Gestern war es dann endlich so weit: wir waren auf Distanzritt! Naja, nicht ganz. Aber wir sind der Sache etwas näher gekommen. Also es war so: Damals mit unseren Vorgängerponys waren mein Mädchen und das Mädchen vom Ausreitkumpel auf ihrem allerersten Distanzritt. Das war in Preetz auf der Schusteracht. Und seitdem wollten die Mädchen da gerne nochmal hin. Dieses Frühjahr hätten wir ja dort reiten sollen, aber nach unserem kleinen Missgeschick hatte mein Mädchen ja einen kaputten Daumen und außerdem eine Menge Angst, und wir insgesamt viel zu wenig Training, deswegen wurde das nichts. Aber nächstes Jahr gibt es eine neue Chance. Und die Schusteracht hat eine Besonderheit: Brücken! Viele, viele Brücken. Allein auf der Strecke, die sie damals geritten sind, gab es 3 Brücken. In der Gegend gibt es nämlich ziemlich viel Wasser und da muss man anscheinend alle Nase lang rüber. Und wenn wir jetzt mal ganz weit zurück denken dann fällt uns ein, dass Brücken über fließendes Wasser jetzt gar nicht immer meine Lieblingsübung waren.
Also rein in die Wackelkiste und den Ausreitkumpel abholen. Der war allerdings schon fertig mit den Nerven, bevor es überhaupt los ging! Bei denen wurden nämlich Kartoffeln geerntet, und zwar auch in der Nacht. Und das, sagt er, ist wahnsinnig gruselig. Er und seine Kumpels hatten eine richtig üble Nacht und waren alle sehr unentspannt. Er ist zwar trotzdem in die Wackelkiste eingestiegen, aber kaum, dass er drin war, fing er an zu scharren und hampelte da nervös herum. Nach ein paar Minuten hat er sich aber abgeregt und wir konnten los.
Es hat eine ganze Weile gedauert, bis wir da waren. Wir standen auf einem großen Parkplatz direkt an einer ziemlich lauten Straße. Mein Mädchen mag keine lauten Straßen und war nervös. Ich nicht, ich fand das alles zwar nicht schön, aber ok. Mein Ausreitkumpel hat derweil versucht, sich das Halfter auszuziehen, was mein Mädchen gleich noch viel nervöser gemacht hat.
Schließlich waren wir gesattelt und es konnte losgehen. Die Mädchen zu Fuß. Es ging direkt auf einen schönen Grasweg, allerdings direkt neben der Straße. Da war zwar ein Knick dazwischen aber es war trotzdem laut. Und mein Mädchen hasst laute Straßen. Sie war nervös, ich war noch einigermaßen entspannt, aber langsam färbte das alles auf mich ab. Alsbald ging es über die Straße rüber und mein Mädchen meinte, jetzt wird es ruhiger. Wurde es aber gar nicht, denn da war ein Motocross-Platz und die haben da ganz merkwürdige Geräusche gemacht. Da wurde mir jetzt doch ein bisschen blümerant. Mein Mädchen hat beruhigend mit mir geredet und mir Kekse gegeben aber ich war wenig angetan von diesem Ausflug. Als wir dann abgebogen sind auf den nächsten Grasweg dachten wir, wir hätten jetzt endlich unsere Ruhe. Aber nein: da war ein großes abgeerntetes Maisfeld und aus irgendeinem Grund sind da in der Ferne Menschen drüber gelaufen. Und mit unseren angespannten Nerven fanden wir Ponys das gar nicht gut. Ich bin voran marschiert, mein Mädchen neben mir hat beruhigend auf mich eingeredet. Gerade hatte ich mich etwas entspannt, als mein Ausreitkumpel hinter mir die Warntrompete blies! Ihr wisst schon, der Drachenatem, dieses Warngeräusch das wir Ponys machen, wenn etwas gar nicht gut ist! So, da ging sie hin, meine beginnende Entspannung. Mein Mädchen war fertig mit den Nerven. Mittlerweile waren wir 2km unterwegs und von schönem Ausritt war noch keine Spur zu sehen.
Erst als wir auch das Maisfeld hinter uns hatten, hat mein Mädchen sich getraut, aufzusteigen. Mein Ausreitkumpel war immer noch nicht in Stimmung und hat beim Aufsteigen nicht stillgestanden, aber schließlich ging es dann. Ein kleines Stück im Trab hat mich dann schon ein bisschen besser entspannt. Dann ging es los mit der Wegesuche. Mein Mädchen hatte die Tour genau geplant, aber irgendwas stimmte nicht mit der Realität überein und dann war da nicht genug Netz um die geplante Tour zu sehen. So wurde ständig angehalten und überlegt, dann hat mein Mädchen sich für den einfachsten Weg entschieden und wir sind einfach ein Stück durchs Dorf geritten. An einem Torbogen wartete dann der Mann auf uns! Die Mädchen wollten nämlich Fotos an dem Torbogen machen, weil es dort auvh Fotos von unseren Vorgängerponys gibt. Ich bin auch mutig dort durchmarschiert, obwohl es komisch gehallt hat, das fand mein Mädchen toll.

Weiter ging es – mein Mädchen war genervt, weil ständig Autos kamen. Aber plötzlich war da ein schöner kleiner schmaler Pfad für uns, den wir entlang traben konnten. Ich bin vorneweg, nicht schnell, aber mutig und in gleichmäßigem Tempo. Mein Mädchen hat sich gefreut, dass ich wieder ganz ich selbst war. Eine blöde Schotterstrecke, eine Straßenüberquerung, dann in den Wald. Ach, das ist auch schön hier. Ich wieder im Trab vorneweg. Ein ganz schmaler, kurviger Pfad durch die Felder, da fand mein Mädchen meinen ruhigen Trab sehr angemessen – viel schneller als Schritt, aber so langsam, dass man jederzeit unproblematisch zum Stehen kommen kann, wenn hinter der Kurve etwas lauern sollte. Aber da lauerte nichts. Auch unter den komischen hohen Säulen bin ich brav durch getrabt, obwohl da drüber die Autos fuhren, was sich sehr merkwürdig anhörte.
Und dann kam unsere erste Brücke. Mein Mädchen hatte die als große Herausforderung angesehen. Aber nach Motocross, Menschen auf Maisfeldern, einem Ausreitkumpel der ein nervliches Wrack war, einem angespannten Mädchen und Wegesuche war ich jetzt einfach irgendwie in meiner Mitte angekommen. Mein Ausreitkumpel war mittlerweile auch wieder er selbst und als die Mädchen abgestiegen waren, ist er dann munter voran über die lange Holzbrücke marschiert. Und ich hinterher, ganz entspannt. In der Mitte hat mein Mädchen mich sogar angehalten, wir haben uns das Wasser angeschaut und ich hab einen Keks gegessen. So, und wo war jetzt das Problem? Unsere Mädchen haben gelacht, weil sie sich so vertan hatten damit, was stressig sein könnte. Menschen haben eben von den echten Gefahren des Ponylebens keine Ahnung!


Auf der anderen Seite der Brücke sind wir dann das Ufer runter geklettert und haben am Fluss ein Schlückchen getrunken, aber sehr durstig waren wir nicht, es war kühl und windig und am Dienstag war ich ja noch unterm Entpelzer gewesen.

Als die Mädchen gerade wieder aufgestiegen waren, kamen von hinten zwei Pferde. Schau an, das ist doch die Frau die die Distanzritte organisiert! Das sind zwei echte Distanzreiter, sagt mein Mädchen, die reiten mal eben 40km so als Feiertagstour. Davon träumen wir ja bisher nur. Ein kleiner Plausch und mein Mädchen war unheimlich stolz auf mich, weil ich inzwischen ganz entspannt stehen kann, obwohl da fremde Pferde sind. Und ich bin sogar entspannt geblieben als die beiden dann weg geritten sind. Mein Mädchen hat den Pferden hinterher geschaut und gesagt, dass wir gegen solche Langbeiner wohl kaum eine Chance hätten mit unseren kurzen Ponybeinchen. Aber ich weiß ja: sie liebt mich und meine kurzen Ponybeinchen abgöttisch und würde mich gegen keinen Langbeiner der Welt tauschen mögen. Außerdem traut sie mir einiges zu, sie weiß ja, dass ich innerlich ein ganz Großer bin.
Hinter den Pferden her (Mädchen stolz, weil ich nicht gezogen und genervt hab und versucht hab, sie einzuholen, wie ich das früher immer getan hab) durch den Wald, dann eine kleine Graspause an einem Schild, wo die Mädchen damals, auf dem Distanzritt, auch Graspause gemacht haben. Das Mädchen vom Ausreitkumpel hätte sich noch beinahe umgebracht, weil sie beim Absteigen mit der Hundeleine am Sattel hängen geblieben ist und nicht vor und nicht zurück kam. Aber mein Ausreitkumpel – wenn er auch manchmal wirklich ein bisschen verrückt ist – weiß, wann er stillstehen muss und so konnte mein Mädchen ihr schnell zu Hilfe eilen (nicht ohne nachher anzumerken, dass sie wirklich gern ein Foto von der Situation gehabt hätte).
Und dann auf den letzten Abschnitt der Reise in Richtung der anderen beiden Brücken. Die sind direkt hintereinander mit einer kleinen Insel dazwischen. Diesmal bin ich vorneweg gegangen, die erste Brücke hat mein Mädchen zu Fuß gemacht und weil ich so schön entspannt war, hat sie gesagt, sie möchte über die zweite Brücke reiten. Gesagt, getan, und ich hab sie da königlich rüber getragen. Ich sag es ja: innerlich ein ganz Großer! Hinter der Brücke stand unsere Wackelkiste, aber wir sollten weiterlaufen. Hä? Tja, weil der Mann uns ständig für Fotos aufgelauert hatte, ist er immer mit der Wackelkiste spazieren gefahren. So fuhr er jetzt auch an uns vorbei und wir mussten zu Fuß den Rest zum Parkplatz gehen. Naja, war nicht mehr weit. Mein Mädchen war ganz kaputt, wir Ponys waren jetzt entspannt.

Für die 13 km hatten wir 2Stunden und 40 Minuten gebraucht wegen der vielen Unterbrechungen (die ich hier gar nicht alle auflisten kann, sonst wird das alles viel zu lang). Also DAS war ganz sicher kein Distanzritt, aber mein Mädchen sagt, wir haben eine Menge für den Kopf getan und das ist auch wichtig.
Jetzt kommt der große Regen und so ist erstmal Essig mit Ausreiten und Zeit für andere Dinge. Aber wir träumen schon mal davon, endlich auf unseren ersten echten Distanzritt zu gehen. Eins steht jedenfalls fest: Brücken können wir.
Euer brückenfester Sir Duncan Dhu of Nakel (Distanzpony in the making)
