Sonntag! Endlich wieder mal ein Sonntagsausflug! So richtig mit Wackelkiste losfahren und dann auch noch neue Wege erkunden. Schöööööööön! Sonnenschein, nicht zu warmes Wetter und Diego und ich waren noch schnell unterm Entpelzer (so nennt mein Mädchen das, wenn sie uns etwas Winterfell abschert), damit es uns nicht zu heiß ist.
Wir sind ins schöne Moor gefahren, aber anstatt die vertrauten, ausgetretenen Pfade einzuschlagen, hatte mein Mädchen überlegt, mal ein bisschen in die andere Richtung zu schauen. Und sieh an: da gibt es ja noch super schöne Wege zu entdecken! Auf der kleinen Straße haben uns erst mal drölfzig Radfahrer überholt, aber alle sehr nett. Die einen haben extra geklingelt, damit wir uns nicht erschrecken, die anderen haben sich extra laut unterhalten, damit sie nicht klingeln müssen. Beides ganz hervorragende Ideen. Wobei ich ja inzwischen auch klar komme, wenn so ein Radfahrer unverhoffter Dinge angeflitzt kommt – ich zucke dann vielleicht kurz zusammen, aber das war es dann auch.
An einer Stelle war plötzlich ein Reitwegeschild und mein Mädchen sagt „oh prima dann können wir hier ja abbiegen!“ Der Mann war verwirrt, weil er in die Wegeplanung nicht so involviert war und nicht verstanden hatte, dass das die schönere Weg-Option ist, mein Mädchen sich aber nicht sicher war ob man da durch kommt und deswegen außen rum geplant hatte. Na jedenfalls hat er angehalten und gefragt, ob sie sich sicher sei und plötzlich war mein Mädchen verwirrt wegen dieser Frage und da war ich auch ganz verwirrt und hab den Rückwärtsgang eingelegt und alles war ganz durcheinander. Naja, für ein paar Sekunden. Dann hatte mein Mädchen sowohl mich als auch den Mann überzeugt, dass sie sich sicher ist und dass wir da jetzt lang wollen und ich bin mutig vorneweg getrabt.
Da taten sich doch wunderschöne Wiesenwege auf, wie wir sie sonst fast nirgendwo haben und jemand hatte sogar eine kleine Reihe Natursprünge aufgebaut! Diego hat die skeptisch angeschaut und sich wohl gefürchtet, dass er jetzt springen soll – das kann er nämlich gar nicht leiden! Aber wir sind einfach an den Sprüngen vorbei gelaufen. Ich hab aber genau gemerkt, wie mein Mädchen da hin geschaut und sich überlegt hat, ob das für uns mal eine Option wäre, so einen kleinen Hüpfer zusammen zu machen. Ein andermal.
Als wir dann wieder auf die ursprünglich geplante Route gestoßen waren, stand dort noch ein Reitwegeschild und jetzt juckt es mein Mädchen in den Fingern, weil da offensichtlich noch ein schöner Weg sein könnte. Den schauen wir uns nächstes Mal an, hat sie gesagt. Und sich gewundert, dass sie in all den Jahren mit meinem großen Bruder nie auf die Idee gekommen ist, mal in dieser Richtung nach Reitwegen zu schauen!

Durchs hohe Gras unter den Büschen durch (kleine Ponys haben dabei große Vorteile, ihr erinnert euch?). Am Ende, als wir wieder an die Straße kamen, war dann Graspause angesagt.

Mein Mädchen hatte meinen Strick los gelassen und war mit ihrem Handy zum Mann gegangen um ihm zu erklären, welche Optionen wir jetzt haben und ihn zu fragen ob er Lust hat, den einen extra Schlenker noch zu reiten. Wie die beiden so miteinander reden – VOGEL!
Oh man, der hat so laut geschrieen, direkt neben mir und ich hab mich vielleicht erschreckt! Bin los gesprungen und zu Diego gelaufen. Mein Mädchen schaut zu mir und sieht: da fliegt doch was…. und das war nicht der Vogel sondern ein Hufschuh! So einen Blitzstart muss kein Schuh aushalten, findet mein Mädchen, da darf schon mal einer ab fliegen. Und es war ein Glück dass sie ihn hat fliegen sehen, denn er landete in einem Dornengestrüpp erster Güte wo man ihn nicht sehen konnte.
Fast gleichzeitig mit diesem Desaster hatte mein Mädchen noch eine andere Fiesigkeit entdeckt: Hirschlausfliegen! Eine ganz große Schar davon war auf Diego gelandet! Ein paar waren auch bei mir. Wir haben still gehalten und mein Mädchen und der Mann haben alle abgesammelt und zerquetscht. Widerliche Viecher sind das! Dann ist mein Mädchen im Dornengestrüpp verschwunden und hat den Schuh gesucht. „Ich fühl mich wie Dornröschen“ schallte es aus dem Gestrüpp „hast du mal ein Schwert?“ und dann „oh, hier ist auch noch ein Frosch den ich küssen könnte. Ach nee, das war ja ein anderes Märchen“. Nach einer ganzen Weile hatte sie den Schuh dann schließlich gefunden. Wieder anziehen, nochmal nach Hirschlausfliegen gucken (und noch welche gefunden), außerhalb der fiesen Zone noch ein paar Happen Gras und dann aber weg.

Auf dem Rückweg haben wir dann noch einen Umweg gemacht (hm, da war ich erst nicht soooooo überzeugt, ich war doch schon etwas kopfmüde nach der Aufregung) und dann haben wir noch ein bisschen galoppieren geübt. Mein Mädchen dachte, wir machen es uns einfach und lassen Diego vorneweg laufen, aber der Mann meinte, ich soll vorneweg. Und weil ich es nicht gleich geschnallt habe mit dem Galopp und eine Weile gebraucht hab um rein zu kommen, meinte er dann, mein Mädchen könnte das ja mal mit mir üben. Also durchparieren, wieder angaloppieren. Nach einer Weile wieder durchparieren. Dann wieder angaloppieren. Derzeit klappen ja ein paar Sachen nicht wie gewohnt. Mein Mädchen sagt, das liegt am Wachsen. Nach drei oder vier Wiederholungen hatte ich das mit dem angaloppieren dann wieder raus und mein Mädchen hat mich doll gelobt. Wir sind noch ein ganzes Stück galoppiert und mein Mädchen war etwas nostalgisch, denn sie dachte an letztes Jahr, als sie sooooo stolz war, dass ich diesen welligen Weg jetzt so schön gleichmäßig traben kann. Tja, das war letztes Jahr! Jetzt kann ich den welligen Weg sogar schön gleichmäßig galoppieren und mein Mädchen sagt, wenn sie die Wellen nicht sehen würde, würde sie gar nicht wissen, dass sie da sind, weil ich alles so gut ausgleiche. Und ich denke: schau an, sie traut mir doch schon einiges mehr zu als letztes Jahr!
Dann war ich erst mal rechtschaffen müde und hatte einen kleinen Tiefpunkt. Mein Mädchen hat mich angespornt, im Schritt nochmal lange Füße zu machen und hat mir eine Erhöhung meiner Luzerneration versprochen. Das hat meine Lebensgeister wieder belebt und so habe ich auch die letzten 1,5km noch gut geschafft bis sie abgestiegen und die letzten Meter zu Fuß gegangen ist.
Zu hause sind wir dann – wegen der blöden Hirschlausfliegen – erst mal gründlich abgeduscht undd gebürstet worden. Tatsächlich waren da immer noch 3 Stück zu finden! Mistviecher! Aber mein Mädchen meint, die schönen neuen Wege, die wir gefunden haben, waren es durchaus wert. Jetzt sind wir ja gewarnt und passen noch besser auf.
Trotzdem war es ein fantastischer Ausflug! Wir waren gute 12,5 km unterwegs, weil mein Mädchen meint, es sei Zeit, dass wir unsere ewige Standard-10km-Streckenlänge mal knacken. Und sie sagt, bald würde ich 12km auch nur noch so anstrengend finden wie 10km und wenn der Wachstumsschub erst mal vorbei ist, ahnt sie schon, dass ich mich wieder fühlen werde wie der König der Welt.
Jetzt allerdings fühle ich mich erstmal wie ein sonntäglich ermatteter Ritter, der sich seine Freizeit für den Rest des Tages redlich verdient hat!
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (hoffentlich Hirschlausfliegenfrei!)
Hm, hirschlausfliegenfrei, oder im Zweifelsfalle: Frei von Hirschlausfliegen. Kennen Sie das Galgenrätselspiel?
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Galgenmännchen? Wo man die Wörter erraten muss? Da wäre die Hirschlausfliege ein tolles Wort 🤣
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Hirschlausfliegenlebendfalle!
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