Die Zeit vergeht wie im Flug, ich bin so beschäftigt mit Winterfellproduktion (bisschen sinnlos, weil mein Mädchen eh die Hälfte wieder abschert) und Winterspeckanschaffung (nicht ganz sinnlos, weil mein Mädchen es nicht schafft, so viel mit mir zu arbeiten, dass das alles wieder runterkommt).
Zwischendurch die üblichen Sporteinlagen, mal einer Freundin ein bisschen Unterricht geben, mal mit meinem Mädchen auf dem Platz reiten üben, zwischendurch mal an der Longe bisschen über Stangen oder – wie neulich – kleinere Hüpfer (ich hab im Galopp drei hintereinander geschafft! In-Out! Da war mein Mädchen aber wieder stolz auf mich!).
Am Sonntag waren wir dann zum Ausreiten verabredet. Aber am Freitag fing es an zu regnen. Und dann regnete es zwar nicht die ganze Zeit, aber immer wieder. Und nicht wenig. Caruso hat sein Regendeckchen aufbekommen und zum ersten Mal in meinem Leben hab ich mir auch eine gewünscht. Weil es vorher so warm war, hatte mein Mädchen mich ordentlich entpelzt. Und dann war sie am Samstag den ganzen Tag unterwegs und abends zu müde, um noch von Weidenacht auf Heunacht umzuschwenken. Also sind wir eben auf die Weide gegangen. Und so nach und nach über die drei Tage wurde mir doch bisschen kühl. Mein Mädchen hat das gesehen und mit sich selbst geschimpft, dass sie Heunacht hätte machen sollen. Dann wäre mir das nicht zu kühl gewesen, weil ich viel mehr drin gestanden hätte. Aber es war nicht schlimm, ich hab nur bisschen den Schweif eingeklemmt. Sind wir mal ehrlich: gegen einen echten, schottischen Herbst in den Highlands ist das hier ein Spaziergang.
Am Sonntag, als wir dann hätten ausreiten wollen, hat der schöne Spanier abgesagt, das Risiko, nass zu werden, war ihm doch zu groß. Meinem Mädchen und mir war es recht, wir hatten auch Lust auf einen entspannten Tag.
Also sind wir in die Halle gegangen und haben meinen Slalom geübt. Mein Mädchen hat ja die Spielregeln geändert! Bisher ist sie den Slalom mit mir zusammen gelaufen. Anfangs hat sie mir den Weg gezeigt. Dann nicht mehr. Sie ist schnurgerade mit den Händen hinterm Rücken gelaufen. Aber ich bin ja ein Pony und sehe alles, was sie denkt. Deswegen war das trotzdem noch eine Hilfe. Dann hat sie beschlossen, dass ich sie nicht mehr brauche. Sie ist einfach an der ersten Tonne stehengeblieben und hat mich losgeschickt. Ich bin also los und wenn ich an der ersten Tonne richtig abgebogen bin, hat sie „Keks“ gesagt und kam angeflitzt mit meiner Belohnung. Dann ist sie an der zweiten Tonne stehengeblieben, während ich zur dritten gelaufen bin. Dort muss ich dann ja in die andere Richtung abbiegen und wenn ich das geschafft habe, hat sie wieder „Keks“ gesagt und kam angeflitzt. Ich bin dann wieder für die vierte Tonne losmarschiert und gleich bis zum Target am Ende. Target heißt, dass ich da meine Nase dran halte und dann sagt sie wieder „Keks“ und kommt und liefert. Wie so eine Pizza-Bestellung per Telefon ist das!
Als meine kleine Freundin da war, hat die das auch mit mir geübt. Und plötzlich brauchte ich keine Belohnung nach der ersten Tonne mehr. Ich hab nur noch eine zwischen der zweiten und dritten genommen und den Rest allein gemacht.
Und am Sonntag hatte ich es dann raus: ich bin den kompletten Slalom gelaufen, bis zum Target, während mein Mädchen seelenruhig (von wegen!) an der ersten Tonne stehengeblieben ist. Ihr hättet mal hören sollen, wie sie gequietscht hat vor Freude, als ich am Target angekommen bin! Sie hat mich gebührend gefeiert und dann durfte ich zur Belohnung noch bisschen wippen, weil ich das so gerne mag.
So war das Programm am Sonntag recht kurz, aber am Montag wurde es dafür umso ausgiebiger. Das erzähle ich euch aber beim nächsten Mal!
Wegen fehlendem Datenspeicher-Platz kann ich euch hier leider kein Video von meinem Slalom-Lauf zeigen, tut mir leid! Ihr findet es auf Instagram und Facebook. Oder ihr schreibt meinem Mädchen eine Nachricht, dann schickt sie euch das Video. Sie ist nämlich so verdammt stolz, dass sie eigentlich will, dass die ganze Welt sieht, wie schlau ich bin!
Euer slalomlaufender Sir Duncan Dhu of Nakel
P.S. sie ist noch nicht fertig damit. Demnächst soll ich das im Trab können! Es bleibt also spannend. Und der Winter kommt, wer weiß, was sie mir da noch an Tricks beibringt.