Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 3. September 2026

Unser erster Distanzritt – Teil 2

….und los! Die Menschen vorerst noch zu Fuß. Als mein Mädchen dann aufsitzen wollte, zeigte sich ihre Nervosität dann doch, sie hat es nicht hingekriegt. Der Sattel ist einfach so zur Seite gerutscht. Also hat das Mädchen von der kleinen Rennmaus ihr gegengehalten und mein Mädchen hat sich ihre erste „Lern-Notiz“ gemacht: beim Distanzritt wird vor der Startlinie aufgestiegen, alles andere ist zu tüddelig. Zweite Lern-Notiz: Es wird definitiv vorm Start aufgewärmt, auch wenn man sagt, man geht erst mal im Schritt los. Denn weder dem kleinen Flitzepony noch mir war nach lange Schritt gehen. Kaum hatten wir die Bahnschienen überquert, hat die Flitzemaus die erste Gelegenheit genutzt, um sich vor den Wegmarkierungen auf dem Boden zu „erschrecken“ und einen ersten Trab anzustimmen. Naja, also ging es eben los. Mein Mädchen und ich waren wohl doch nicht ganz bei der Sache, denn schon alsbald

FOLIE!!!

Himmelherrgott hab ich mich erschreckt! Lag da so ein Stück fiese, miese, gemeine Heulagefolie auf dem Boden rum und wollte mich doch tatsächlich…. äh… also ich glaube… verspeisen? Oder so. Naja, ich habe uns mit einem beherzten Satz zur Seite in Sicherheit gebracht. Mein Mädchen war etwas verdutzt, dass weder ich noch sie die Folie vorher gesehen hatten, aber auch sehr froh, dass sie vernünftig nachgegurtet hatte, so dass der kleine Hüpfer nicht zu einer Sattelverschiebung führte.

Grundsätzlich war ich aber der Meinung, dass jemand in Abwesenheit meines Ausreitkumpels den Erschreckerjob übernehmen müsste und habe mir ein, zwei, drei kleine Hüpfer dieser Art gegönnt, über die erste Runde verteilt. Mein Mädchen fand das irgendwie amüsant und meinte, ich sei doch etwas albern.

Das Wetter war allerbest – kühl und windig, also keine Fliegviecher. Regen war zwar mal so angedroht und es fielen auch 3-7 Tropfen, aber mehr auch nicht. Mein Mädchen hatte die Regenjacke an, aber das war eigentlich viel zu schwitzig da drin, so hat sie sie bei erster Gelegenheit ausgezogen. Ach, warte mal, diesen Weg hier kennen wir doch? Obwohl ich mich am Start nicht auskannte, waren wir nun plötzlich in unserem Lieblingswald an der Stelle, an der der Reitweg sich vom Hauptweg trennt. Hier waren wir schon oft. Einige größere Matschlöcher waren dort für meine kleine, rollende Begleitung die erste  Herausforderung. Sie kann da nicht einfach so durchlaufen wie ich, sie muss mit ihren kurzen Beinchen zusehen, dass sie überhaupt durchkommt und dann hat sie ja auch noch den rollenden Sessel hinter sich, der in so einer Matsche schnell einsinkt. Auf hartem Boden ist sie im Vorteil, weil sie kein Gewicht tragen muss, aber in so weichem Boden ist das wirklich ein Nachteil. Aber sie hat sich tapfer durchgekämpft und dann ging es auch schon links ab auf den nächsten festen Weg. Aber geht es hier wirklich links? Mein Mädchen hatte sich ja die Karten auf ihre Uhr geladen und wusste eigentlich wo es lang geht. Aber so ein Distanzritt ist ja auch markiert, da sollte man schon nochmal sichergehen, dass man auch richtig ist. Sonst kann man nämlich disqualifiziert werden! Also haben wir schnell nochmal umgedreht, mein Mädchen und ich, und nach der Markierung geschaut. Das hat mich bisschen aufgeregt, ehrlich gesagt – wo ich doch eh ein bisschen aufgeregt war an diesem großen Tag! Ich wäre danach gerne mal im Galopp losgezischt, aber das war leider nicht erlaubt. Traben war angesagt und das anständig. Hmpf. Dann muss ich aber wenigstens meinen Übermut durch Gemecker loswerden. Habe das Flitzepony neben mir in einer Tour angemault. Mein Mädchen war sauer, aber es war nichts zu machen. Immerhin, meinte sie, durch das Gemecker habe ich eine gute Körperspannung aufgebaut, das ist ja auch wichtig. Ein paar Kilometer weiter durfte ich dann vorneweg traben, da konnte ich ja eh nicht meckern. Hier war frisch geschottert und der Förster hat gesagt, wir sollen alle in der Mitte reiten. Gut, dass ich meine 4 Klebeschuhe hatte, so haben mich die Steine nicht gestört. Mein Mädchen war auch froh, dass sie das so gemacht hatte, so hatte sie keine Sorge, Hufschuhe zu verlieren. So hat sie sich eine dritte Lernnotiz gemacht: Für Distanzritte ist kleben eine gute Sache.  Derweil hat sie überlegt, ob es nicht entspannter wäre, allein unterwegs zu sein. Ob wir das wohl könnten? Dann hätten wir freie Tempowahl und ich könnte niemanden anmeckern. Andererseits ist man ja auf so einem Distanzritt nie so ganz allein. Als wir auf der langen Geraden angekommen waren, sah ich vor uns in der Ferne ein anderes Pferd. Wollen wir da mal schnell gucken gehen? Nein, wir halten stur unser Tempo. Langsam, ganz langsam kamen wir dem anderen Pferd näher. Schließlich hatten wir es eingeholt. Ich musste mich wieder ganz doll zusammenreißen – nur gucken, nicht anfassen! Das andere Pferd ist eine Weile mit uns unterwegs gewesen, aber dann war es plötzlich hinter uns verschwunden. Meine kleine Begleitung hat leichte Ermattung angemeldet, während ich noch gut Zug hatte. Wir waren bei Kilometer 11 und ich fühlte mich gerade so richtig warmgelaufen, aber für das Flitzepony war ich wohl im Durchschnitt etwas zu schnell gewesen. Ich! War jemandem zu schnell! Ha! Wo ich doch sonst immer der langsamste und letzte von allen bin.

Nun kamen wir aber sowieso ins Dorf (ihr wisst schon, da wo wir nicht galoppieren sollten) und da war ja eh Schritt angesagt. Ich bin vorneweg marschiert wie so ein ganz Großer, obwohl ich hier noch nie war. Habe die Verantwortung übernommen, damit meine Begleitung sich gut entspannen kann. Mein Mädchen war sooooo stolz auf mich, wie gelassen ich das alles gemacht habe. Hinter uns tauchte das andere Pferd wieder auf. Und das hat mich wohl doch mehr abgelenkt als gedacht, weil plötzlich

HUCH!

Da hatte doch jemand große weiße Linien auf die Straße gemalt! Mein Mädchen hat gelacht und gesagt, das sei wirklich ein bisschen peinlich. Ich würde das doch genau kennen, diese Pinseleien. Und das wäre gar kein Grund, so einen lustigen Hüpfer zu machen. Ja, hab ich dann auch eingesehen. Aber mein Kopf war eben doch so ein bisschen drüber! Das andere Pferd hat uns dann überholt, das hat so einen schnellen Schritt! Und sein Mädchen war zu Fuß! Schau mal, mein Mädchen, so schnell können andere Menschen Schritt gehen….. nur du natürlich nicht. Und dann sind die auch noch angetrabt und der Mensch ist mitgetrabt! Alter Schwede, die war ganz schön fit! Mädchen, schau mal…. Aber mein Mädchen hat mir direkt erklärt, dass sie in ihrem Leben nicht mehr so fit werden wird, dass sie zu Fuß gehen einfach nicht leiden kann und deswegen froh ist, dass ich sie tragen kann.

In Begleitung des anderen Pferdes durchs Dorf.

Aus dem Ort wieder raus, munter weiter im Trab. Ach, da steht ja ein Wassertrog für uns am Wegesrand! Mein Mädchen hat mich durchpariert falls ich was trinken möchte, als plötzlich

ACHDUSCHRECK!

Warum zum Henker springen hier Menschen aus dem Gebüsch? Das war die Radarfalle! Eine Radarfalle bei einem Distanzritt bedeutet, dass an irgendeiner beliebigen Stelle auf der Strecke nochmal Puls gemessen wird. Unser Pony-Puls muss innerhalb von 10 min auf 72 gesunken sein, sonst wurde nämlich zu flott geritten und das wird nicht geduldet! Und mein Puls war doch deutlich höher, muss ich gestehen, vor allem nach dem Schreck. Also ist mein Mädchen abgestiegen und durfte mich erstmal mit Wasser kühlen, das da für uns bereitstand. Und sie hat gleich ihre 4. Lektion gelernt: Da ich meinen eigenen Pulsgurt trage, dürfen die Helfer ihr Gerät nicht benutzen. Weil die beiden Geräte sich miteinander vertüddeln könnten (technisch gesehen), müssen sie dann bei mir den Puls von Hand messen, also mit Stethoskop und Uhr. Aber mein Mädchen hat auch gelernt, wie nützlich mein Pulsgurt in genau so einer Situation ist. Denn sie konnte einfach sehen, wann mein Puls niedrig genug war, um weiterreiten zu dürfen. Sie musste also weder zu lange warten, noch zu oft nachmessen lassen. Das hat sie sehr zufrieden gemacht. Und sie hat sich direkt notiert, dass ein Schwamm an meinen Sattel muss, damit sie mich einfacher kühlen kann – gegebenenfalls ohne abzusteigen. Denn wie wir am Anfang gesehen haben, kann das aufsteigen ein Problem sein – wenn wir alle aufgeregt sind, läuft das nicht so geschmeidig wie normalerweise. Außerdem hat sie sich gemerkt, dass zwischendurch kühlen eine gute Sache wäre – also möglichst jede Pfütze und jeden Wassertrog nutzen um mir einmal Wasser über den Hals zu kippen. Es war halt doch noch ziemlich warm, obwohl ich frisch geschoren und eingeflochten war.

Nach 5 Minuten war mein Puls aber auf ruhige 64 runter und wir durften weiterziehen. Nur noch 5 Kilometer bis zum Ende der ersten Runde!

Und schon waren wir wieder im Camp angekommen.  17km in 2 Stunden hatten wir geschafft, das ist ein schönes Tempo für den ersten Ritt und bedeutete etwas Zeitreserve für die zweite Runde.  Auch hier hat mein Mädchen sich gefreut, dass ich meinen Pulsgurt anhatte. Es ist nämlich so, dass die Pause erst beginnt, wenn mein Pony-Puls unter 64 gefallen ist. Und so hat sie erstmal in Ruhe abgesattelt und mich nochmal gekühlt, während der Fanclub schon nervös darauf hingewiesen hat, dass wir uns mal eine Zeit abholen müssten. Ruhig Blut! Erst im Nachhinein hat mein Mädchen kapiert, dass es zwei Zeiten gibt: eine Ankunftszeit und eine Ein-Zeit. Also die Ankunftszeit, wann wir wirklich angekommen sind und die Zeit, ab der wir Pause machen dürfen. Es ist aber auch schwierig, das ganze zu durchschauen! Also eine neue Lern-Notiz: erst die Ankunftszeit eintragen lassen, dann schauen was mein Puls sagt. Irgendwie sind diese ganzen Regeln total verwirrend.

Aber das alles fand mein Mädchen nicht so wichtig, denn es kam ihr ja eh nicht auf die Geschwindigkeit an. Nur innerhalb der erlaubten Zeit wollte sie gern bleiben, aber selbst wenn nicht, hätte sie das nicht schlimm gefunden. Wir sind schließlich Anfänger und müssen das alles erst lernen.

Also wieder mal zur Tierärztin zum Puls messen, abgrabbeln und vortraben. Nachdem ich mit einem schönen Puls von 48 und weiteren A und 1 in der Checkkarte in die Pause geschickt wurde, gab es für mich eine Decke über den Rücken und Heu und Wasser vor die Nase. Ich hab gut getrunken und geschmaust, was mein Mädchen wiederum sehr gefreut hat. Sie hat derweil ihr T-Shirt gewechselt und nachgeschaut, ob meine Hufglocken wohl gescheuert haben (haben sie nicht). Die hat sie nochmal nachgepudert (damit sie auch weiterhin nicht scheuern). Sie hat mir auch angeboten, meinen Prachthintern ein bisschen zu massieren, aber dafür hatte ich keine Zeit, ich musste ja essen.

Schmause- Pause mit Decke, damit die Muskeln schön warm bleiben

 50 Minuten hatten wir insgesamt Pause, bis es auf die zweite Runde ging. Ach deswegen haben wir das an meinem Geburtstag so gemacht! Damit ich schonmal erlebt habe, dass nach einer Pause wieder gesattelt wird und wir nochmal losreiten. Ja ok, kein Problem! Das waren ja schließlich erst 17km auf der ersten Runde, ich bin noch frisch und munter. Hab mir erstmal meine Check-Karte zeigen lassen, in die nun die Aus-Zeit eingetragen wurde: 11.40 Uhr

Das wichtigste: die Check-Karte

Diesmal ist mein Mädchen also gleich aufgestiegen und so ging es auf die zweite Runde!

Was dann noch so alles passiert ist, erfahrt ihr in Teil 3

…Fortsetzung folgt!

Hinterlasse einen Kommentar