Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 491

Meine kleine Freundin war wieder da! Wenn sie mir (mit meiner tatkräftigen Unterstützung) das Halfter angezogen hat,   führt sie mich aus dem Stall und dann dreht sie mich um, damit wir in einer guten Position zum Putzen stehen. Und irgendwie hat sie mich da sehr eng gewendet und plötzlich stand ich auf ihrem Fuß! Der Mann kam angesaust und hat mich runtergeschubst. Meine kleine Freundin hat dann erstmal ihren Fuß gekühlt und ich hab derweil mit meinem Mädchen auf sie gewartet. Dann hat mein Mädchen gesagt, wir müssen wohl ein paar Sachen üben, damit sowas nicht mehr passiert! Erst hat sie meiner kleinen Freundin erklärt, dass sie sich mit Händen und Füßen wehren und herzhaft brüllen darf, wenn ich ihr wehtue. Egal, ob ich unaufmerksam war oder mich erschreckt habe oder – wie in diesem Fall – einfach genau getan habe was mir gesagt wurde: wenn es wehtut muss meine kleine Freundin sich wehren, damit sie nicht kaputt geht. Sie ist ja so klein und leicht im Vergleich zu mir.

Mein Mädchen kann sich nicht erinnern, dass ich ihr schon jemals auf den Fuß getreten wäre. Deswegen hat sie dann zusammen mit meiner kleinen Freundin genau überlegt, wie und warum das passiert ist und wir haben auf dem Reitplatz die Wendung noch ein bisschen geübt. Mein Mädchen sagt, das ist der Plan für nächstes Mal, dass wir das mal richtig klar kriegen.

Das mit der Wendung üben wir nächstes Mal noch ausführlicher

Diesmal wollte sie gern den ursprünglichen Plan durchziehen weil das Wetter so warm und der Boden so trocken ist. Und jetzt wurde auch klar, warum wir am Sonntag so komische Sachen gemacht haben, meine kleine Freundin sollte nämlich auch mal ein bisschen turnen! Weil mein Mädchen weiß, dass meine kleine Freundin da ein bisschen Angst hat, hat sie sie ausgetrickst. Meine kleine Freundin sollte nämlich ihre Schuhe aus- und Stoppersocken anziehen. Das hätte sie natürlich unten auf dem Boden tun können, aber mein Mädchen hat gesagt, sie soll das auf meinem Rücken machen. Das war vielleicht kompliziert! Die Stoppersocken waren nämlich etwas zu klein, da hatte meine kleine Freundin Socken aus früheren Zeiten mit, als sie noch kleinere Füße hatte. Ich kenne das ja: man wächst und wächst und schon passen die Klamotten nicht mehr. Und also war es ganz schön schwierig für sie, in diese Socken reinzukommen. Manchmal hab ich mich dann umgedreht um zu schauen ob sie zurecht kommt, aber das fand sie nun gar nicht lustig, weil sie das so aus dem Gleichgewicht gebracht hat. Also hat mein Mädchen gesagt, ich soll den Kopf vorne lassen.

Als das geschafft war, ging es ans eigentliche turnen. Mein Mädchen hat mich geführt, während der Mann direkt neben mir her gegangen ist und meine kleine Freundin abgesichert hat. Weil die ein bisschen Sorge hatte, dass sie von meinem Rücken plumpsen könnte. Mein Job war, einfach weiter zu gehen. Aber das, muss ich ehrlich gestehen, ist gar nicht so leicht! Zwei Menschen neben mir, einer auf meinem Rücken und der macht da oben auch noch komische Sachen, da muss ich mein Gleichgewicht und meine Nerven ganz gut zusammenhalten. Und nicht stehenbleiben wenn geturnt wird, sondern weitergehen, anders als ich es gelernt habe. Puh! Mein Mädchen hat mich mit Keksen bei Laune gehalten aber ich fand das echt anstrengend. Zum Glück sind diese Zeiten ja nie lang und nach 5 Minuten haben wir dann wieder angehalten. Meine kleine Freundin hat dann noch das Absteigen geübt, diesmal in der Variante mit Bein über meinen Hals nehmen und runterrutschen. Nach ein paar Wiederholungen hat sie das auf beiden Seiten sehr gut hingekriegt und dann war Feierabend.

Mein Mädchen hat nachher zu mir gesagt, ein gutes Lehrpferd tritt niemandem auf die Füße. Sie weiß, dass meine kleine Freundin mir die falschen Kommandos gegeben hat und ich eigentlich recht hatte damit, aber man tut das trotzdem nicht, sagt sie. Nur wie sie das mit mir üben kann, muss sie sich noch überlegen. Und derweil wird sie meiner kleinen Freundin beibringen, deutlicher mit mir zu sprechen und mich nicht direkt auf ihre Füße zu lenken.

Ich stelle fest: Lehrpferd sein ist anscheinend eine Kunst für sich! Man soll genau machen, was einem gesagt wird, aber manchmal eben auch nicht. Und woher soll ich jetzt wissen, wann was dran ist? Ganz schön kompliziert.

Euer Lehrpferd in Ausbildung Sir Duncan Dhu of Nakel

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