Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 7. November 2026

Nach dem tollen Ausritt am Samstag murmelte mein Mädchen was von „Rache“ und meinte, wir gehen am Sonntag einfach gleich nochmal los. Diesmal allein in einen dieser wunderschönen Wälder, in denen wir zu selten sind. Sie hat wieder 19km geplant (das haben wir noch nie gemacht, zwei längere Ausritte direkt hintereinander) und hat sich vorgenommen, mal den Pulsgurt wieder an mich anzuschnallen und zu beobachten, wann ich überhaupt richtig was arbeite.

Aber der Pulsgurt hatte keine Lust. Das hatte sich also schnell erledigt und so sind wir eben ohne den Gurt losgezogen. Ach, so ein schöner Wald! Mein Mädchen hat diesmal von Anfang an darauf bestanden, dass ich fleißig vorwärts gehe. Ich bin ja allein manchmal noch ein bisschen langsamer unterwegs, aber sie hatte nach dem Ritt am Samstag so eine Laune…. Naja. Sagen wir, sie war mir immer noch ein bisschen böse wegen dieser Raketen-Nummer und meinte, ich könnte mich ruhig mal ordentlich anstrengen. Ja ok.

Nach dem Aufwärmen im Schritt ging es dann los mit Trab. Aber alsbald fand das Vergnügen ein matschiges Ende, denn die Reiter hatten mal wieder alle Wege kaputt gemacht es ist mal wieder Baum-Ernte und die sind wieder mit gigantischen Maschinen durch den Wald gefahren. Hat sich was mit schön traben, lieber schön im Schritt durch das matschige Stück. War zum Glück nicht lang.

Hier will ich geradeaus, mein Mädchen! Wenn wir allein sind, darf ich doch den Weg bestimmen! Aber da hatte ich die Rechnung ohne ihre Laune gemacht. Nix durfte ich bestimmen. Es ging rechts ab und da war nix zu wollen. Mist. Trab! Und jetzt wurde es anstrengend. Der Weg ist eigentlich recht fest, bis auf einzelne Stellen. Und die sollte ich dann einfach durchtraben durch den Matsch. Und der Matsch war tiefer als gedacht. Man, das war vielleicht anstrengend! Mein Mädchen meinte, wenn sie gewusst hätte, dass es dort SO schlimm ist, wäre sie den Weg gar nicht geritten. Ich hab ja gesagt, ich will geradeaus! Aber sie wollte ja nicht hören! Gleichzeitig war sie betrübt, dass der Pulsgurt nicht ging, denn der hätte jetzt doch verraten, wie anstrengend das für mich ist.

Als das geschafft war, ging es links, dann wieder links. Oh, ein Pferd! Da war ein Pferd mit 4 Menschen. Mein Mädchen war ein bisschen irritiert, weil die da so herumstanden, aber sie waren einfach nur spazieren.

Plattenweg! Und jetzt haben wir diskutiert. Soll ich auf dem Weiche laufen oder darf ich aufs Harte? Das Harte fand mein Mädchen zu hart zum traben, das Weiche war aber zu rutschig. So ging es immer ein bisschen hin und her.

Schließlich kamen wir auf Asphalt, da war eh Schritt angesagt. Ah, hier waren wir schonmal! Da kommt der Hof, den ich letztes Mal so gruselig fand. Da sollte ich mutig vorneweg gehen und mein Mädchen hatte dem Mann verboten, mir diese Verantwortung abzunehmen. Ich habe damals lange gestanden und geschaut, bis ich mich getraut hab. Umso mehr hat mein Mädchen sich gefreut, dass ich diesmal an allem ganz fröhlich vorbeimarschiert bin. Habe mir alles angeschaut, aber ich musste nicht anhalten. Zack! Mädchen stolz! Weiter ein Stück Weg, auf dem wir noch nie waren. Endlich wieder Plattenweg, da können wir nochmal versuchen zu trab…. Auto! Hatte sich was mit Trab. Der Autofahrer hat nett gewartet, bis wir vorbei waren. Jetzt aber Trab… Pferd voraus! Da war vor uns noch jemand mit seinem Pferd spazieren – es war wohl Spaziergeh-Tag! Und zwar von uns weg (also vor uns her). So und jetzt konnte ich brillieren. Habe mich genau an die Regel gehalten: ich darf schneller werden, aber nicht die Gangart wechseln. Also flotter Schritt. Wollte doch mal gucken! (und wenn ich gucken sage, meine ich anfassen).

Es ging eine ganze Weile, bis das Pferd an der nächsten Kreuzung links abgebogen ist. Da war mein Mädchen erleichtert, denn wir wollten eh rechts. Ich hab auch kein großes Protestgeheul deswegen gestartet, sondern bin brav abgebogen. Jetzt war aber Trab angesagt. Und zwar in einer leichter Steigung immer sachte bergauf. Knappe zwei Kilometer. Ja, das wird irgendwann doch anstrengender als gedacht. Mein Mädchen hat mich angespornt und an den Raketenmodus vom Vortag erinnert. Aber jetzt mal ehrlich: Raketenmodus macht halt mehr Spaß!

Dann kamen wir wieder in den Wald. Mein Mädchen hat gesagt, wir machen eine kleine Schrittpause auf dem Schotterweg, weil wir gleich noch zu den schönen Galoppstrecken kommen.

Aber dann nahm das Desaster seinen Lauf. Kaum waren wir auf den schönen Grasweg abgebogen und ein bisschen galoppiert, da standen wir vor einer Schlammwüste. Mein Mädchen hat geschaut und gesagt, wir versuchen, da durch zu kommen ist nicht weit bis zum nächsten Weg. Aber der nächste Weg sah genauso aus und der Schlamm wurde immer tiefer, so dass wir schließlich gewendet haben. Mein Mädchen hat sich tausendmal bei mir entschuldigt, dass sie mich da überhaupt rein geschickt hat und hat sich über sich selbst geärgert, weil sie nicht einfach gleich eine alternative Route gesucht hat. Bevor es weitergehen konnte, hat sie meine Hufschuhe nachgezählt und festgestellt, dass einer zwar noch dran war, aber nicht mehr so, wie er gehörte. Also musste sie ihn aus- und wieder anziehen und das mit einer Schlammkruste von 2cm Dicke. Zum Glück war eine kleine Pfütze in der Nähe, in der sie ihre Finger notdürftig abwaschen konnte. Ihr könnt euch vorstellen: ihre Laune war im Keller.

Immerhin hängt der Schuh da noch und ist nicht im Matsch steckengeblieben…

Außerdem war sie sehr traurig, dass die ganzen schönen Wege komplett zerfahren sind von den Baum-Ernte-Maschinen. Und sie war auch sauer, dass niemand sich die Mühe gemacht hatte, da mal ein Flatterband zu spannen. Das hätten wir uns ja voll sparen können, da rein zu reiten! Und sie war stinkwütend, dass man immer behauptet, Reiter würden die Wege zerstören. Also wie Hufspuren sah das mal so gar nicht aus!

Es wurde langsam schon etwas dämmrig und so blieb keine Zeit mehr, noch nachzuschauen, ob die anderen Wege besser aussehen. Außerdem war das leider nicht zu vermuten… Also sind wir schließlich auf den sicheren, aber geschotterten Wegen Richtung Wackelkiste zurückgegangen, noch einmal durch den schlammigen Weg vom Anfang (der uns jetzt ganz passabel vorkam im Vergleich zu dem davor).

Am Ende hat mein Mädchen noch ein schönes Video gemacht, weil der Wald so wunderbar bunt war und sie hat gesagt, sie möchte sich von diesem Ritt an zwei Dinge erinnern: das schöne, bunte Herbstlaub und meine Großartigkeit. Weil ich alles sooo toll gemacht habe: Matsch, Gruselhof, fremde Pferde, fremde Wege, umdrehen, Hufschuh aus- und wieder anziehen – einfach alles! Diesen Wald werden wir jetzt erst im Frühling wieder besuchen und dann werden wir ja sehen ob es dort dann wieder schöne Graswege gibt oder ob auch noch der letzte Rest geschottert wurde.

Schönes buntes Herbstlaub

Sie sagt, für den nächsten Ausritt fahren wir wohin, wo kein Wald ist, um uns weitere solcher Enttäuschungen zu ersparen. Geplant hat sie den Ritt auch schon. So langsam werden wir ja immer erwachsener und erweitern unsere Möglichkeiten, auch außerhalb des Waldes allein ausreiten zu gehen!

Freu mich schon drauf.

Euer matschfester Sir Duncan Dhu of Nakel

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