Vielleicht ist Euch aufgefallen, dass ich lange keine Videos mehr gepostet habe. Das hat einen einfachen Grund: der Speicherplatz, den WordPress mir zur Verfügung steht, ist voll. Ich habe bereits in mühsamer Kleinarbeit Bilder und Videos durch kleinere Versionen ersetzt, aber das bringt nicht so wahnsinnig viel. Daher habe ich mich entschlossen, den Blog mal aufzuräumen und neu aufzusetzen.
5 Jahre ist Duncan nun hier, Finlay ist über 5 Jahre tot. Da kann ich schon auch mal eine neue Startseite kreieren und neue Leser besser abholen. Das steht also auf meiner To-Do-Liste für die Tage, an denen ich doch lieber nicht so viel rausgehen möchte, also vermutlich Januar/Februar, wenn draußen der Regen waagerecht fällt. Dann werde ich mir die Zeit nehmen, hier durchzuputzen. Wer also die alten Beiträge nochmal lesen möchte: noch ist die Gelegenheit dazu.
Vorher ist erstmal Herbst und das Aufräumen findet eher draußen statt – und ein bisschen auch schon in meinem Kopf. Die „Saison“ ist so gut wie zu Ende und auch wenn ich neulich ein bisschen gejammert habe über all das, was wieder NICHT stattgefunden hat, kann ich doch auch zurückschauen auf viele Dinge die stattgefunden haben. Und ich sehe vor allem wie sehr Duncan und unsere Beziehung sich entwickelt haben über die vergangenen Monate. Plötzlich hat sich ganz viel im Freedom Based Training getan, wo ich vorher das Gefühl hatte, ich komme keinen Schritt voran, habe keinen richtigen Plan, keine Idee, was ich da eigentlich tue. Jetzt habe ich das Gefühl, dass es mein Pony plötzlich doch interessiert, was ich tue, und ich dadurch einen besseren Plan entwickeln kann. Es ist ihm jetzt wichtig geworden, ob ich mit ihm in Harmonie bin oder nicht. Und er hat verstanden, dass er das beeinflussen kann. Plötzlich ändern sich Dinge, das hat schon etwas magisches. Und das hängt auch mit dem allein ausreiten zusammen, denn mir fällt auf, dass wir beide – Duncan und ich – uns immer zu sehr auf unsere Begleitungen verlassen haben. Sicher, das hat uns schnell vorangebracht, gerade am Anfang konnten wir viele Dinge überhaupt nur deswegen tun, weil Diego mit dabei war. Aber wir beide haben eben die Verantwortung an Diego abgegeben (das ist zugegebenermaßen extrem leicht). Duncan war zu klein für Verantwortung und ich war zu traumatisiert, zu verängstig, zu sehr aus meiner Mitte gerissen durch Finalys Unfall-Tod. Jetzt gilt es, erwachsen zu werden. Duncan und ich müssen jetzt die Verantwortung für uns selbst übernehmen, und sobald wir das tun, können wir auch allein ausreiten, dessen bin ich mir sicher. Wie genau der Prozess ist, um dorthin zu kommen, weiß ich noch nicht, aber es hilft mir, das Problem jetzt klarer benennen zu können und zu wissen wo mein Anteil ist. Ich muss Entscheidungen treffen, wie ich mit Verhaltensweisen meines Ponys umgehen möchte. Wenn er stehenbleibt und schaut, was möchte ich ich dann tun? Heutzutage gibt es nicht mehr die eine Lehre, die uns sagt, was man uns früher zugebrüllt hat „setz dich durch!“. Es gibt viele Optionen, viele mögliche Verhaltensweisen, die mehr oder weniger schnell zum Ziel führen (wobei das Ziel dann eben jeweils auch unterschiedlich ist). Ich werde ein bisschen herumprobieren (müssen) um unseren persönlichen Weg zu finden. Einen Fehler habe ich ja schon gemacht, den brauche ich nicht zu wiederholen. Vor einigen Wochen, als ich Duncan habe grasen lassen und er die Welt um sich herum so ausgeblendet hat, dass er dann, als er den Kopf wieder hochnahm, furchtbar erschreckt war und sich losgerissen hat. Deswegen: Grasen ohne die Umwelt im Blick zu behalten ist tabu. Das habe ich schonmal kapiert. Jetzt muss ich noch rausfinden, wie lange ich Duncan gucken lassen kann und wann ich eingreifen muss, weil er sich festglotzt. Und wie ich am besten eingreifen kann.
Gestern, als der Wind mir einen Strich durch meinen ursprünglichen Ausreit-Plan gemacht hat und Duncan und ich stattdessen auf dem Reitplatz waren, haben sich noch mehr Übungsmöglichkeiten eröffnet: Die Gruselecke auf dem Reitplatz eignet sich prima, um das Reiten im Gelände zu simulieren, habe ich festgestellt. Und der schmale Weg vom Reitplatz auf den Hof ist eigentlich ja auch ein super Übungsplatz, den ich dringend nutzen sollte, um voranzukommen. Und obwohl mir letztes Jahr schon aufgefallen war, dass unser „Sommerreitplatz“ (den ich diesen Sommer kein einziges Mal genutzt habe) ein gutes Übungsfeld wäre, habe ich das irgendwie vergessen oder verdrängt. Ich merke, wie ich immer hundert Gründe habe, Dinge nicht zu tun (heute habe ich nicht genug Zeit, heute würde ich es nicht packen, wenn es schiefgeht, heute braucht er gute Gymnastik, das kriegen wir da oben nicht hin…..). Es liegt an mir, diese wunderbaren Übungsgelegenheiten mehr zu nutzen, das ist mir jetzt nochmal ganz klar geworden. Auszubrechen aus meinem Trott und Dinge anders zu machen, damit wir vorwärts kommen. Und das gute ist: das kann ich auch jetzt im Herbst und Winter tun, ganz ohne den Hof zu verlassen.
Ich freue mich darauf, all die alten Geschichten noch einmal zu lesen, bevor sie im Archiv verschwinden. Ich bin sicher, das wird mir Mut geben, die Dinge anzupacken, weil ich sehen kann, welche Hindernisse wir in 5 Jahren überwunden haben und wie weit wir schon gekommen sind. Man sagt, die meisten Menschen überschätzen was sie in einem Jahr schaffen können und unterschätzen was sie in 10 Jahren schaffen können. Von diesen 10 Jahren sind noch 5 übrig, da können wir noch eine Menge schaffen.