Erfolgserlebnisse

Mit Pferden gibt es immer was zu lernen. Das ist eins der tollen Dinge daran, finde ich. Man kann sich endlos in Details verlieren oder immer mal wieder etwas ganz neues anfangen – oder beides.

Ich hatte jetzt kürzlich ein Wippencoaching bei Nina Steigerwald. Als jemand, der sich nur am Rande mit positiver Verstärkung (Clickertraining) beschäftigt bin ich immer wieder aufs Neue erstaunt, wie viele kleine Details es dabei zu beachten gibt.

Aber wahrscheinlich ist jemand, der sich nicht auskennt, auch bei allen anderen Dingen erstaunt, was es alles zu beachten gibt.

Ich finde, das wichtigste sind Erfolgserlebnisse. Egal, wie ein Pferd trainiert und ausgebildet wird, es geht letztlich immer darum, dass das Pferd stolz sein kann. Wenn das Pferd Erfolg hat, wird es fröhlicher, selbstbewusster und letztlich stärker und besser. Wenn die Erfolgserlebnisse aber ausbleiben, wird die Situation mindestens stagnieren, sich vielleicht sogar verschlechtern.

Ich bin als Mensch dafür verantwortlich, dem Pferd Aufgaben zu stellen, die es lösen kann. Stelle ich fest, die Aufgabe war zu schwer und ist noch nicht lösbar, muss ich sie so lange kleiner machen, bis sie lösbar ist. Pferde, die die Erfahrung machen, dass das so passiert, haben keinen Stress mit neuen Aufgaben. Sie wissen, dass sie nicht allein gelassen werden. Sie wissen, dass es nicht doof wird, wenn es nicht klappt, sondern dass der Mensch da ist, um zu helfen. Klar haben die auch mal bisschen Stress, aber sie lernen, diesen Stress so zu kommunizieren, dass der Mensch versteht: das Pferd braucht Hilfe.

Meine Freundin – die gestrenge Fahrlehrmeisterin – sagt immer, eine Kutsche zu ziehen sei für die Pferde selbsterklärend. Denn sobald das Pferd das richtige tut – nämlich anziehen – wird die Kutsche leichter. Der Erfolg stellt sich also sofort ein (wenn es nicht gerade bergauf geht). Diese Erklärung hat sich mir eingebrannt. Ich muss mich also als Mensch genauso verhalten wie die Kutsche, das Leben meines Pferdes muss SOFORT leichter werden, wenn es die gewünschte Verhaltensweise zeigt. Was das genau bedeutet, ist natürlich situationsabhängig. Ich erinnere mich an eine Schülerin, die zu mir kam mit einem sehr bewegungsunfreudigen Pferd. Sie erzählte: ich mache es so wie ich es beim Horsemanship gelernt habe: sobald sie flotter wird, halte ich sie an und gebe ihr eine Pause. Aber es wird einfach nicht besser!

In diesem Fall war das Missverständnis, dass der Mensch glaubte, das Anhalten würde dem Pferd das Leben leichter machen. Das Pferd hingegen war total genervt, weil es jedes Mal, wenn es seine Masse endlich in Schwung gebracht hatte, wieder stoppen sollte, was ein viel höherer Energieaufwand ist als „auszurollen“. So wurde das Pferd aus seiner Sicht eigentlich ständig bestraft, während die Besitzerin glaubte, es zu belohnen!

Wenn wir uns nicht sicher sind, ob ein Pferd etwas als Belohnung empfindet, können wir uns eine einfache Frage stellen: wird das gewünschte Verhalten öfter gezeigt? Wenn ja, liegen wir wohl nicht ganz falsch mit unserer Taktik.

Allerdings spielen natürlich auch andere Faktoren eine Rolle: habe ich dem Pferd eine Aufgabe gestellt, für die es sich interessiert? Dann kann die Lösung der Aufgabe an sich schon ein großes Erfolgserlebnis sein, unabhängig von meiner Meinung als Mensch. Gerade Ponys entscheiden sowieso oft selbst, wann sie etwas toll gemacht haben. Sie fordern dann auch gern mal die entsprechende Belohnung ein und den dazugehörigen Blick versteht wohl jeder. Finlay war da recht extrem, er hat die meiste Zeit selbst entschieden, was richtig ist und was nicht. Als Mensch steht man dann vor der Herausforderung, Situationen so zu erschaffen, dass das Pferd dasselbe als richtig empfindet wie der Mensch.

Manchmal sind Erfolgserlebnisse auch einfach nicht drin. Als wir mit Diego heute auf Shopping-Tour waren, musste er geduldig warten, verschieden Fahrzäume anprobieren und einfach aushalten. Erfolg? Fehlanzeige. Der einzige Erfolg war der keksbringende Flirt mit einer Dame, die vorbeikam.

Und am Ende der Veranstaltung merkte man Diego deutlich an, was er von der Gesamtsituation hielt, nämlich gar nichts. Der Erfolg, nämlich passendes Equipment, das ihm und uns das Leben in Zukunft erleichtert, ist für ihn schließlich nicht greifbar und verständlich. Aber wenn er dann wieder vor der Kutsche läuft und den Berg geschafft hat, dann wird er wieder dieses Erfolgsgefühl haben und stolz sein können auf sich selbst – und so mag ich Pferde am liebsten.

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