Alleine rausgehen muss man ja auch gar nicht immer geritten machen, findet mein Mädchen. Und da unsere gestrenge Fahrlehrmeisterin mal wieder zu Besuch gekommen ist, hat mein Mädchen die Chance ergriffen, sich Unterricht geben zu lassen. Aber diesmal Outdoor. Also es ging so: die gestrenge Fahrlehrmeisterin ist mit ihren Hunden spazieren gegangen, während mein Mädchen mich erst gefüttert und dann angeschirrt hat. Dann sind wir in die andere Richtung vom Hof gegangen, der gestrengen Fahrlehrmeisterin entgegen.

Mein Mädchen hatte beobachtet, dass ich auch in Begleitung von Diego nicht so gern rechts runter vom Hof gehe. Die Strecke, die noch an unserem Grundstück entlang führt und dann der Nachbarhof – irgendwie sind da viele Huchmampfs überall. Aber wenn man dann am Nachbarn vorbei ist, dann geht´s. Also hat sie sich fest vorgenommen, dass wir es am Nachbarn vorbei schaffen. Haben wir dann auch. Danach links um die Kurve, und da kam sie uns auch schon entgegen, die gestrenge Fahrlehrmeisterin mit ihrem Hunderudel. Da war ein Hund dabei, den ich noch nicht kannte, ist mir gleich aufgefallen. Wir sind dann noch ein Stück weiter weg von zu hause gegangen, aber ich habe alsbald angemerkt, dass ich gern umdrehen würde und mein Mädchen hat gesagt, das machen wir dann auch demnächst. An der nächsten Kurve haben wir also eine saubere Wendung hingelegt und es ging zurück. Ich wollte etwas schneller und mein Mädchen wurde etwas nervös und hat versucht, mich zu bremsen, was nicht dauerhaft geklappt hat. Aber dafür hatten wir ja die gestrenge Fahrlehrmeisterin dabei! Mein Mädchen hat gute Tipps von ihr bekommen, wie sie mit den Leinen besser mit mir kommuniziert und so sind wir beide dann ruhiger geworden und ganz entspannt zu hause angekommen. Mein Mädchen sagt immer, es sei doch sehr erstaunlich, wie viel es zu lernen gibt, wenn man nix weiter als zwei Leinen in der Hand hat. Beim Reiten muss man ja auch noch den Rest des Körpers im Griff haben, aber wenn man hinter dem Pony her läuft, sagt sie, hat man ja nur die zwei Hände zu koordinieren und das müsste doch eigentlich leicht sein – ist es aber gar nicht! Tja, Mädchen, ich muss ja auch immer so viel lernen, warum soll es dir denn besser gehen? Üben, üben, üben!! Schließlich wollen wir irgendwann mit der Kutsche los. Vielleicht klappt es ja nächstes Jahr!
Dann hat mein Mädchen nachgeschaut, wie viel Strecke wir geschafft haben, und das in ihre Tabelle eingetragen. Sie hat da ja so eine Berechnung, wie viele Kilometer wir schon zusammen unterwegs waren, und sie wartet darauf, dass wir die 1500km knacken. Und was soll ich euch sagen: als sie die 1,7km eingetragen hatte, meinte diese Liste, wir wären jetzt 1499,85km zusammen los gewesen. Knapp verfehlt! Natürlich ist diese Liste nicht so genau wie sie tut und deswegen hat mein Mädchen gesagt, wir können jetzt selbst entscheiden, ob wir die 1500km schon geknackt haben oder nicht. Beim Distanzreiten sagt man „in der Wertung“. Das heißt, immer wenn man auf Distanzritt geht, man innerhalb der Zeitvorgabe geblieben ist und der Tierarzt sagt, das Pony ist fit und gesund durch gekommen (Reiter ist nicht so wichtig, der darf im Ziel zusammenbrechen), dann zählen diese km als „in der Wertung“.
Mein Mädchen sagt, ich habe meine 1500km mit ihr auch „in der Wertung“ geschafft. Zeit ist uns egal (4 Jahre, um es genau zu nehmen), aber ich bin gesund und munter und ich habe fast immer fast alles fast richtig gemacht, das zählt. Dafür hätte ich jetzt eigentlich eine Urkunde, einen Orden, eine Schleife oder ähnliches verdient, aber weil ich mir da nix draus mache, flüstert sie mir nur kurz zu, was für ein feiner Kerl ich doch bin und wie froh sie ist, mich bei ihr zu haben und dann kriege ich einen Keks (wieso eigetnlich einen? Für 1500km?).
Ach, letztlich ist es mir egal, Hauptsache wir gehen raus! Am liebsten viel, lang und schnell!
Euer 1500km – Ritter Sir Duncan Dhu of Nakel