädchen hat sich 1000 mal bei mir entschuldigt, dass sie so blöd war, ohne Maske mit mir los zu reiten. Sie hatte ein bisschen Angst, dass ich irgendwann die Nerven verliere und einfach stiften gehe, aber das hab ich natürlich nicht gemacht. Ich war müde und wollte einfach nur meine Ruhe und das beste was wir machen konnten, war, langsam zu traben. Irgendwann auf den letzten Kilometern war ich dann endgültig durch mit dem Lack. Mein Mädchen ist abgestiegen, aber damit sich die letzten 1,5km nicht so hinziehen, sind wir noch nebeneinander her immer mal ein Stück getrabt, bis ich auch darauf echt keine Lust mehr hatte.

Mein Ausreitkumpel hat nach dem Reiten immer das große Kopf-Jucken, vor allem wenn er so schwitzt, und hat sich dann mal überlegt, er könnte im Gehen seinen Kopf an meinem Hintern kratzen. Aber da ist mir dann doch der Kragen geplatzt! Ich habe ihm kurz mal meinen Hinterhuf vor die Brust gehauen – mit den Hufschuhen knallt das beeindruckend laut, sage ich euch! Mein Mädchen hat sich erst sehr erschreckt, sie lief so müde neben mir her und hatte nichts mitgekriegt. Aber das Mädchen vom Ausreitkumpel meinte nur, das sei völlig gerechtfertigt gewesen und ehrlich – wir tun uns ja nix, mein Kumpel und ich. Er war auch nur mäßig beeindruckt und wusste genau, dass und warum mir einfach der Geduldsfaden gerissen war. Das ändert nix daran dass er mein allerliebster Ausreitkumpel ist und mir im Falle von gefährlichen Bänken am Wegesrand natürlich ungefragt auf den Schoß springen darf.

Endlich an der Wackelkiste angekommen, durften wir erst nochmal etwas Gras schmausen während die Mädchen uns ausgezogen haben. Mein Mädchen hat sich Sorgen gemacht, dass ich total überfordert sein könnte. Dann haben sie uns einen Eimer Wasser hin gestellt, aber wir wollten nichts trinken. Um mein Mädchen zu beruhigen, habe ich lieber ein kleines Nasenspiel mit meinem Ausreitkumpel angefangen, damit sie sieht, dass ich ok bin. Dann hat sie den Schwamm genommen und das Wasser verwendet um uns kurz abzuwaschen, das war sehr angenehm (fand ich. Mein Ausreitkumpel fand es schrecklich!). Ende vom Ausflug! Und die Moral von der Geschicht: von Dienstag auf Freitag verschiebt man nicht. Oder so ähnlich.

Heute morgen hab ich mein Mädchen erst mal mit etwas Verachtung gestraft. So ein Flop! Da war ich ihr nun doch etwas gram. Aber heute mittag war ich fertig mit böse sein. Sie kann ja auch nicht sooooo viel dafür und sie hat versprochen mir einen guten Fliegenschutz für meinen Kopf zum Ausreiten zu besorgen. Sie ist furchtbar stolz, weil ich das wie ein Großer ausgehalten habe und wir sind beide furchtbar stolz auf unseren schönen Galopp. Ich, weil ich so schön galoppieren kann (rechts und links! Das darf ich momentan selbst entscheiden und ich wechsel immer mal ab), und mein Mädchen, weil sie gar keine Angst mehr hatte, dass ich dummes Zeug machen könnte, sondern mir voll vertraut und den Galopp genießen kann. Das klingt nach mehr davon! Das ist sehr in meinem Sinne, denn auch wenn ich es noch nicht lange durchhalte, finde ich Galopp doch einfach eine tolle Gangart!

Fotos gibt es keine – ihr ahnt wohl schon warum! Aber ich hätte euch wirklich gern so einen Schwarm Bremsen mitgebracht, damit ihr mal wisst, wie es mir ergangen ist!

Euer genervter, aber natürlich trotzdem tapferer und artiger Sir Duncan Dhu of Nakel

P.S. mein Mädchen sagt, mein Verhalten sei wahrlich sehr erwachsen gewesen. Und jetzt will ich nicht mehr hören, dass ich Pubertät hätte, mein Mädchen! Ich bin erwachsen!

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