Nach all der Aufregung brauchten wir jetzt aber wirklich mal einen vernünftigen Ausritt. Vorher war aber eine erneute Verbesserung der Hufschuh-Situation angesagt. Ich habe neue Seitenteile bekommen, weil ich zwei von den alten ja schon geschrottet hatte. Und dann auch gleich neue Strapse – in bunt! Mein Mädchen fand das so blöd, dass das alles schwarz ist. Man sieht ja nix! Wenn sie runterschaut auf meine Hufe, will sie sofort sehen, ob alles noch sitzt. Also hat sie von den anderen Hufschuhen die Strapse, die eh noch übrig waren, angebaut. Schön bunt ist das auf jeden Fall! Mein Mädchen ist ja sonst nicht so ein „matchy-matchy“-Typ aber langsam kommt sie diesbezüglich doch ganz schön in Fahrt (zumindest, wenn es um MEIN Outfit geht).
Nachdem die schönen bunten Sandalen angeschnallt waren, ging es los. Ausreitkumpel! Der einzig wahre, lang erprobte und verlässlich schreckhafte Ausreitkumpel. Da ich ja leichte (oder eher mittelschwere) „Weg-Langeweile“ angemeldet hatte, hat mein Mädchen beschlossen, mal wieder in den anderen Lieblingswald zu fahren. Da waren wir ewig nicht! Und da ist es auch sooo schön. Sie findet, da ist immer tolles Licht. Wir Ponys finden das ja eher verwirrend, wenn da so Lichtflecken auf dem Boden sind. Mein Ausreitkumpel hat prompt überlegt, ob das ein Grund sein könnte, ein paar Hüpfer zur Seite zu machen, aber sein Mädchen wurde sofort streng und hat ihm eindrücklich versichert, dass sie keine Hüpfer duldet, wenn nicht wirklich mindestens ein echter, ausgewachsener, feuerspeiender Drache aus den Büschen springt (oder so ähnlich). Mein Ausreitkumpel hat hingegen angemerkt, dass er just in diesem Wald damals seine Baumphobie erworben hat, weil er sich damals nämlich mit dem Bein zwischen zwei Baumstämmen von so einem Stapel verheddert hatte und alle einen kurzen Moment der Panik ausstehen mussten. Ich finde es also sehr verständlich, dass er sich jetzt vor den Dingern fürchtet. Und das schließt auch Bänke mit ein, denn die werden aus Baumstämmen gemacht und sehen ihnen verdammt ähnlich. Und Baumstümpfe sind die Reste, die übrig bleiben, wenn ein Baum gefällt wird – ergo muss dann dort irgendwo ein Baumstamm liegen. Also: alles auf einen einzigen Unfall zurückzuführen! Naja, so zumindest die Logik meines Ausreitkumpels…
Wir haben uns dann erstmal warmgelaufen und uns über den schönen Wald gefreut, dann raus aus dem Wald auf die Plattenwege und der erste kleine Galopp. Kurve, dann noch ein Galopp und nach der nächsten Kreuzung noch ein Galopp – mein Mädchen hat wieder Tempowechsel mit mir geübt – und dann schließlich Schritt in Richtung des Klönschnackhundes. Den nenne ich so, weil er hinter einer Klönschnacktür wohnt, deren obere Hälfte mit Hasendraht versperrt ist. Da steht er dann und bellt eindrücklich. Und wie ich da so laufe merkt mein Mädchen plötzlich, dass mir doch schon wieder ein Pantoffel fehlt! Verdammt! Umdrehen…. Zurück am Hund vorbei, wieder auf die Plattenwege und Hoppi Galoppi den Schuh suchen. Auf dem Weg dorthin hab ich dann den rechten auch nochmal probehalber verloren. Mein Mädchen hat die Einlage rausgenommen und die neuen Strapse fester angezogen in der Hoffnung, dass mir das jetzt nicht zu fest ist. Sie hatte schon so einen Verdacht, wo der linke Schuh liegen könnte, und der bestätigte sich dann auch: ich hatte den Schuh gleich beim allerersten Galopp verloren. Da ging es ganz leicht bergab und das hat wohl meine Hinterhand wieder verdächtig nah an die Vorderhufe katapultiert. Da wir nun den ganzen Weg zurückgelaufen waren, hat sie dann beschlossen, eine Abkürzung zu nehmen, von der sie eigentlich dachte, die sei illegal. Stellt sich raus: ist sie gar nicht! Achso? Und das ist so ein schöner Hohlweg. Die Mädchen haben in Erinnerungen geschwelgt, denn vor ein paar Jahren sind wir diesen Weg mal nach viel Regen gegangen und da lief das Wasser wie ein Fluss neben uns her den Weg entlang. Das fanden die beiden lustig. Da waren mein Ausreitkumpel und ich noch sehr viel kleiner und mein Mädchen noch zu Fuß.

Eine kleine Schotterstrecke im Schritt, während die Mädchen geschnattert und eine Riegel verdrückt haben, dann wieder links auf den schönen Waldweg und im Trab weiter. Die Mädchen haben sich in einer Tour unterhalten, während wir Ponys schon alles sagenswerte gesagt hatten: „komm mir nicht zu nah“, „überhol mich nicht“, „übernimm du mal die Verantwortung und lass dich zuerst fressen“, bzw mein Ausreitkumpel findet ja, ich darf gerne vorneweg gehen, aber sobald ich vorneweg bin, bin ich ihm zu langsam. Falls euch das alles irgendwie unlogisch vorkommt: das ist Pony-Logik, das versteht ihr Menschen nicht.

Die Mädchen haben derweil über Schlüsselfinder für Hufschuhe sinniert, über unsere Fütterung, über den anstehenden Distanzritt und wasweißichnochalles. Etwas später hat mein Ausreitkumpel dann mal so richtig angegeben und mir gezeigt WIE schnell er jetzt traben kann. Da musste ich die meisten Zeit galoppieren, um mitzukommen! Mein Mädchen hat die Zeit genutzt, um den Rechtsgalopp zu suchen, aber das bleibt im Moment noch schwierig. Trotzdem haben die beiden Mädchen festgestellt, dass wir Ponys nach 10 flotten Kilometern erst so richtig auf Betriebstemperatur sind. Mein Mädchen hat immer mal auf ihre Uhr geschielt, die ihr jetzt immer meinen Puls anzeigt (Überwachung! Wo bleibt der Datenschutz?) und hat festgestellt, dass ich wohl schon ziemlich fit bin, obwohl ich wirklich ausnahmsweise mal „Atmung“ hatte. (Als ob ich nicht immer atmen würde, aber sie meint damit, dass ich mal am schnaufen war. War halt auch echt warm unter meinem Zebra-Anzug!)
Nach 14,5km sind die Mädchen dann abgestiegen und die letzten Meter gelaufen. Ah, ein leckerer Eichenzweig auf meinem Weg! Nur so schwer zu essen. Da muss ich mir mal helfen. Einfach den Huf draufstellen und den Zweig damit festhalten. Mein Mädchen hat gelacht und fand mich schlau. Bis dieses Schnalzgeräusch kam und sie feststellen musste, dass ich einen von den neuen Hufschuhstrapsen mit dem Maul mit abgezupft hatte und den aus Versehen mitessen wollte! Oh, da war sie aber sehr fix bei mir und hat das Ding aus meinem Maul befördert.
Zurück an der Wackelkiste wurde wieder gekühlt und mein Mädchen hat ihr bestes gegeben um meinen Kopf ordentlich zu entjucken, damit ich nicht wieder Kopfstand im Heunetz machen muss. Und ab ging es nach Hause! Ach, schön war das. Nur eine Frage hab ich noch an die beiden Mädchen: habt ihr jetzt alles besprochen oder quasselt ihr nächstes Mal wieder so viel?
Euer gut beschäftigter Sir Duncan Dhu of Nakel