Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 405

Darf ich vorstellen: das schnellste Pony der Welt!

Der sieht so harmlos aus, wie kann er so schnell sein?

Mit dem war ich gestern auf Ausflug. Aber jetzt mal von vorn. Mein Ausreitkumpel wird jetzt zum Kutschpony. Also vor 2 Jahren hat er das ja schon ein paar mal gemacht mit der Kutsche, aber dann hatten die Menschen keine Zeit mehr, sich darum zu kümmern, und so hat es bis jetzt gedauert. Aber jetzt lernt er das so ganz richtig. Das Mädchen vom Ausreitkumpel ist ja die gestrenge Fahrlehrmeisterin und die erklärt ihm das jetzt alles. Er kann das aber auch schon echt voll gut und ist natürlich ein Naturtalent.

Mein Ausreitkumpel hat am Sonntag hart gearbeitet!

Nur seine Muskeln können das noch nicht so. Ziehen ist nämlich voll anstrengend (sagt er). Und weil er am Sonntag so viel die Kutsche ziehen musste, sollte er nun gestern frei haben und sich erholen. Aber mein Mädchen und das Mädchen vom Ausreitkumpel wollten ja nun trotzdem ausreiten gehen, denn der Montag ist der neue Dienstag! Und also ist das Mädchen vom Ausreitkumpel einfach den Freund vom Ausreitkumpel geritten. Ich kenn den, der hat ja lange bei uns nebenan gewohnt. Ich war auch ein- oder zweimal mit ihm zusammen los, dann waren aber noch andere dabei und ich war noch kein Reitpony. Da sind alle nur Schritt gegangen und alle sind geführt worden, da ist mir gar nicht aufgefallen, WIE SCHNELL der ist! Im Schritt musste ich schon ordentlich Gas geben um hinterher zu kommen und er musste trotzdem immer mal einen extra Kringel drehen. Der Typ ist so heiß, wenn es ans Ausreiten geht, kann der gar nicht mehr bremsen. Alter Schwede, wie kann man nur so aufgedreht sein! Mein Mädchen wusste das und hat sich etwas Sorgen über mein Benehmen gemacht. Schon in der Wackelkiste vorm Ausladen hat sie zu mir gesagt „heute muss ich mich ganz besonders gut auf dich verlassen können“. Ich hab ihr das versprochen und dann ging es los.

Also das schnellste Pony der Welt immer vorne weg. Erst mal nur Schritt. Mein Mädchen war in Sorge, was wohl passiert, wenn wir traben, aber irgendwann hat sie sich getraut. Also ist das schnellste Pony der Welt angetrabt und ich auch und nach ein paar Sekunden hätten wir eigentlich nur noch eine Staubwolke gesehen, wenn der Boden nicht so feucht wäre. Das Pony vorne wurde kleiner und kleiner und ich hab dann beschlossen, dass ich dieses Tempo auf jeden Fall nur im Galopp halten kann. Mein Mädchen hat ein bisschen rum gemault, aber ich hab ihr gezeigt, dass ich ganz furchtbar gesittet galoppiere und da war sie ruhig und hat mich erst gebremst als wir dem Pony wieder näher gekommen waren. Um die Kurve und weg war der kleine weiße Blitz! Mein Mädchen meinte, wir bleiben jetzt mal noch einen Moment im Trab. Dann hat sie das Galopp-Kommando gegeben „Aaaaaachtung.. .und hopp!“ und ich hab losgelegt. Aber der da vorne war sooooo schnell! Da hab ich bisschen Gas gegeben. Mein Mädchen hat „Langsam!“ gebrüllt und das haben das Mädchen vom Ausreitkumpel und ich beide gehört und gebremst. Aber sobald der Abstand wieder einigermaßen ok war, rief sie von oben „weiter!“ weil sie nämlich nicht wollte, dass ich dann gleich wieder in den Trab falle. Sie findet ja immer, wenn ich so viel Übermut habe, dann soll ich auch was tun. Also galoppi galoppi! Bis ich selbst meinte, es sei mal Zeit für Trab. Aber im Trab ist der mir einfach davon gelaufen, also doch wieder Galopp. Und so haben mein Mädchen und ich den Ausritt genutzt um das mal klar zu kriegen. Ich hab das jetzt auch geschnallt, wann ich traben soll und wann ich galoppieren soll. Und mein Mädchen war soooooo stolz auf mich! Im Galopp war ich nachher nämlich einen Hauch schneller als der weiße Blitz im Trab (aber ich glaube nur, weil sein Mädchen ihn dauernd gebremst hat) und überholen sollte ich den lieber nicht. Deswegen sind wir immer getrabt bis wir etwas Abstand hatten und dann galoppiert bis wir wieder direkt bei ihm waren. Und ich hab das nachher alles auf Stimmkommando von oben gemacht. „aaaaachtung…“ ja ich weiß schon, es geht los! Und „brrrrrrrr“ war fürs Durchparieren. Auf den Punkt hab ich das gemacht. Trab, Galopp, Trab, Galopp, Trab, Galopp. Puh, da war uns beiden aber ordentlich warm nachher, meinem Mädchen und mir! Als wir nach 5,5km Graspause gemacht haben, hat mein Mädchen kurz nachgerechnet. Wir sind 5,5km in 42 Minuten geritten, das entspricht Tempo 7,6 (7,6Minuten/km). Für einen Distanzritt in der Wertung brauchen wir – je nach Ausschreibung – Tempo 8 (8Minuten/km) also nur ein wenig langsamer, das dann aber über 30 km! Da waren wir beide ein bisschen schockiert. Aber nur ganz kurz, denn eigentlich ist das ja egal, wir wollen ja nur Spaß haben – und das hatten wir gestern! Und wie! Unsere Geschwindigkeit hat sich laut App auch ganz schön gesteigert: 11,9km/h hab ich im Trab geschafft und im Galopp stolze 17,7km/h! Und das ohne Schuhverlust! Das bedeutet – laut meinem Mädchen – dass meine Schultern wohl schon lockerer geworden sind und ich vorne weiter raus komme, so dass ich mir gar nicht mehr so viel hinten rein trete. Trotzdem arbeitet sie daran, dass ich für meine Hinterfüße andere Schuhe bekomme.

Als wir nach der Graspause nach hause geführt wurden, hatte der kleine weiße Blitz die Taschen voll Gras. Auf dem Weg zur Weide? Das ist wirklich kurios. Mein Mädchen hat mir erklärt, dass bei ihm auf dem Hof noch andere Tiere wohnen, so kleine, plüschige, die auch gern Gras essen und denen er das leckere mitbringt. Das Mädchen vom Ausreitkumpel hingegen hat behauptet, der kleine Schimmel sei wie ein E-Auto, das seinen eigenen Akku mithat. Und jetzt bin ich sehr verwirrt. Aber ich war vom vielen galoppieren und konzentrieren etwas müde und hab dann nicht weiter darüber nachgedacht.

Der hat seinen eigenen Akku mit, hat sie gesagt.

Ich hab mich dann noch kurz abschwammen lassen, damit mein Pelz nicht so juckt, dann ging es wieder in die Wackelkiste und ab nach hause. Mein Mädchen hat mich noch den ganzen Abend gefeiert und ich persönlich hatte so gute Laune, dass ich sie fröhlich angebrummelt habe, als sie nachher kam um uns auf die Weide zu lassen. Das war doch ein sehr, sehr feiner, flotter Ausflug!

Trab- Galopp- Trab Galopp- Trab- Galopp……

Euer flotter Sir Duncan Dhu of Nakel

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