4 Jahre mit Duncan

Diese Woche ist es 4 Jahre her, dass mein kleiner, damals noch viel kleinerer und viel dunklerer Ritter hier eingezogen ist.

Wie es immer so ist: am Anfang kam mir die Zeit, die bis zu unseren ersten Ausritten vergehen würde, unendlich lang vor. Und ja, sie war auch lang. Jetzt bin ich an dem Punkt an dem ich zurück schaue und denke: wow, schau, was wir geschafft haben. Gleichzeitig denke ich: wir wollten diesen Herbst unseren Gedenkritt machen und sind weit davon entfernt, die 23km zu schaffen. Unser bisheriger Rekord von 16km steht noch ganz allein und am Sonntag war Duncan nach 12,5km ziemlich müde. Keine Rede davon, mal eben die doppelte Strecke zu reiten. Das Leben kam dazwischen und hat unsere Trainingspläne geschreddert.

Trotzdem: fast 1500 gemeinsame Kilometer – viele davon nebeneinander her, aber inzwischen auch schon viele, die er mich getragen hat – haben wir schon „auf der Uhr“. Er ist stärker geworden, ich bin mutiger geworden und kann ihm besser vertrauen. Seit er kastriert ist, ist das größte Problem-Thema einfach verschwunden: Wir können fremden Pferden ohne große Aufregung begegnen und dadurch bin ich grundsätzlich viel entspannter.

In diesen 4 Jahren hat er – wie man im englischen sagen würde – nicht einen Huf falsch gesetzt (didn´t put a foot wrong). Das klingt übertrieben, klar hat er auch mal Blödsinn gemacht. Aber ich finde es trotzdem gar nicht übertrieben, denn in 4 Jahren kann so viel passieren und ein junges Pferd kann so fiese Pubertät haben und sich alles mögliche einfallen lassen – da zählen die paar Kleinigkeiten wirklich nicht.

Ich bin nicht so ein Erinnerungstyp, aber mein Blog hilft mir dabei. Was waren nun die Highlights? Die großen Erlebnisse wie gemeinsamer Urlaub oder der Kurs bei Elsa? Nein, die habe ich als stressig undd unentspannt in Erinnerung. Die schönsten Erlebnisse, waren die kleinen. Wie er mir erlaubt hat, mich auf ihm abzustützen. Wie er mich die ersten Meter getragen hat. Wie er immer wieder am Tor steht und grinst, wenn ich den Anhänger vorbereite. Wie oft er lächelnd neben mir durch den Wald gelaufen ist, wenn wir endlich mal wieder los gefahren waren um dort spazieren zu gehen. Neuerdings: wie er nach dem Reiten auf dem Platz, wenn er grast und ich Freedom Based Training mache, mir nicht nur gestattet, ihm nah zu sein, sondern mich mitnimmt, sich so bewegt, dass ich direkt neben ihm bleiben kann. Wie er klar kommuniziert, dass er mich gern um sich hat. Oder am Sonntag, als er mich fragend anschaute, warum ich in den Paddock komme und ich als Antwort sein Halfter hoch hielt: ein kleines Brummeln und er kam zu mir. Halfter ist gut! Lass uns was unternehmen! Diese kleinen Dinge, die kleinen Gesten sind für mich wertvoller als jedes große Abenteuer.

Ein junges Pferd auszubilden ist vor allem eins: viel Arbeit. Das ist der Hauptgrund, warum ich im Moment keinen Hund habe: weil ich mich erinnere, wie viel Arbeit ich in den ersten 1,5 Jahren in unseren Hund gesteckt habe. Nicht nur wenn ich mir ihr etwas geübt habe, sondern auch viele Stunden, in denen ich gelesen und Videos gesehen habe, mir Gedanken gemacht, Fragen gestellt und Ideen ausgeheckt habe.

Beim Pony ist das zwar einerseits nicht so schlimm, weil man es nicht 24 Stunden um sich hat, andererseits dauert es viel länger bis das Pony erwachsen ist. Die letzten 4 Jahre waren anstrengend – und das obwohl Duncan so ein einfaches Pony ist und wir keine echten Probleme hatten. Und mit Sicherheit liegt noch mindestens 1 Jahr vor uns, in dem ich mit Pubertätsschüben rechnen muss, mit Wachstumsproblemen und viel, viel Basisarbeit. Dann ist Duncan 6 Jahre alt, ich hoffe, dann aus dem Gröbsten raus zu sein mit ihm. Aber sicher sein kann ich mir da auch nicht, mancher wird er viel später wirklich erwachsen.

Sicherlich kann man auch weniger Aufwand betreiben und sich weniger Gedanken machen. Allerdings führt das nach meiner Beobachtung dazu, dass man auch ein deutlich schlechteres Ergebnis bekommt. Es gibt halt Leute für die es normal ist, dass ihr Pferd nicht still stehen kann. Oder dass es auf dem Reitplatz unmotiviert und faul ist. Oder dass man es einfangen muss bevor man etwas unternehmen kann. Ich möchte das nicht. Und ich bin überzeugt, dass es an mir liegt, die Dinge zu ändern, die ich anders haben will. Je länger ich in der Pferdewelt unterwegs bin, desto mehr staune ich über die unglaublichen Entwicklungen die es dort gibt. Und damit meine ich jetzt nicht die negativen, sondern die vielen, vielen positiven. Es gibt heutzutage nicht nur Elsa Sinclair und Warwick Schiller, sondern auch viele, viele andere Trainer, die sich damit auseinandersetzen, wie wir wirklich pferdegerecht ausbilden können und die den Rahmen dessen, was man erreichen kann, immer wieder sprengen. Die uns beibringen können, wie ein Pferd nicht nur „artig“ wird, sondern wie wir eine wirklich tiefe, gute Beziehung zu unserem Pferd eingehen können, die dann wiederum bewirkt, dass unser Pferd sein Nervensystem so gut regulieren kann, dass die Arbeit für beide – Pferd und Mensch – ein echter Genuss und eine Bereicherung ist.

Es sind diese Trainer, die mein Leben und damit auch Duncans Leben so unglaublich viel schöner machen und dafür bin ich dankbar. Neulich dachte ich: damals, vor fast 30 Jahren, als ich meinen Warmblüter gekauft habe, hat der mir deutlich gezeigt, wie es NICHT geht. Dann kam Merlin und ich habe gelernt WIE es geht. Dann kam Finlay, der mir wiederum gezeigt hat, dass das nicht der Weisheit letzter Schluss ist, und er manche Kritik an meiner Vorgehensweise hat. Und nun steht hier Duncan der mir an vielen Stellen wieder zeigt wie es noch besser geht. Vielleicht braucht man manchmal ein Pferd, das NEIN sagt, damit man einen neuen Weg sucht. Und dann ist es schön zu erleben wie ein anderes Pferd davon profitiert undd nicht nein sagen muss, weil man als Mensch sich weiterentwickelt hat und besser geworden ist.

Aber Finlay hat nicht nur NEIN gesagt zu Dingen, die ich für gut hielt, er hat mir auch ganz andere Möglichkeiten des gemeinsamen Tuns aufgezeigt, die für Merlin nie in Frage gekommen wären und die mir daher fremd waren: Kutsche fahren und auf Distanzritt gehen. Und so hatte Duncan es doppelt leicht mit mir, denn so unähnlich er Finlay auch ist, er ist eben doch auch ein Highlandpony. Er teilt Finlays Meinung, dass die echten Abenteuer jenseits der Grundstücksgrenze zu finden sind und am liebsten auf neuen Wegen, die man noch nicht gesehen hat.

Duncan ist für mich der lebende Beweis, dass man – gerade in der heutigen Zeit, wo es so leicht ist, an Informationen zu kommen – immer mehr Spaß mit den Pferden haben kann, je mehr man lernt und sich selbst weiterentwickelt. Vielleicht ist er wirklich ein sehr einfaches Pony. Oder aber ich bin besser geworden und habe vieles richtig gemacht. Wahrscheinlich beides. Jetzt sehen wir, wo uns die nächsten Jahre so hin bringen.

Als wir bei Elsa auf dem Kurs waren, sagte sie am Beginn des zweiten Tages „ich bin gespannt, was Duncan uns allen heute beibringt“. Und vielleicht ist es auch diese Einstellung, die meine Beziehung zu Duncan prägt. Denn von Anfang an war für mich klar: mein junges Pony hat eine Menge zu lernen, aber ich muss genauso viel lernen. Ich kann ihm die Menschenwelt zeigen, aber ich will auch weiterhin etwas über seine Welt lernen und mir zeigen lassen, was ihn interessiert und wie er die Dinge sieht.

So wie damals, bei unserem allerersten Spaziergang, als er mir die Wildschweinspur gezeigt hat, die ich ohne seinen Hinweis nicht wahrgenommen hätte. Vielleicht war das der Moment in dem mir klar wurde, wie viel ich noch zu entdecken habe. Vielleicht war das der Moment, in dem ihm klar wurde, dass ich bereit bin, mit ihm zu entdecken. Für mich war es jedenfalls ein erster, magischer Moment der Verbindung.

Einer unserer ersten magischen Momente: Duncan zeigt mir die Welt, wie er sie wahrnimmt….
…. und nimmt anschließend Kontakt mit mir auf.

Heute ist unsere Verbindung schon recht stabil und solide. 4 Jahre sind eben doch eine lange Zeit. Und es waren zwar anstrengende 4 Jahre, aber vor allem waren sie wundervoll.

Danke, mein Duncan. Auf zu neuen Abenteuern!

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