Am Mittwoch war zwar nicht Sonntag, aber wir haben trotzdem einen Ausflug in den Wald gemacht! Ach, das war fein, ich hab mich so gefreut! Das ist unser Erinnerungswald. Da waren wir ganz oft als ich gelernt hab, mein Mädchen zu tragen. Und in dem Wald sind wir auch das erste Mal getrabt. Und überhaupt den allerersten „woanders“-Spaziergang, als ich noch winzig klein war, den haben wir auch da gemacht. Und sooooo viele schöne Ausritte!
Dann haben sie da ziemlich viel Schotter hin gekippt und wir waren eine Weile nicht da, aber jetzt wollten wir es mal wieder versuchen. Alles andere ist ja ziemlich matschig und da hat der Schotter dann doch gewisse Vorzüge. Da wir ja unsere super Hufschuhe haben, stört uns der Schotter nicht.
Aber diese Hufschuhe, die ärgern uns ja immer noch ein bisschen. Weil ich ja so ein Schmalspur-Pony bin und mir gelegentlich im Eifer des Gefechts mal mit dem einen Huf am anderen entlangschleife und dann ein Schuh abfällt. Deswegen hatte mein Mädchen beim Anziehen schon versucht, mir alte Hufglocken überzuziehen, aber die waren von ihrem Warmblüter und viiiiiiiiiel zu groß. Also sind wir wieder ohne Glocken los (sie muss dringend shoppen gehen, sagt sie). No risk, no fun! Und es kam wie es kommen musste: nach längerer Schritttour kam der erste Weg, wo wir traben konnten, und da sind wir dann ein schönes Stück getrabt, bis es zu matschig wurde und wir durchpariert haben. Der Mann hat einen kritischen Blick auf meine Füße geworfen und ….. oh nein! Schon wieder ein Hufschuh weg! Mein Mädchen war total genervt. Tja. Umdrehen, zurück traben! Schuh wieder einsammeln, anziehen, etwas enger schnallen, weiter gehts! Schön im Trab, wieder bis zu der matschigen Stelle, durchparieren, dann wurde der Weg wieder besser, also Trab. Gerade war die versprochene Graspause in Sichtweite gerückt, als von hinten der Mann rief. Oh nein! Anscheinend kann nicht nur ich Schuhe verlieren. Diesmal war es der Mann! Der hatte einen seiner Handschuhe aus der Tasche verloren. Zurück marsch, marsch! Mein Mädchen meinte, wir haben ja jetzt gesehen, dass der Weg da ok ist, also Zeit für einen kleinen Galopp! Sie hat gesagt, ich soll langsam galoppieren. Ich hab kurz nachgedacht, mich an letztes Mal erinnert und mir dann gedacht: lieber so langsam galoppieren wie eine Schnecke als wieder Ärger bekommen. Da war sie sehr zufrieden mit mir und hat mich doll gelobt! Mädchen, Diego ist hinter uns getrabt und trotzdem mitgekommen, also schnell waren wir nicht….. aber sie meint, das macht nichts, beschleunigen können wir später immer noch. Ich hab wirklich, wirklich das langsamste Mädchen unter der Sonne erwischt! Wenn ich nicht so ein Gentleman wäre…
Wir mussten weit zurück, nämlich ziemlich genau bis zu dem Punkt, wo es so matschig war und aufgefallen war, dass mein Hufschuh fehlt! Ach herrje! Jetzt waren wir so viel hin und her geritten, dass wir schon viel mehr Kilometer auf der Uhr hatten, als geplant. Also haben die Menschen beschlossen, die Runde von hier aus abzukürzen. Das heißt: keine Graspause! Denn wir waren die ganze Zeit im Wald und da ist selten was zu finden, schon gar nicht um diese Jahreszeit, und an der leckeren Stelle sind wir nun gar nicht vorbei gekommen. Och menno.
Weiter ging es und wir haben fleißig geübt, was mein Mädchen sich vorgenommen hatte, nämlich Tempo-Unterschiede im Trab. Laaaaaaangsam (warum?) und „voran!“. Ja, voran kann ich! Aber dieses langsame Traben macht im Gelände nicht so viel Sinn oder? Naja, ich habe es gemacht, weil ich so ein Guter bin. Diego hat auch mitgemacht.
Dann hörten wir ein Fahrzeug. Der Wald ist normalerweise wie leer gefegt, was ist da jetzt los? Da war einer dabei, Baumstämme aufzuladen. Das haben wir uns von weitem erst mal schön angeschaut. Der greift mit seinem großen gelben Maul einen Baumstamm (wie so ein Hund!) und dann hebt er den Baumstamm hoch und legt ihn auf der Ladefläche wieder ab – alles mit viel Gewackel und Geschlenker. Als ich genug geschaut hatte, sind wir darauf zu geritten – ich bin vorne weg gegangen! – und der nette Mensch auf dem Gerät hat den Motor irgendwie halb ausgemacht, es war jedenfalls sehr viel leiser. Ich bin wie ein Großer daran vorbei marschiert – zack! Mädchen stolz!
Dann noch ein frischer kleiner Galopp – erst ich vorneweg und dann hat Diego überholt. Zack!- Mädchen schon wieder stolz, weil mich das Überholen nicht aufgeregt hat! Etwas Schritt zum Verschnaufen – Diego ist der Schweiß aus dem Pelz getropft, der Arme muss dringend nachgeschoren werden! Bei mir ging es, ich bin ja teilentpelzt. An der Grillhütte noch ein kleiner Grassnack – naja viel war da nicht zu holen aber ein paar grüne Halme – und dann ab nach hause. 11,2 km haben wir geschafft mit dem ganzen Hin und Her (geplant waren 10). Die App hat gesagt, ich hätte heute 5,5km/h im Schritt geschafft, das ist ein neuer Rekord! Allerdings lügt sie wohl ein bisschen, denn für Trab sagt sie 10,2 km/h (kann sein) und für Galopp 7,3km/h, das wäre ja dann doch sehr langsam gewesen. Da stimmt irgendwas nicht. Naja, so genau ist das Ding dann wohl doch nicht. Als Spitzengeschwindigkeit hat die App jedenfalls runde 12 km/h angezeigt und das, mein Mädchen, ist kein Galopptempo! Ich muss ihr das wirklich beibringen.
Meinem Mädchen sind die km/h nicht so wichtig, die lässt sie sich nur aus Interesse zeigen und damit sie einen Distanzritt planen kann. Entscheidend ist, dass ich wieder alles großartig richtig gemacht habe! Und ich bin sehr zufrieden, weil ich mich endlich mal wieder richtig auspowern konnte. Aaaaaaah das hat gut getan! Ich hoffe wir machen das jetzt bald wieder regelmäßig.
Euer ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel