Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 4. November 2026

Es war nicht viel los seit dem Ausritt mit der spanischen Dame.

Also, wir waren natürlich auf dem Platz unterwegs und manchmal auch in der Halle (weil es doch öfter mal ziemlich viel geregnet hat). Aber ausreiten war nicht drin. Wetter schlecht oder keine Zeit. Laaaaaangweilig!

Am Donnerstag kam mein Mädchen dann mit dem Entpelzer. Das wurde auch mal wieder Zeit, denn seit der letzten Entpelzung war meine windschnittige Rasur schon wieder ordentlich nachgewachsen und ich hab schon beim Rumstehen geschwitzt. Ich bereite mich ja doch immer für einen Winter vor, den es so gar nicht mehr gibt!

Drei Stufen: frisch entpelzt, vor ein paar Wochen entpelzt und original Winterfell
„Rennfahreroverall“ wurde diese Frisur getauft. Warum wohl?

Und am Samstag war es dann endlich wieder so weit: Wackelkiste! Diesmal sogar ohne Hufschuhe. Super, so mag ich das am liebsten! Dann stört nix und ich kann nix verlieren. Und ich hab super Gefühl und guten Grip. Es ging zum Ausreitkumpel und dann ein Stück weiter in ein Gebiet, das wir eigentlich gut kennen. Aber früher haben wir da an einer anderen Stelle geparkt, weswegen wir jetzt quasi von der anderen Seite gekommen sind. Mein Mädchen hatte wieder die Tour geplant und sollte uns navigieren. Der Ausreitkumpel hat seine neuen Hufschuhe zur Schau gestellt, die wollte er mal testen. Er sagte direkt auf den ersten Metern schon, wie super bequem die sind und mein Mädchen hat schon rüber geschielt und überlegt, denn meine jetzigen Schuhe sind einfach zu schnell durchgelaufen, das bringt keinen Spaß.

Erst ging es ein Stück eine kleine Straße entlang. Links waren Schafe, aber die sahen harmlos aus. Nur rechts, da wurde es ganz komisch. Mein Ausreitkumpel und ich haben lieber mal die Handbremse angezogen und uns nicht mehr bewegt. Was zum Geier ist das? Da stand eine Holzhütte, die war ganz tief in den Boden gesetzt. Dort waren schwarze Schläuche und daneben stand ein blaues Monster, das extrem gefährliche Geräusche machte!

Die Mädchen haben sich auch gewundert, so etwas haben sie noch nie gesehen. Trotzdem meinten sie, es sei ungefährlich und wir könnten da ruhig vorbeigehen. Ha! Ihr wisst doch auch nicht was das ist, wie kommt ihr dann darauf, dass es ungefährlich sei? AUF KEINEN FALL! Kein vernünftiges Pony würde so ein Risiko eingehen, das ist doch wohl klar!

Naja, viiiiiiiel Überredung später haben wir dann doch all unseren Mut zusammengenommen und sind daran vorbeigegangen. Und es hat uns wirklich weder verfolgt noch angegriffen. Glück gehabt!

Nach all der Aufregung wollten wir doch gern erst mal bisschen Stress abbauen und ein bisschen traben. Aber direkt beim ersten Trab auf dem schönen Grasweg hat mein Ausreitkumpel dann den einen Schuhe verloren. Und zwar genau an der Stelle, wo vor 3 Jahren die Hirschlausfliegen über uns hergefallen sind. Mein Mädchen hatte Sorge, dass wir wieder überfallen werden, wenn wir dort anhalten müssen, aber zum Glück war niemand da, so dass das Mädchen vom Ausreitkumpel ihm den Schuh einfach wieder anziehen konnte.

Weiter ging es, durch die Matschlöcher und mit eingezogenen Köpfen unter ziemlich wild gewachsenen Büschen durch, bis wir auf den Plattenweg kamen. Und da ist mein Ausreitkumpel dann vorneweg angaloppiert und ich durfte auch.

Und dann hab ich es deutlich gefühlt: dieses Kribbeln! Da war es wieder! Ab und zu hab ich das ja mal, besonders wenn es kühl ist. Und es war kühl. Und ich war frisch entpelzt. Und also bin ich mal zügig durchgestartet.

MÄDCHEN, GEH VON DER BREMSE! Aber sie war sauer. Sie fand das nicht ok, dass ich so durchstarte wie eine Rakete. Ich sollte anständig galoppieren.

DAS IST ANSTÄNDIG! NÄMLICH ANSTÄNDIG SCHNELL!!

Nein, wollte sie nicht. Mein Ausreitkumpel ist nach hinten gegangen, weil sein Mädchen gehofft hat, dass ich mich dann weniger angespornt fühle. Aber mir war einfach nach Rennen! Es kribbelte so doll!

MÄDCHEN, DU SOLLST VON DER BREMSE GEHEN!

Sie maulte mich an, ich dürfe ja galoppieren, aber ich sollte auch zuhören und da wäre Matsch und es könnte rutschig sein

DU SPIELVERDERBERIN! VON DER BREMSE RUNTER, ABER SOFORT!

Naja. Wir haben uns eine ganze Weile gezankt, zwischendurch hatte ich angeboten, durchzuparieren, aber das wollte sie dann auch wieder nicht. Ich sollte anständig galoppieren. Menno. Wieso darf sie das überhaupt entscheiden?

Und dann standen wir plötzlich mutterseelenallein an einer Kreuzung. Mein Mädchen war orientierungslos, weil wir irgendwo hätten abbiegen sollen und wohl daran vorbeigeflogen sind. Vom Ausreitkumpel war keine Spur zu sehen. Während mein Mädchen auf der Karte herumgestarrt hat, habe ich wie so ein ganz anständiges, artiges Pony einfach gewartet. Das hat sie irgendwie noch wütender gemacht! Verstehe ich nicht. Sie meinte, ich sollte bloß nicht so unschuldig tun und sie wäre echt sauer und würde das gar nicht lustig finden. Ich hingegen hatte das schlimmste Kribbeln jetzt weggerannt und war schon ein bisschen entspannter. Und überhaupt: ich bin doch schlau. Ich tänzel ja nicht auf der Stelle rum, das bringt doch nix! Ich warte, bis die Bahn frei ist und ich abheben kann!

Irgendwann kam dann auch mal der Ausreitkumpel um die Ecke. Der hatte schon wieder einen Hufschuh verloren, so dass sein Mädchen absteigen musste. Sie hatte ihm die Schuhe jetzt ausgezogen und am Sattel festgemacht. Mein Mädchen hat derweil entschieden, wie es weitergehen soll und so ging es weiter im Trab und dann ein Stück im Schritt, weil da nur Asphalt war und ein Hof, den wir früher gern mal gruselig fanden. Aber heute nicht mehr so. Und dann ging es weiter. Mein Mädchen war immer noch stocksauer und wollte gern, dass ich jetzt länger galoppieren möchte, als ich das will, damit ich mal lerne, dass ich nicht immer für alles noch überschüssige Energie habe.

Aber da hat sie die Rechnung einfach ohne mich und meine Fitness gemacht! Ich bin ganz brav und anständig galoppiert und galoppiert und galoppiert, bis wir wieder an eine Kreuzung kamen und warten mussten, damit der Ausreitkumpel auch den Weg findet. Und dann bin ich weiter galoppiert. Mein Mädchen schätzt, dass wir wohl auf 2,5 – 3km Galopp gekommen sind, bevor sie kapituliert hat. Der Boden war dort nicht mehr so gut, ich war die ganze Zeit artig gewesen und sie selbst war ziemlich am Ende. Pah! Deine Fitness, mein Mädchen, die lässt wirklich sehr zu wünschen übrig! Immerhin bin ICH derjenige, der hier läuft!

Tja und dann kam die schlechte Nachricht: mein Ausreitkumpel hatte es tatsächlich geschafft, wieder einen Hufschuh zu verlieren! So wie ich damals. Ja, man kann Schuhe verlieren, die man gar nicht anhat! Das ist wirklich erstaunlich, aber jetzt schon zum zweiten Mal passiert.

Mein Mädchen hat aber gesagt, dass wir dann einfach den gleichen Weg nachher zurück reiten und dann nach dem Schuh schauen. Aber vorher wollte sie noch diesen einen kleinen Kringel drehen. Das haben wir dann getan, mit Schritt und Trab. Es wurde langsam schon dämmrig, als wir dann wieder auf den Rückweg kamen. Wir sind dann schön gleichmäßig durchgetrabt, während die Mädchen die Augen haben schweifen lassen, in der Hoffnung, den Schuh zu finden. Das Mädchen vom Ausreitkumpel hat in einer Tour geflucht, weil die Schuhe neu waren und ziemlich teuer. Mein Mädchen hat sich eine mentale Notiz gemacht, dass diese Schuhe wahrscheinlich nichts für mich sind, wenn sogar mein Ausreitkumpel sie verlieren kann. Aber vielleicht waren sie ja auch falsch eingestellt?

Mein Mädchen fand, dass ich jetzt richtig schön trabe, zügig, aber locker. Es wurde immer düsterer und von dem Hufschuh war weit und breit nichts zu sehen. Plötzlich war da noch so ein blaues Monster am Wegesrand, das komische Geräusche gemacht hat! Mein Ausreitkumpel und ich haben wieder eine Vollbremsung hingelegt, die Mädchen haben sich gewundert, dass sie dieses Ding auf dem Hinweg nicht gesehen hatte. Mein Mädchen hat vermutet, dass ich einfach dran vorbeigeflogen bin, ohne was zu merken, wegen dem Kribbeln (ihr wisst schon). Diesmal ist sie aber schnell abgestiegen und hat mich dran vorbei geführt, denn es war wirklich schon recht düster und wir wollten nun zurück zur Wackelkiste. Wir Ponys können ja im Dunkeln prima gucken, aber ihr Menschen seid ja so schlecht ausstaffiert. Mein Mädchen hatte zum Glück eine Stirnlampe mit, denn wir mussten ja noch unter den Büschen durchkrabbeln und dem Matschloch entgehen, nicht dass doch noch jemand zur Moorleiche mutiert!

War schon recht düster am Ende!

Schließlich waren wir zurück an der Wackelkiste und haben festgestellt, dass es statt der geplanten 16km tatsächlich 19km geworden waren, die wir in 2h 40min so weggeschnurrt haben.

Im Dunkeln ging es dann wieder nach hause, wo ich hoch zufrieden war mit dem Ausritt, während mein Mädchen mich eine „kleine Kackbratze“ nannte und meinte, ich sei doch wohl ganz schön frech und hätte viel zu viel Energie. Tja, ich glaube nicht! Ich glaube, sie hat einfach zu wenig Energie und ich hatte zu wenige schöne, schnelle Ausritte in letzter Zeit! Dann kribbelt es halt – so ist das bei mir nunmal!

Euer schneller Sir Duncan Dhu of Nakel

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