Jahresrückblick

Der Weihnachtstrubel hatte mich fest im Griff, der Donnerstag strich unbemerkt an mir vorrüber. Also bekommt Ihr jetzt einen Artikel, der passt ja ganz gut zur Jahreszeit.

2024 hatte einiges in petto für uns, vor allem einen todkranken Diego. Aber der ist nun wieder fit und fidel und nachdem ich nochmals an der Fütterung herumgeschraubt habe, sieht er nicht nur wieder viel besser aus sondern fühlt sich auch sichtlich wieder wohl in seiner Haut. Auf die nächsten 10 Jahre! Dann wird er so alt sein wie Merlin jetzt, möge er dann auch noch mindestens genauso fit sein. Arnulf und Diego haben Großes vor, aber davon später mehr.

Duncan und ich hatten insgesamt ein ganz gutes Jahr. Aber wenn ich auf letzten Januar zurückschaue muss ich zugeben: auf dem Reitplatz haben wir eher Rück- statt Fortschritte gemacht. Ich glaube, dass das alles damit anfing, dass ich die Fütterung verändert habe. Ich hatte ausnahmsweise auf Rat von außen gehört und das ging gründlich in die Hose. Nicht nur, dass Duncan wahnsinnig schreckhaft war, er hatte auch einen extrem langsamen Fellwechsel und war insgesamt einfach nicht so fit. Das schreibe ich mir jetzt hinter die Ohren und kehre zurück zur alten Methode: Das Auge des Herrn füttert das Pferd. Ich übernehme die volle Verantwortung und glaube nicht mehr unbesehen, was mir ein Experte sagt.

Dann kam uns wohl noch ein amtlicher Wachstumsschub in die Quere, zumindest wirkte es auf mich so. Mein Pony war überbaut und schief und krumm und es machte zwischendurch wieder laut „plopp plopp“ in seiner Hüfte. Ganz durch scheinen wir damit auch immer noch nicht zu sein, was natürlich in Anbetracht seiner 6 Jahre auch überhaupt nicht überraschend ist. All das hat uns das Arbeiten auf dem Platz sehr erschwert und im Nachhinein verstehe ich, dass ich wohl viel mehr Handarbeit hätte machen sollen. Aber gleichzeitig war Duncan auch oft voller Bewegungsdrang, so dass ich mich (zu sehr) auf das Ausdauertraining konzentriert habe.

Rückblickend wird mir klar: Lernen kann ich diese Dinge nur im Jahreszyklus. Denn da ist schon ganz schön viel Veränderung, die einfach den Jahreszeiten geschuldet ist und dem Wetter. Das einzuschätzen erfordert aber Erfahrung mit dem eigenen Pony und die sammle ich ja nun gerade noch. Nächstes Jahr möchte ich also einiges anders machen.

Trotzdem: wir haben, vor allem was die Ausdauer angeht, sehr gute Fortschritte erzielt. Duncan ist jetzt (im Moment eher zu meinem Leidwesen) vom Herz-Kreislauf-System verdammt fit, das beweisen einige Anekdoten, bei denen er dieses Kribbeln spürte. Die Pulswerte die der junge Mann im Anschluss hat und die kaum erhöhte Atemfrequenz sprechen Bände.

Und dann waren da auch noch ein paar erste Male: ein erster Reitkurs zum Beispiel, inklusive der ersten direkten Rinderbegegnung. Das hat er alles ganz toll gemeistert, obwohl ich wieder mal froh war um Diegos kompetente Begleitung. Da wir aber nicht ein Leben lang von Diego abhängig sein wollen (und können), haben wir auch einen schönen Ausflug zu Jule Liebelt gemacht und geübt, wie das ganz alleine klappt. Und wir waren ohne Diego zum Ausreiten verabredet, zum Beispiel mit Herrn Fjord. Man, war ich da beim ersten Mal nervös! Aber mein Pony hat alles ganz fantastisch gemacht und sich nach kurzer anfänglicher Irritation benommen wie immer. Auch mit Ritter Willibald waren wir schön unterwegs und auch da war ich sehr zufrieden. Der erste Ausritt in Begleitung einer Stute zeigte, dass Duncan wirklich Wallach ist und sich nicht mehr an sein Hengst-sein zu erinnern scheint. Auch eine zweite Stute hat er souverän als Ausreit-Begleitung akzeptiert. Beides war für ihn im Kopf anstrengend, aber sein Körper scheint über schier unendliche Reserven zu verfügen. Nur einmal war ich unsicher, ob ich seine körperliche Grenze überschritten habe oder es nur ein Kopf-Problem war. Jetzt habe ich mich weiter fortgebildet und kann das vielleicht demnächst besser objektiv überprüfen, aber letztlich gilt es wohl, ein Gefühl fürs eigene Pony zu entwickeln um Situationen besser einschätzen zu können.

Den Distanzritt, den ich noch nicht mitreiten wollte, weil ich dachte, er schafft das noch nicht, hätte er jedenfalls ziemlich sicher gut geschafft. Aber so war es auch fein, ich bin nicht das Risiko eingegangen, ihn zu überfordern – weder geistig noch körperlich – und ich weiß, dass wir nächstes Jahr unsere Chancen nutzen werden.

Vielleicht habe ich dieses Jahr mehr darüber gelernt, wie ich es nächstes Jahr NICHT machen möchte, aber was ich auf jeden Fall auf unserer Haben-Seite verbuche ist die Tatsache, dass Duncan jede Herausforderung gemeistert hat und sich immer wieder als zuverlässiger Partner herausstellt. Die Dinge, die er kann, die kann er dann auch wirklich abrufen und auch wenn er aufgeregt ist, bleibt er noch ansprechbar.

Den größten Fortschritt haben wir dieses Jahr im Freedom Based Training gemacht. Mir scheint, dass ich da endlich ein paar Dinge besser verstanden habe und jetzt besser weiß, wie ich die Theorien für uns passend in die Praxis umsetze. Gleichzeitig bin ich wieder völlig fasziniert, wie diese laut Elsa Sinclair „langsamste Trainingsmethode der Welt“ schnelle Fortschritte bringen kann auf der Beziehungsebene. Wie gut ich lerne mein Pony zu lesen und wie gut mein Pony lernt, sich für mich verständlich auszudrücken. Und manchmal waren es diese innigen Momente, die mich darüber hinweggetröstet haben, wenn ich vor Problemen im Rest der Ausbildung stand.

Seit ein paar Wochen geht es mit der Reiterei auf dem Reitplatz steil bergauf. Ob das jetzt ein Trainings-, ein Fütterungs- oder ein Wachstumserfolg ist, vermag ich nicht zu sagen. Aber es bleibt sich gleich, denn das Wachstum ist irgendwann abgeschlossen und wenn meine Fütterung und mein Training jetzt besser passen als zuvor, dann kann ich das ja so beibehalten und vom jetzigen Punkt aus versuchen, weiter zu verbessern. Die Ausbildung eines Pferdes ist eben keine Sache von 6 Wochen – und auch keine von 6 Jahren. It takes 10years to make a good 10 year old horse.

Wir sehen uns dann nächstes Jahr mit neuen Plänen!

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