Plan B

Mit Duncan ist mein Leben meistens leicht. Ich mache einen Plan, wir folgen diesem Plan und haben Erfolg oder zumindest so weit Erfolg dass wir beide uns gut fühlen und diesem Plan weiter folgen können.

Aber manchmal halt auch nicht. Dann klappt es halt nicht wie geplant, alles ist anders und es herrscht Chaos und schlechte Stimmung. So wie diesen Montag. Nachdem Duncan mich am Sonntag so viel getragen hatte und wir sogar unseren ersten Trab so fein hinbekommen haben, wollte ich endlich mal wieder mit ihm auf die Wippe gehen, denn das erschien mir das perfekte Ausgleichsprogramm. Duncan liebt wippen und seiner Rumpfmuskulatur tut es sehr gut, also los.

Leider gibt es da ein kleines – oder eher größeres – Problem. Denn Duncan lässt (genau wie Merlin und Diego auch) auf der Wippe gern mal den „Rüssel“ hängen. Er schachtet also aus und zeigt alles was er hat. Und während das bei Merlin und Diego kein Problem für mich ist, finde ich es bei Duncan nicht witzig. Oder sagen wir so: ich möchte es nicht auch noch mit Futter belohnen. Denn ich möchte ja nicht, dass er das Gefühl hat, je hengstiger er sich benimmt, desto besser wird sein Leben. Und so ist es nun mal mit der Futterbelohung: man belohnt ALLES. So schön er auch wippt, ich belohne mit dem Keks dann eben auch, dass er seinen Penis in voller Schönheit raus hängen lässt. Und das finde ich keine gute Idee, wenn ich in allen anderen Situationen nicht möchte, dass das Ding draußen hängt.

Bisher habe ich es so gemacht: kurz auf die Wippe, dann kommt irgendwann das Ding raus, dann gehen wir wieder runter, machen was anderes, bis er ihn wieder eingezogen hat, gehen wieder auf die Wippe. Aber leider ist dieser Plan nicht aufgegangen. Am Montag war es dann eigentlich nicht möglich, ihn mehr als zwei mal wippen zu lassen, schon war es wieder passiert.

Zum Glück war mein Mann im Homeoffice und so konnte ich ihn um Rat fragen. Genau wie ich ist er der Meinung, dass eine Futterbelohnung in dieser Situation nicht in Frage kommt. Es geht nicht darum, Duncan dafür zu bestrafen oder ihn nicht zu loben, es geht mir nur ums Futterlob, denn Futterlob ist das größte und beste Lob was ich habe und ich möchte es nur vergeben, wenn wirklich alles toll gelaufen ist. Wenn er z.B. beim Hufe auskratzen nicht ganz still steht, bekommt er ja auch keinen Keks, sondern halt nur ein nettes Wort. So lernt er den Unterschied zwischen „gut gemacht“ und „absolut perfekt“ ganz nebenbei. Da ich aber die Wippe ausschließlich über Futter erarbeitet habe, habe ich derzeit keine Option ihn dann nicht mit Futter zu belohnen, weil er das nicht versteht und dann frustriert ist. Es muss also eine neue Strategie her. So haben wir dann am Montag geschaut, wie die Lage ist und besprochen, was ich nächstes Mal anders machen und ausprobieren könnte. Gewippt haben wir so gut wie nicht, schon gar nicht so, dass Duncans Rumpfmuskulatur etwas getan hätte.

Mein Frust war groß. Ich wollte doch nur ganz entspannt und schön mit Duncan wippen. Statt dessen ist da ein Problem zu lösen, mit dem ich noch null Erfahrung habe und bei dem ich eigentlich bisher nur weiß, wie es NICHT funktioniert. Es ist eine der wenigen Stellen an denen ich merke, dass Duncan Hengst ist und dass ich deswegen mit manchen Dingen anders umgehe (wie gesagt, bei den Wallachen stört mich das ausschachten nicht). Ich bin inzwischen etwas besser darin geworden, solche Frustmomente auszuhalten. Ich weiß: es wird eine Lösung geben, ich muss sie nur finden. Ich überlege, wen ich fragen kann und wie ich das gewünschte Verhalten in anderen Situationen noch besser herstellen kann. Denn ich weiß, dass ich bei der Handarbeit auch nicht immer ganz genau achtsam bin, was Futterlob bei hängendem Rüssel angeht. Ich bin dann oft so konzentriert auf die Übung und er macht es so gut und – zack! – habe ich das magische Wort (Keks!) gesagt ohne zu sehen dass er im „Angebermodus“ ist. Wenn ich aber den Keks versprochen habe, muss ich ihn auch geben, sonst ist das ganze System futsch. Und so hat er den einen oder anderen Keks kassiert, während die ganze Pracht ihm zwischen den Beinen herum baumelte. Woher soll er dann wissen, dass ich das nicht möchte? Das ist nicht seine Schuld. Ich glaube dass er es im Wesentlichen schon ahnt, aber so lange mein Verhalten unbeständig bleibt, wird es in Extremsituationen eben nicht funktionieren. Es wird immer Situationen geben, wo er übermannt wird von seinen Gefühlen, das ist weiter nicht schlimm aber wie gesagt möchte ich das nicht auch noch belohnen.

Und so muss ich nun auch andere Stellen meines Trainings noch einmal gut überprüfen und noch besser nachdenken wann es Kekse gibt. Das nächste Problem erwartet mich dann beim Reiten, wenn ich nicht sehen kann, was er da unten so tut. Dann bin ich auf meine Mitreiter angewiesen, mich darüber zu informieren was stattfindet oder von Anfang an ohne Futterlob arbeiten (was ich durchaus in Erwägung ziehe).

Außerdem habe ich ihm in Fremdpferde-Situationen gelegentlich wissentlich Kekse gegeben obwohl der Rüssel raus hing, einfach weil ich gesehen habe wie sehr er sich um gutes Benehmen bemüht hat. Und da brauche ich vielleicht die hohe Motivation durch das Futter, damit er bereit ist an etwas anderes zu denken als an die fremden Pferde.

Die meisten Menschen, die ich zu dem Thema befrage, sehen da übrigens überhaupt kein Problem. Sie finden es auch beim Hengst nicht schlimm, wenn er ausschachtet. Sie glauben nicht, dass er sich dafür belohnt fühlt und denkt, dass es völlig in Ordnung ist. Manche glauben sogar, dass das Ausschachten in so einer Situation für Entspannung steht und also gar kein Thema ist. Andere denken so wie ich. Es gibt also kein gesichertes Wissen darüber, was es genau für das Pferd bedeutet – es wird situations- und pferdeabhängig sein. Aber wie ich meinen Schülerinnen immer sage: Futterlob birgt Gefahren. Eben weil es so stark motiviert, belohnt man mit dem Futter auch extrem stark und festigt Verhalten viel schneller als wenn man ohne Futter lobt. Und wehe man hat dann aus Versehen etwas belohnt, was man nicht wollte! Folgerichtig bekam ich auf mein Nachfragen in den Hengstgruppen auf Facebook auch prompt wieder zu hören, man solle besser gar nicht mit Futter belohnen. Ich sage immer, die Pferde können mit Futterlob bestens umgehen, nur wir Menschen können das nicht – und das ist das Problem. Es will eben gut überlegt sein und genau das tue ich jetzt.

Aber ich habe bei meinen Nachfragen auch nützliche Hinweise erhalten über die ich so noch nicht nachgedacht habe. Alle meine Pferde waren bisher gemütliche Typen. Mein Job war, sie zur Mitarbeit zu motivieren, sie anzufeuern, ihnen möglichst viel Abwechslung zu bieten. Duncan ist da ganz anders. Duncan ist eher übermotiviert und sieht – wie sich erst gestern wieder gezeigt hat – auch kein Problem darin, noch die 5. Runde um mich herum zu traben (wo meine anderen Pferde alle nach einer Runde sagen „Job erledigt!“). Ich darf also sowieso noch einmal genau hinschauen, ob ich nicht das Futter lieber reduziere und tatsächlich nur für die ruhigeren Dinge wie z.B. stillstehen einsetze. Das geht gegen mein Gefühl, aber ich glaube es liegt eben nur daran, dass mein Gefühl darauf geeicht ist, mein Pony zu motivieren. Duncan steht aber mit seiner ganzen Energie da und weiß manchmal gar nicht wohin mit sich – er zeigt das im Zusammensein mit mir nicht so deutlich, aber in der Herde sehe ich es und ich denke ich tue ihm einen Gefallen, wenn er auch mit mir diese überschüssige Kraft in sinnvolle Bahnen lenken kann – dazu braucht er keine Extra-Motivation. Er verändert sich gerade sehr auf dem Weg vom Kind zum ganzen Kerl und meine Aufgabe ist es, mein Verhalten entsprechend mit zu verändern. Da wartet vielleicht noch mancher Frust-Moment auf mich, wenn Plan A plötzlich nicht mehr funktioniert. Aber den Frust darf ich dann umwandeln in Plan B, denn genau dieses Verhalten erwarte ich ja auch von meinem Pony.

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1 Kommentar

  1. Knifflig!
    Du hast ja sonst auch schon mal bemerkt, dass er seinen „Rüssel“ reinholen soll und dann hat er es gemacht. Was war das Signal?
    Würde im Zweifelsfall ein kurzes Deuten mit der Gerte helfen?
    äh, ich bin absolut pferdelose Laiin ….
    was haben denn die anderen Hengstreiter gesagt, was das Rüsselzeigen bedeuten könnte, außer Entspannung?

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