Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 2. November 2025

Eine Ewigkeit waren wir nicht ausreiten! Ich hab meinem Mädchen schon lange gesagt, dass das so nicht weitergehen kann. Jedes Mal, wenn sie mich zum Platz geführt hat, habe ich sehnsüchtig in Richtung Straße geschaut und vielleicht habe ich auch das eine oder andere Mal versucht, sie dort hin zu ziehen. Sie war dann immer ein bisschen traurig und hat gesagt „hoffentlich bald“. Erst war Stress, dann war dauernd Wetter. Regen bis einem die Schwimmflossen sprießen!

Aber heute war es endlich mal wieder so weit!

Vorher ging es aber noch zum Coiffeur. Der Mann hat mich gebürstet – erst meinen Körper, dann Mähne und Schweif. Mein Mädchen war überrascht, dass ich mich so entspannt habe frisieren lassen, das ist ja in der Regel nicht so meins. Dann kam mein Mädchen mit dem Entpelzer. Seit sie mich das letzte Mal teilentpelzt hat, sind gut 4 Wochen vergangen und ich hab schon wieder ordentlich aufgerüstet. Ein Fehler, denn es ist mir einfach zu warm in dem dicken Mantel. Also hat mein Mädchen mir wieder den Hals und die Brust nackig gemacht und außerdem am Po den unteren Bereich geschoren. Aaaaah, frische Luft an die Haut, sehr angenehm!

Dann Hufschuhe dran, Sattel drauf und endlich los! Ich wäre ja gern links vom Hof gegangen – das will ich ja immer – aber es ging rechts herum. Ich war aber so gut gelaunt, dass mich das auch nicht betrüben konnte. Mein Mädchen hatte kurzfristig Sorge gehabt, es könnte sich Energie in mir angestaut haben, aber ich war heute perfekt in meiner Mitte. Wir sind eine eigentlich recht simple 8km – Tour geritten und mein Mädchen hat sich gewundert, dass sie noch nie auf die Idee gekommen ist, dass wir diese Rund zum alleine ausreiten nehmen könnten. Die ist nämlich recht harmlos. Ein paar Rinder – aber nur die netten Landsmänner, die Schotten. Die sind nicht so schnell unterwegs wie manche anderen und ich verstehe die besser. Dann das Nachbardorf, aber das ist auch sehr viel harmloser und übersichtlicher als unser Dorf. Und natürlich der Gruselhof. Da ist immer was komisches los, aber mein Mädchen sagt, wenn wir den allein bewältigen müssen, kann sie ja absteigen.

Man kann da auch inzwischen mehr traben als früher, weil der Seitenstreifen weicher geworden ist. Der wurde vor ein paar Jahren befestigt und war dann ganz hart, aber jetzt ist Gras über die Sache gewachsen. Und so schmiedet mein Mädchen mal wieder Zukunftspläne – aber die liegen in der Zukunft.

Bis dahin haben wir ein bisschen alleine ausreiten ohne alleine auszureiten geübt und ich durfte ein Stück munter voran traben. Mein Mädchen war überglücklich und hat mir gesagt, dass ich heute ihr perfekter Ritter bin. Dann hat sie gestutzt und gesagt „ich erwarte nichts geringeres als absolute Perfektion von dir. Ich bin bereit, hart dafür zu arbeiten und ich gebe uns 5 Jahre Zeit. Dann bist du 12 und ich möchte, dass wir das dann richtig gut können mit dem Ausreiten und auch auf Distanzritte gehen. Erschrecken kann sich jeder, aber es wird nicht losgerannt und auch nicht ständig übers Tempo diskutiert. Und bis dahin kennen wir uns dann so gut, dass wir jede Situation meistern können, ok?“

Ich hab nur genickt. Perfektion kann ich. Vielleicht noch nicht jeden Tag, aber heute konnte ich es. Ok, als Diego dann im Flug-Trab vor uns her zischte, hab ich ganz kurz mal gefragt, WIE schnell ich darf (ich muss dann natürlich galoppieren, wenn der loslegt…), aber ich habe die Grenzen widerspruchslos akzeptiert. Und das findet mein Mädchen perfekt.

Später habe ich ihr noch ritterlich geholfen. Da lag nämlich ein Ast im Weg und den wollte mein Mädchen nun wegräumen, aber ohne abzusteigen. Sie hat mich also ranbugsiert, sich runtergebeugt und wollte den Ast hochheben, aber der war zu groß und zu schwer, so dass sie mich dann so gelenkt hat, dass er aufrecht stand, dann haben wir ihn ein kleines Stück gezogen und am Rand wieder fallenlassen. Ohne mit der Wimper zu zucken hab ich das gemacht. Zack! Mädchen stolz.

Habe ritterlich geholfen

8km und 1,5 Stunden später waren wir wieder zu hause und seitdem schwebt mein Mädchen auf Wolke sieben und ist überglücklich. Jetzt hofft sie, dass ich es schaffe, immer so zu sein wie heute, und sie träumt davon, dass wir nächstes Jahr endlich, endlich wirklich richtig alleine ausreiten gehen können. Davon träume ich auch, damit ich nicht wieder so lange warten muss, bis es mal raus geht! Und dafür tu ich alles, sogar Perfektion.

Euer (fast schon) perfekter Sir Duncan Dhu of Nakel

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