Nein

Duncan steht am Zaun und starrt gebannt auf die Weide. Dort, oben auf dem Hügel, sieht er Arnulf. Der ist schon wieder auf die Jagd nach Jakobs-Kreuzkraut gegangen. Aber Arnulf ist auch derjenige, der die Ponys morgens für 30 min ins Gras lässt. Und dass er jetzt, einige Stunden danach, auf der Weider herumläuft, scheint in den Ponys Hoffnungen zu wecken. Ich möchte reiten und rufe Duncan. Der schaut mich kurz an und dreht sich dann wieder weg. Ich räume den Reitplatz auf, Stangen weg, Hütchen hin. Ab und zu rufe ich Duncan, aber mehr als einen Blick bekomme ich nicht. Also gut, dann hole ich ihn eben. Ich gehe auf den Paddock und rufe ihn wieder. Er geht einen zögerlichen Schritt auf mich zu. In diesem Moment beschließt Diego, doch mal nachzuschauen, was Arnulf da treibt und geht den Rundlauf entlang um den Hügel hochzukommen und bessere Sicht zu haben. Und Duncan beschließt, lieber Diego zu folgen als zu mir zu kommen. So deutlich hat er (soweit ich mich erinnere) noch nie NEIN zu mir gesagt.

Ich habe mir immer vorgenommen, ein deutliches Nein zu akzeptieren. Ich drehe mich also um und gehe – frustriert – in den Stall. Dort ist genug zu tun…. Duncan wandert mit seinen Freunden um den Rundlauf. 1,5 Stunden später versuche ich es erneut. Duncan steht an der selben Stelle im Paddock wie zuvor, aber Arnulf ist nicht mehr auf der Weide unterwegs. Ich rufe Duncan und der kommt – wie sonst ja auch üblich – prompt zu mir. Wir genießen eine fabelhafte Reiteinheit (wenn es jetzt auch noch etwas wärmer ist als zuvor, aber das macht Duncan zum Glück nichts aus).

Eigentlich hat Duncan ja immer Lust, etwas mit mir zu unternehmen. Wenn ich ihn doch mal etwas bitten muss, er mal nicht gleich angelaufen kommt, dann sage ich immer „der Spaß kommt bei der Arbeit“. Er kommt spätestens dann, wenn ich ein Stück auf ihn zu gehe. Wegdrehen, so wie diesmal, tut er sich niemals und ich muss auch nie den letzten Meter zu ihm hingehen. Aber diesmal hatte Duncan wirklich keine Zeit für mich. Er war auf einer wichtigen Mission, er darf auf keinen Fall auch nur einen Grashalm verpassen. Das ist zu dieser Jahreszeit so und ich weiß das ja auch. Deswegen darf er im Moment auch vor dem Reiten jeweils einige Minuten am Reitplatzrand grasen, nach dem Reiten darf er das ja sowieso fast immer. Ich versuche, seinen Grashunger so gut wie möglich zu berücksichtigen. Diesmal war also eine neue Variante davon im Spiel und ich weiß jetzt: wenn Arnulf sichtbar auf der Weide herumturnt, werde ich keine Arbeitseinheit planen. Oder aber ich plane dann mal die Zeit ein, übe das „Einfangen“ mit Duncan und gehe dann ausgiebig mit ihm grasen. Das wäre mal eine gute Option, ihm zu zeigen, dass ich doch ganz brauchbare Ideen habe und meine Vorschläge ihm nutzen.

Im Nachhinein bin ich ein bisschen stolz auf mich, denn vor ein paar Jahren hätte ich das anders gehandhabt. Ich hätte darauf bestanden, dass Duncan mit mir kommt und ich hätte dafür auch Druck ausgeübt wenn nötig. Und damit meinem Pony gezeigt, dass die Dinge, die ihm wichtig sind, für mich keine Rolle spielen. Dass ich nur meine eigenen Ideen wichtig finde und ihn nicht wahrnehme. Das wäre ja schade gewesen, aber man hat es mir mal so beigebracht. Jetzt bin ich klüger und darüber freue ich mich. Und ich freue mich auch, dass Duncans Kommunikation so klar verständlich ist, denn es ist mir wichtig, zu wissen, wann er NEIN sagt. Im Umkehrschluss weiß ich dann nämlich auch, dass er wirklich JA sagt, wenn er zu mir kommt. Und das fühlt sich sehr gut an.

Update von Diego (bestimmt wartet Ihr darauf): es sieht gut aus! Wir haben verfrüht um ein neues Blutbild gebeten (diese Warterei haben wir so satt!) und das sieht bisher sehr zur Zufriedenheit der Tierärztin aus, es sind aber noch nicht alle Werte da, genaueres erfahren wir am Montag. Wir haben das Ok, ihn wieder anzutrainieren, tun also jetzt einfach mal so, als wäre alles in Ordnung. In 6 Wochen soll es ein neues Blutbild geben. Hoffentlich können wir dann sagen: vollständig gesund. Ich weiß, Eure Daumen sind schon blau, aber vielleicht könnt ihr noch ein bisschen drücken, während wir noch ein paar Wochen zwischen warten, beobachten, hoffen, Sorgen machen und auftrainieren schwanken.

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