Nach dem erfolgreichen Sonntagsausflug kam der traditionelle Montags-Ritt. Ab in die Wackelkiste, den Ausreitkumpel abholen und los. Aber kaum waren wir angekommen, fing es an zu regnen. Also sind wir noch ein bisschen in der Wackelkiste stehen geblieben und haben Heu gefuttert. Dann wurde der Regen doller. Und noch doller. Vorne im Auto saßen die Mädchen und haben gewartet, hinten standen wir und haben Heu gegessen. Es schüttete.

Aber irgendwann war es dann doch vorbei. Aussteigen, satteln los reiten. Der ganze Regen der da runter gekommen war, stieg jetzt wieder auf und machte dicken Nebel. Die Mädchen fanden es romantisch, wir Ponys eher gruselig. Perfektes Säbelzahntiger-Anschleich-Wetter war das! Uns wurde versprochen, dass es keine Säbelzahntiger mehr gibt. Aber wer weiß? Wir Ponys sehen ja so lecker aus…. Trotzdem sind wir mutig voran getrabt (meistens) – einer von uns hat es immer geschafft. Manchmal war das, als würde man in eine weiße Wand rein laufen! Der Boden war glitschig von dem vielen Wasser was da in so kurzer Zeit runter gekommen war. Also kein Galopp, aber Trab ging, wenn man gut auf die Hufe aufgepasst hat. Schuhe hatten wir zum Glück keine an (oder zum Pech, dann hätten wir mehr über den Asphalt laufen können und wären nicht immer die Bankette langgeglitscht). Mein Mädchen meinte, das hätte ich ja nun wirklich hinreichend geübt bei der ganzen Toberei, die ich in jüngeren Jahren so veranstaltet hab. Damals, als ihr immer ganz blümerant wurde, wenn sie mich beobachtet hat beim spielen und toben. Jetzt bin ich ja nicht mehr so wild, aber diese erworbene Fähigkeit, meine Füße auch bei Glitsch unter mir zu halten, die ist ja noch da.
Also Trab. Und Trab. Und Trab. Und mehr Trab. Mehr Nebel. Und es wurde dunkel. Und noch dunkler. Trab. Immer weiter. Mein Mädchen war ein bisschen müde, aber sie hat gesagt, wir schaffen das beide. Und es wurde noch dunkler. Mein Mädchen hat die Lampe angemacht, aber bei dem Nebel hat man mit Lampe noch weniger gesehen als ohne, also wieder aus. Irgendwann hat sie zu mir gesagt „du siehst mehr als ich, also bitte kümmere dich um den Weg“. Ok, kriege ich hin. Hab schließlich die besseren Augen und ich weiß auch, dass es nicht mehr weit ist bis zur Wackelkiste. Das hab ich mir nämlich in den letzten Monaten angewöhnt: immer merken wo die Wackelkiste steht. Das ist manchmal nicht so einfach, weil wir von verschiedenen Orten in das selbe Gelände starten. Aber ich gebe mir Mühe den Überblick zu behalten.
Eine letzte Kreuzung, ein schneller Blick auf die Karte (ich wurde nicht gefragt, hab wohl nicht deutlich genug gesagt wo es lang geht), sind nur noch 500 Meter. Schritt! An der Wackelkiste angekommen war es fast komplett dunkel. Ich war hungrig, habe aber auf Aufforderung artig gewartet, bis alles abgetüddelt war. Bis auf den Moment als das Mädchen vom Ausreitkumpel den Deckel von der Keksdose offen gelassen hat…. wer soll da nein sagen?
Dann durften mein Ausreitkumpel und ich noch was grasen, während mein Mädchen die Wackelkiste gewendet hat. Ich hab meinen schicken roten Schlafanzug anbekommen, damit mein Rücken warm bleibt. Den haben wir geschenkt bekommen von einer erfahrenen Distanzreiterin! Der Schlafanzug war schon auf vielen Distanzritten mit. Da fühle ich mich wie so ein Vollprofi wenn ich den anziehen darf.

Und schon ging es wieder heim und dort durften wir dann auch alle direkt auf die Weide.
Ok diesmal war die Kalorienbilanz für mich leider nicht so gut, aber mein Mädchen sagt, wir haben nochmal richtig was für die Fitness getan. Wir sind nämlich 11km solide durchgetrabt! Mit 11,5km/h. Wie lange wir also am Stück getrabtsind, könnt ihr leicht schätzen. Leider hat mein Mädchen keinen Puls gemessen, weil das im Dunkeln eh alles so tüddelig war. Schnaufig war ich jedenfalls nicht, dass fand sie schon mal ein sehr gutes Zeichen. Es war jedenfalls ganz schön anstrengend mit dem Nebel, der Dunkelheit und dem glitschigen Boden, aber ich bin ja ein tapferer Ritter und kann sowas.
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel im Nebel