Denk NICHT an einen rosa Elefanten!
Diesen alten Trick kennen bestimmt schon alle. Im Umgang mit Pferden ist er noch viel wichtiger. Neulich passierte mir etwas lustiges, aber dafür muss ich etwas ausholen.
Es gibt von Haribo so leckere Gummitierchen die ich gerne mal nasche. Auf der Tüte steht „zum teilen“. Die Firma Haribo geht also davon aus, dass ich meine Süßigkeiten mit anderen teile …. Da kriege ich ja einen Lachanfall! Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich viel zu gern nasche um irgendwas abzugeben.
Neulich sprach ich mit einer Kundin darüber (weiß der Himmel warum). Und in der nächsten Unterrichtsstunde brachte sie mir doch tatsächlich eine Tüte Vampire mit und hatte das „zum teilen“ überklebt. Auf dem Klebeband stand „nicht zum teilen“.
Der Witz an dieser Geschichte liegt darin, dass ich direkt vor ihr mit einer anderen Schülerin daran gearbeitet hatte, dass sie dem Pferd sagen sollte, was er tun soll – nicht, was er NICHT tun soll! Während man so dasitzt und kluge Sprüche klopft, kommt einem das ganz einfach vor, jeder nickt und guckt wichtig, wenn man darüber spricht, aber sobald Menschen dann am Pferd sind, höre ich es in einer Tour: „nicht glotzen, nicht festmachen, nicht reindrängeln“. Inzwischen bestehe ich darauf, dass meine Schülerinnen ihre Forderung dann direkt umformulieren. Was soll dein Pferd tun? „Aufmerksamkeit zu mir, Genick locker, auf dem Hufschlag bleiben“.
Am besten gefiel mir eine Session mit Duncans kleiner Freundin in der Freiarbeit. „Nicht zum Ball!“ und schon stand mein Pony vor dem Ball… Es erforderte etwas Denkarbeit, bis sie klar formulieren konnte, was er denn tun soll „im Bogen mit mir mitlaufen“. Das gleiche beim Reiten: „nicht die Tonne umstoßen!“ wurde zu „Abstand halten von der Tonne“.
Ich selbst bin im Vorteil, denn ich übe das ständig beim unterrichten (und beiße mir manches mal auf die Zunge dabei!) „lass ihn nicht langsamer werden“ – zum Glück merke ich es oft, bevor ich es laut gesagt habe „halte das Tempo!“. Aber ich bin natürlich auch noch lange nicht perfekt. Gerade unter Stress sage ich dann doch mal so Sachen wie „lauf nicht über mich drüber“, anstatt glasklar zu formulieren „lass mir Platz“.
Ich bin nicht sicher, woran das liegt. Unsere Erziehung? Ist es unsere Kultur – ist das in anderen Kulturen anders? Welchen Vorteil soll es haben, etwas mit „nicht“ zu formulieren? Vielleicht ist es nur eine Art schlechte menschliche Gewohnheit, mit der Eltern schon ihren kleinen Kindern ständig sagen, was sie NICHT tun sollen? Ich weiß es nicht. Was ich weiß, ist, dass es den Pferden ausnahmslos sofort leichter fällt, zu tun, was wir wollen, wenn wir sagen, was wir wollen. Und uns selbst fällt es auch leichter.
Manchmal, wenn beim Ausreiten die Angst kommt, habe ich eine Ahnung, warum das nicht so verlockend ist. Wenn ich dann mein Gehirn auffordere an das zu denken, was passieren soll „Duncan geht jetzt einfach weiter im Schritt geradeaus“ dann ist das natürlich nur EINE Möglichkeit. Während es unendlich viel mehr Möglichkeiten gibt, was er alles tun könnte, was ich NICHT will. Und mein Gehirn findet es langweilig, nur über EINE Sache nachzudenken. Vielleicht versuche ich mal, diese eine Sache zu ganz vielen Sachen zu machen. Er soll weiter im Schritt geradeaus gehen. Dabei soll sein Genick locker pendeln, seine Ohren im Takt schwingen, sein Schweif frei hängen, seine Atmung gleichmäßig sein. Er soll sich entspannt die Gegend anschauen und taktklar im Viertakt mit regelmäßigen Schritten gehen. Mein Körper soll locker mitschwingen, die Zügel sollen durchhängen….. usw. Jetzt wo ich das so schreibe, werde ich das beim nächsten Ausritt mal ausprobieren, das kommt mir vor wie eine gute Idee, um die hyperaktive graue Schwabbelmasse in meinem Schädel positiv beschäftig zu halten.
Ach und übrigens: meine Tüte Vampire, die werde ich alleine leer essen.
„Aber ich bin natürlich auch noch lange nicht perfekt“
= Du übst noch.
Sehr menschlich.
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