Was für einen Glücksgriff ich getan habe, als ich Duncan zu mir geholt habe, konnte ich ja nicht wissen. Aber seit fast 5 Jahren, die er nun bei mir ist, macht er eigentlich immer alles richtig, hat auf alles Lust und ist für jeden Spaß zu haben. Jetzt ist er 6 Jahre alt und so langsam kann ich seinen erwachsenen Charakter erahnen. Auf dem Reitkurs sagte jemand, Duncan habe so einen stillen, feinen Humor und ich weiß genau, was gemeint war. Den entdecke ich auch gerade, diesen trockenen, hintersinnigen Humor. Nicht so offensichtlich wie mein Finlay, der alles ins Maul genommen hat, jeden Menschen anfummeln musste und ein bisschen herumgealbert hat, so etwas tut Duncan in der Regel nicht. Es sind kleine Momente, in denen es unterm Pony-Schopf hervorblitzt. Witze, die sich nicht nacherzählen lassen, eher bestimmte Gesichtsausdrücke in bestimmten Situationen, die einen zum Lachen bringen. Und dahinter ist diese Grund-Ruhe entstanden die mir selbst auch so wahnsinnig gut tut. Diese Verlässlichkeit und Stabilität schätze ich sehr an meinen Ponys und ich versuche, selbst für sie so verlässlich und stabil zu sein wie ich kann.
Na gut, neulich ist es schief gegangen. Aber im Nachhinein sehe ich es deutlich optimistischer, denn ich sehe, wie viele Fehler zusammen kommen müssen, bis es dann mal schief geht. Und ich habe ganz klar herausgefunden, was ich üben muss. Mehr noch: ich weiß jetzt, welche Fragen ich an meine Ausbilder stellen kann. Und dann bin ich wieder ein Stück schlauer geworden.
Trotzdem ist da noch ein bisschen „Gewackel“ in der Stabilität und vielleicht hat auch das zu unserer Panne beigetragen, denn Duncan scheint noch einen Pubertätsschub durchzumachen. Was zu erwarten war und vielleicht ist es nicht der letzte. Er ist da ja sehr mild – während ich andere Ponys erlebt habe, die wirklich jede einzelne Regel auf den Prüfstein stellen, checkt Duncan nur kurz grob ab und begnügt sich dann mit schlechter Laune und verlangsamter Ausführung von Kommandos die ihm gerade nicht in den Kram passen. Mein zuverlässigster Anzeiger dafür, dass Duncan Pubertät hat, ist das „warte“-Kommando. Das funktioniert eigentlich immer. Nur eben dann nicht, wenn er wieder in dieser „ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“ – Stimmung ist. Dann steht er für einen Moment still und wandert dann völlig ungerührt in Richtung des nächsten grünen Halmes, jeden meiner Kommentare betont ignorierend. Ich muss schon wirklich in den Strick greifen und auch ernsthaft ziehen, bis er seine Idee aufgibt – für den Moment. Das macht er ein paar mal so, dann werde ich sauer und ranze ihn an, woraufhin er meistens artig stehen bleibt, aber ein Gesicht zieht wie drei Tage Regenwetter. Diese Abläufe sind gleich, seit er den ersten Pubertätsschub hatte. Ich bin mir also ziemlich sicher, dass eines Tages, wenn der Spuk vorbei ist, plötzlich alles wieder klappen wird. Bis dahin versuche ich, eine klare Kante zu ziehen, ohne allzu oft wütend zu werden. Bei Finlay habe ich oft versucht, Streit zu vermeiden, was alles nur verschlimmert hat. Also bin ich bei Duncan eher auf der Schiene, meinen Willen in diesen Fällen rigoros durchzusetzen (und mir dabei vorzubeten, was ich von einer Kundin gelernt habe, die eine pubertierende Tochter hatte. Lächelnd sagte sie zu mir „manchmal ist man als Mutter eben einfach dazu da, Grenzen zu setzen“.)
Ich versuche, neugierig zu bleiben auf das was kommt und ich bemühe mich, das alles nicht allzu persönlich zu nehmen – was nicht immer einfach ist….
Mal sehen, was ich in ein paar Wochen zu berichten habe, wenn Sir Duncan vielleicht seine Ritterlichkeit wiederentdeckt hat. Und dann lasse ich mich überraschen, was der Herbst uns noch so an Auflügen bringen wird bevor es dann schon wieder Richtung Winter geht. Die Liste an Dingen, die ich in dieser Saison schaffen wollte, ist deutlich länger als die Liste der Dinge, die ich geschafft HABE. Die Liste der Dinge, die ich im Winterhalbjahr tun will, ist ebenfalls lang. Und dann ist da noch die viel längere Liste an Dingen, die ich überhaupt mal mit Duncan probieren möchte. Es gibt also viel zu tun, aber erst muss mein Pony sein Gehirn sortieren dürfen und Gymnastik machen, um den Körper wieder gerade zu kriegen.
Der Weg ist bekanntlich das Ziel. Und wenn der Weg das Ziel ist, ist es egal wie lang der Weg ist. Und manchmal ist ein Ziel auch nur im Weg. Es bleibt also bei der alten Weisheit: immer langsam mit den jungen Pferden.
Auflügen ..?
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