„Hat hier ein Schotte Lust auf ein Abenteuer?“ hat mein Mädchen in den Stall gefragt. Ich war gerade beim Staubsaugen (letzte Halme Heu zusammenklauben), aber als ich den Satz gehört hab, bin ich natürlich sofort zur Tür! Klar hab ich Lust auf ein Abenteuer! Also ab in die Wackelkiste und zum Schimmelfreund! Und jetzt passt gut auf, denn jetzt wird es kompliziert: der Schimmelfreund hat ja auch Kumpel, nämlich ein Exmoorpony und einen Schimmelfreund! Und mit dem sind wir heute ausreiten gewesen – also mit dem Schimmelfreund vom Schimmelfreund.
Das Mädchen von den beiden Schimmelfreunden war schon gleich hellauf begeistert, weil ich einfach ganz still angebunden am Anhänger gewartet habe, während mein Mädchen mich gesattelt und sich selbst angezogen hat. Mein Mädchen hat gelacht und gesagt, sie soll sich mal nicht täuschen lassen, ich wäre schon aufgeregt! Aber das Mädchen vom Schimmelfreund meinte, dann würde ich das ja wohl voll gut wegatmen. „Deswegen hab ich Ponys!“ sagt mein Mädchen. Aber da hab ich sie streng angeschaut! Sie findet Ponys nämlich immer genau so lange toll, bis ich meiner Pony-Natur folge und den nächsten grünen Halm anvisiere! Dann sagt sie plötzlich Dinge wie „verfressen“ und „wehe wenn der Schotte was zu essen sieht – oder auch nur was, was er für essbar hält“. Aber, mein Mädchen, ein Pony ist ein Pony ist ein Pony! Man kann nunmal das eine nicht ohne das andere haben, isso! Und jetzt gib mir einen Keks, schließlich mache ich das hier gerade wirklich großartig, obwohl ich aufgeregt bin!
Die Menschen sind dann aufgestiegen und es ging los! Während ich so ganz konzentriert darauf war, alles richtig zu machen (und das auch gut hingekriegt habe), ist das Mädchen vom Schimmelfreund plötzlich abgestiegen, der war nämlich etwas „arabisch“ und tänzelte da herum. Ich hingegen – Vorteile des Ponys! – bin ganz super artig weiter geradeaus gegangen und habe so getan als würde mich das nur sehr peripher tangieren. Nach einer Weile hatte der Schimmelfreund vom Schimmelfreund sich abgeregt und sein Mädchen ist wieder aufgestiegen. Danach sind wir ganz gepflegt zu dritt im Schritt eine kleine Runde gegangen .
Zwischendurch kam nochmal die Ente des Grauens ins Spiel, aber ich habe mich doll zusammengerissen und fleißig weiter geatmet, keinen Hopser gemacht und mir dafür auch wieder direkt einen Keks geben lassen. Kurz danach mussten wir über eine Holzbrücke, da ist mein Mädchen lieber nochmal abgestiegen. Ihr Kopf macht ja dann so Sachen und sie malt sich aus, wie die Ente des Grauens direkt unter der Brücke auffliegt, ich mich erschrecke, einen winzigen Hopser mache, auf dem feuchten Holz ausrutsche und dann das Unheil seinen Lauf nimmt. Quatsch, Mädchen, ich hätte das gekonnt! Aber sie wollte lieber neben mir sein. Nach der Brücke ist sie dann einfach wieder auf meinen Rücken gehopst – kleine Ponys haben große Vorteile!
Ein Stück weiter stand eine nette Frau am Wegesrand, die dieses schöne Foto von uns gemacht hat! Die nette Frau war das Mädchen vom Kumpel von den beiden Schimmelfreunden – das Exmoorpony. Ich weiß, ich weiß, mit den Verwandschaftsverhältnissen wird das hier immer komplizierter! Ich blicke da auch nicht immer ganz durch. Ist ja auch nicht so wichtig, wichtig war für mich vor allem, dass sie sofort schockverliebt in mich war und ich mit ihr flirten durfte, während mein Mädchen Fragen über mich beantwortet hat.

Als wir fertig waren mit flirten, ging es weiter. Diego immer vorneweg. Und dann ist was passiert, was ich noch nie erlebt habe: Diego hat sich plötzlich gefürchtet und wollte nicht weiter gehen! Rechts neben dem Weg lag etwas auf der Wiese, was in seinen Augen aussah wie eine Hydra! Es hatte viel zu viele Köpfe! Der Mann hat angefangen zu lachen, Diego hat eine kleine Runde gedreht, der Schimmelfreund und ich haben angemerkt, dass etwas, was Diego Angst einjagt, definitiv zu gefährlich ist, um daran vorbei zu gehen, da kam Diego von hinten, hatte seinen ganzen Mut gesammelt und ist an der Hydra vorbei gegangen. Stellt sich raus: es waren nur kleine Baby-Schafe, die da schlafend zusammengekuschelt lagen. Aber man kann als Pony einfach nicht vorsichtig genug sein! Ich bin froh, dass Diego so verantwortungsbewusst mit der Situation umgegangen ist.
Etwas weiter sind wir noch an einer gruseligen Stelle vorbei gekommen, wo unter uns ein Wasserfall war. Die beiden anderen hat das nicht interessiert, aber ich war doch ein bisschen im Zweifel, ob ich da so einfach weitergehen kann. Mein Mädchen hat gesagt „wir schaffen das, wir sind schon groß!“ und hat so getan als wäre sie sich da ganz sicher. Und ich hab dann auch einfach so getan als wäre ich mir sicher. Ich bin nämlich ein guter Schauspieler geworden! Wenn man so tut als wäre man sich sicher, passiert auch nix schlimmes, habe ich fest gestellt.
Nach gut 3km waren wir dann auch schon wieder zurück. Mein Mädchen war hoch zufrieden mit mir, weil ich alles richtig gemacht hab. Mein Kopf hat eine Menge Eindrücke zu verarbeiten und ich hab wieder viele Dinge gesehen und gehört, die man so als Pony mal gesehen und gehört haben sollte. Die Liste an ungefährlichen Situationen wird länger und die an vielleicht gefährlichen entsprechend kürzer. Was auch länger wird: die Liste mit den Ausreitkumpels!
Morgen ist hoffentlich ein Romantik-Ausflug dran, dann kann mein Körper sich austoben während der Kopf nicht viel zu tun hat.
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel mit den vielen Ausreitfreunden