Gestern hatte ich schon wieder frei. Laaaaaangweilig! Diego durfte die Kutsche ziehen und ich durfte mal wieder nicht mit. Und er hat Lobeshymnen und tonnenweise Kekse kassiert. Ja toll und was ist mit mir? Aber mein Mädchen hat gesagt, dass ich heute auf meine Kosten komme. Und tatsächlich: heute Morgen stand die Wackelkiste parat! Jetzt aber hurtig, ich hab Hunger und da oben ist mein Frühstück! Nein, erst noch Hufschuhe anziehen und bisschen Winterfell rausbürsten. Menno. Dann aber rein in die Wackelkiste und los. Kaum war der schlimmste Frühstückshunger gestillt, waren wir auch schon da. Wo sind wir denn? Ah, im Lieblingswald! Juhuuu! Und wer ist denn da? Das ist doch der schöne Spanier! Den kenn ich doch! Mit dem waren wir heute ausreiten, mein Mädchen und ich, während die dazugehörigen Männer bei den Autos blieben und sich mit Kaffee und Klönschnack die Zeit vertrieben haben.
Und ich sage euch, es war wirklich großartig! Erstmal sind unsere Mädchen ein Stück zu Fuß gegangen zum warm werden. Dann aufsteigen und Wege suchen. Wo war hier noch der Reitweg? Verschwunden. Na, dann eben ein Schlenker außen rum. Ah, da geht der Reitweg rein. Mein Mädchen hat vorgewarnt: Matschlöcher. Der schöne Spanier war vorne. Aber als er den Matsch gesehen hat, hat er die Bremse gezogen. Er ist Spanier, er kennt es trocken und felsig, nicht morastig und sumpfig. Also bin ich vorneweg gegangen. Ich kenne mich da aus, das liegt mir in den Genen. Ganz in Ruhe mittendurch und nur schauen, dass die Hufschuhe dran bleiben – kann ich. Komm, Spanier, trau dich! Nach kurzer Überredung hat er es dann gewagt und ist auch ganz artig durch die Matsche gestiefelt. Weitere 3 Matschlöcher später war er dann auch schon ein Vollprofi. Ich bin die abenteuerliche Strecke komplett vorneweg marschiert wie ein Großer. Dann hatte die Zivilisation uns wieder und es ging auf die lange Gerade. 3km geradeaus. Mein Mädchen hat gefragt, ob wir traben wollen. Klar! Ich hab doch gehört was sie gesagt hat! Los! Aber wir mussten erst noch auf das ok vom Spanier und seinem Mädchen warten. Ach so. Als wir dann schön getrabt sind, hat mein Mädchen erzählt, dass sie und ich die Strecke früher durchgaloppiert sind – vor 2 Jahren, als wir beide gut im Training waren. Ja, ich erinnere mich ganz genau! Darf ich demonstrieren? Nein, durfte ich nicht. Heute kein Galopp. Schade. Aber wir sind schön durchgetrabt mit zwei kleinen Unterbrechungen – einmal für 4 Isländer, die uns entgegenkamen (das Mädchen vom Spanier meinte, die sehen doch aus wie frisch geföhnt!) und einmal für einen Spaziergänger mit Hund. Ansonsten wie ein Uhrwerk – trabtrabtrab! Der schöne Spanier und sein Mädchen haben sich gefreut über diese schönen, ausgiebigen Trabstrecken. Denn danach kam gleich noch so eine lange Gerade. Und ich hatte immer die Lauscher auf Empfang. Als das Mädchen vom Spanier sagte „da sind Rehe“ hab ich sofort hingeschaut wo sie hingeschaut hat. Mein Mädchen war ganz überrascht, dass ich heute anscheinend alles mitkriege, was so geredet wird und alles verstehe. Auch „nach dem Holzgeländer trabe ich an“ hab ich verstanden. Bin ja nicht blöd!
Nach etwas Schritt haben wir eine Graspause gemacht, weil mir schon ganz hungrig zumute war – der Blutzucker! Mein Mädchen sagt „noch 3 km“ und das Mädchen vom Spanier war ganz traurig, dass der Ritt schon fast vorbei ist. Ich war ja eher traurig, dass die Graspause nicht lang genug war…. Herr Spanier und ich waren aber noch munter, vor allem nachdem wir (zu wenig) Gras getankt hatten. Also noch ein bisschen traben, dann ein bisschen Schritt und das letzte Stück sind die Mädchen zu Fuß gegangen. Da musste ich dann doch heimlich ein paarmal gähnen, denn fast 12km ist im Moment doch eine gute Strecke für mich nach der langen Winterpause (aber mein Mädchen sagt, meine Fitness sei einwandfrei, dafür dass das erst unser 4. Ausritt nach langer Pause war. Unsere Platzarbeit hat eben doch ganz gute Früchte getragen!)

Die beiden Mädchen waren ganz fröhlich nach diesem schönen Ritt und wir Pferde auch. Mein Mädchen war schon wieder stolz wie Bolle, weil ich so großartig erwachsen war, artig, mutig und so fleißig gelaufen bin. Das Mädchen vom Spanier hat mich auch gelobt, die hat mich lange nicht gesehen und ihr fiel meine gute Körperhaltung und mein verbessertes Gangwerk auf – da bin ich doch gleich noch ein paar Zentimeter gewachsen! Das Mädchen vom Spanier war auch höchst zufrieden mit ihrem edlen Ross, der sich so mutig den Matschlöchern gestellt hat und beide fanden, dass wir gut zusammenpassen, weil wir erstaunlicherweise ein ganz ähnliches Tempo haben.
Die Mädchen haben uns dann abgegeben an ihre jeweiligen Männer und wir durften mit denen noch am Strick was grasen gehen, während die Mädchen sich frischgemacht haben. Und dann ging es auch schon wieder nach hause!

Ach, das war toll und muss unbedingt wiederholt werden!
Euer gut ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel