Freitag Ausflug mit dem Ausreitkumpel, gestern brauchte mein Mädchen dann einen Tag Erholung (sie meint dann immer, ICH könnte einen Tag Pause gebrauchen….) und heute mit Diego los. In die Wackelkiste zu einem Parkplatz von dem aus wir letztes Jahr zum ersten Mal mit meinem neuen Sattel unterwegs waren. Aber heute ging es nicht in den Wald, sondern in die ganz andere Richtung los. Mein Mädchen plant nämlich, mal eine ganz große Tour zu machen und die will sie jetzt stückweise zusammensetzen. Dafür müssen wir Wege „probereiten“ und schauen, wo die schönsten Strecken sind. Früher hat sie sowas immer im Vorhinein genau angeschaut, aber jetzt findet sie, ich bin schon so groß und erwachsen, dass man mit mir auch einfach mal in unbekannte Gefilde losstiefeln kann, ohne so recht zu wissen, was einen erwartet. Diego war allerbest gelaunt und ist gleich mit Siebenmeilenstiefeln losgezogen. Ich habe mich wieder redlich bemüht, hinterher zu kommen. Die Sonne schien wie verrückt und also war der erste Glitzertag des Jahres, da finde ich manchmal Dinge ein bisschen gruselig, die sonst nicht gruselig sind. Aber weil ich so groß und erwachsen bin und mein Mädchen weiß, dass ich nur gucke und maximal zusammenzucke, und weil ich weiß, dass die Dinge auf den zweiten Blick doch immer ungefährlich sind, hat uns das beide nicht so gestört.
Alsbald kamen wir an einem Haus vorbei, wo eine nette Frau gegärtnert hat. Sie hatte einen sehr hübschen Hund und mein Mädchen sagte „der ist ja süß!“ und sie antwortete „der aber auch“ und meinte mich damit. Da dachte ich, der netten Gärtnerin lasse ich doch gleich etwas frischen, warmen Dünger da! Darüber hat sie sich gefreut und gesagt, den tut sie gleich an ihre Rosen.
Weiter ging es, Diego immer in seinem schnellen Schritt (der sein normaler Schritt ist, aber viel schneller als mein schneller Schritt) und ich so schnell ich konnte hinterher mit gelegentlicher Trabeinlage. Diego hat, weil wir das Gelände nicht kannten, immer mal ein paar Äppel ausgelegt. Das macht er immer gern, damit wir zur Not zurück finden! Wie bei Hänsel und Gretel. Mein Mädchen hat gelacht und gesagt, Diego würde wohl der App nicht trauen, die uns den Weg zeigt. Und der Mann hat dann gesagt, Diego würde eben lieber äppeln als appen und da wäre mein Mädchen vor Lachen doch fast von meinem Rücken geplumpst! Sie hat dann gesungen:
Diego und Duncan verirren sich nicht im Wald
denn zum Verirren ist Diego viel zu alt
er ist ein schlaues Pony und legt sich eine Spur
Und auf dem Heimweg folgt er dann dieser nur!
Naja, mein Mädchen, das ist ja sehr…. kreativ.
Ein Stück weiter haben wir eine schöne Graspause eingelegt, wir Ponys durften das wunderbare Frühlingsgras verkosten, während die Menschen sich entpelzt haben, weil es doch wärmer war als gedacht. Als sie fertig waren, ging es weiter, schön im Trab bzw in meinem Fall im Galopp mit Übergängen. Trab, Galopp, Trab, Galopp, Trab, Galopp, wie am Freitag. Aber leider waren die schönen Wegstücke immer nur recht kurz, so dass wir alsbald wieder Schritt gehen mussten. Das ist so auf die Dauer ganz schön anstrengend sage ich euch! Immer lange Füße machen und trotzdem nicht hinterher kommen, dann ein kleines Stück Trab, wieder durchparieren…. uff.

Nachdem wir so 9km unterwegs gewesen waren, wurde ich ehrlich gesagt doch müde. Ich meine: so viel Schritt, dazu warmes Wetter und fremdes Gelände, das finde ich dann schon anstrengend. Zwischendurch keine Pfütze um was zu trinken und der Blutzucker war mir auch schon wieder abgerutscht. Wir haben dann noch eine kleine Graspause gemacht aber die war zu kurz für meinen Hunger. Zum Schluss hat mein Mädchen mich immer noch ein bisschen traben lassen, damit es sich nicht so zieht, weil ich im Schritt doch schon sehr gemütlich unterwegs war. Einziger Trost: Diego war auch etwas ermattet. Bei ihm merkt man das aber immer nur daran, dass er öfter mal stolpert. Im Tempo lässt er irgendwie nie nach!
Zurück am Anhänger gab es erst mal Wasser für uns, das hatte sie uns mitgenommen. Die Menschen waren hoch zufrieden und mein Mädchen meinte mit Blick in mein Gesicht nur „den haben wir geschafft!“. Ja, 12,5km fast nur Schritt ist unglaublich viel anstrengender, als die Kilometer so im Trab oder Galopp wegzuputzen. 2,5 Stunden waren wir unterwegs! Das ist das LSD des Trainings und damit sind leider keine Drogen gemeint, sondern „Long slow distance“. Wobei mein Mädchen findet, soooooo long wären 12,5km ja nun auch nicht. Aber zu hause hat sie festgestellt dass sie selbst doch auch einigermaßen müde ist von so viel Sonne und frischer Luft. Und das obwohl ich sie fast die ganze Strecke getragen habe! Also erzähl du mir nix von Fitness, mein Mädchen.
Euer ausgepowerter Sir Duncan Dhu of Nakel