Sonntagsausflug! Diego hat sich ja leider letzte Woche einen Humpelfuß geholt. Er hat zwar bald aufgehört mit Humpeln aber das Bein war dick und mein Mädchen wollte sicher gehen dass da nichts schlimmes ist. Also sind der Mann und sie mit Diego zum Tierarzt gefahren. Diego sagt, das war der beste Tierarzt-Termin seines Lebens. Er musste nämlich nur still stehen und Glibbergel am Bein erdulden, dabei gab es Kekse, Kekse und Kekse. Keine einzige Spritze, kein Maulgatter oder sonstige Fiesigkeiten. Das fand er toll! Die Tierärztin hat gesagt, im Ultraschall und im Röntgen sieht Diego mit seinen 21 Jahren aus wie ein 4jähriger. Aber das Bein ist halt dick. Deswegen hat sie ihm einen Krankenschein ausgestellt für zwei Wochen, er darf hier zu hause zwar machen was er will, aber geritten werden darf er nicht. Sein Bein soll gekühlt werden und er hat abschwellende Medikamente bekommen, weil wahrscheinlich eben doch eine Kleinigkeit kaputt gegangen ist. Jetzt bummelt er hier durch den Paddock und genießt schon wieder eine Menge Freizeit.
Lange Rede, kurzer Sinn: ich hatte keinen Ausreitkumpel für heute. Aber jetzt sind wir ja schon groß, mein Mädchen und ich, und können allein los. Meinte mein Mädchen. Erst hat sie meine neuen Hufschuhe für hinten angepasst mit Hilfe des Mannes. Der hat mir dann noch – in seiner Funktion als mein persönlicher Coiffeur – das Wallehaar gerichtet und mir einen wunderschönen Zopf geflochten, weil unter der Decke sonst immer alles durcheinander kommt und sich verzottelt.

Dann ging es los! Und zwar diesmal nicht die altvertraute Hausrunde, sondern für Fortgeschrittene. Das heißt: nicht links vom Hof, sondern nach rechts. Und weil mein Mädchen weiß, dass ich damit so meine Problemchen habe, ist sie erst mal zu Fuß gegangen. Als wir am Nachbarn vorbei waren ist sie dann aufgestiegen. Aber ich war mir echt nicht so sicher. Das war alles komisch, in diese Richtung. Ich hab mehrfach gefragt ob wir nicht lieber umdrehen wollen, aber mein Mädchen meinte wir schaffen das. Puh!
Schließlich, bei Nachbar Nummer drei, ist sie wieder abgestiegen und zu Fuß gegangen. Wir sind dann Richtung Landstraße gewandert. Dort mussten wir ein Weilchen warten, weil so viele Autos kamen. Es kamen auch drei schnelle Motorräder, da hat mein Mädchen sich Sorgen gemacht, ob ich mich wohl fürchten könnte. Pah! Ich liebe Motorräder! Da gibt es nämlich Kekse für. Weiß ich doch. Schließlich konnten wir die Straße kreuzen und dann auf der anderen Seite weiter gehen. Da war auch nochmal lecker Gras für mich und mein Mädchen hat mit ihrer App (TrailCompanion) eine Nachricht an ihre Notfallkontakte geschickt um das auszuprobieren. Nach ein paar Maulvoll ging es weiter, wieder auf die andere Straßenseite und durchs Dorf. Warte mal, mein Mädchen, im Dorf hab ich doch immer so ein dringendes Bedürfnis…. mitten auf den Bürgersteig, versteht sich. Also hat mein Mädchen die Tüte gezückt und alles eingesammelt, während ich geduldig gewartet habe. Als wir dann wieder auf den Heimweg abgebogen waren, hat sie die Tüte geleert und ist wieder aufgestiegen. Ich bin fröhlich los marschiert und wir waren ganz entspannt unterwegs. Als wir an die Kreuzung kamen, wo man ins Nachbardorf abbiegen kann, hat mein Mädchen einfach still gesessen und mich entscheiden lassen. Klar, warum auch nicht? Ich bin einfach nochmal abgebogen. Mein Mädchen hat sich doll gefreut, aber auch gewundert. Sie sagt, mein Logik erschließt sich ihr nicht ganz, erst will ich nicht von zu hause weg, dann will ich nicht nach hause zurück. Mädchen, das ist Pony-Logik, davon hast du keine Ahnung! Wir sind dann ein kleines Stück die Straße geritten, die ich ausgesucht hatte, dann rechts auf den Radweg abgebogen und wieder Richtung Heimat geschwenkt. Ich durfte noch ein paar Happen Gras essen, dann ging es wieder los. Jetzt war ich irgendwie hektisch, nicht doll, aber mein Mädchen meinte, das gefällt ihr nicht so. Also ging es nochmal rechts ab Richtung Nachbarn, so wie am Anfang der Tour. Das fand ich erst blöd, aber na gut. Dort durfte ich dann auch nochmal grasen und dann wieder wenden und nach hause. Noch einmal kurz am Hof vorbeilaufen, absteigen, grasen, dann nach hause.
Wir haben spektakuläre 3,6km geschafft in fast einer Stunde. Na das nenne ich mal Schneckentempo! Aber mein Mädchen sagt, das ist egal. Sie war trotzdem zufrieden mit uns und sagt, wir üben das jetzt weiter und sie wird mehr zu Fuß gehen am Anfang, damit wir besser weg kommen von zu hause, weil mir das anscheinend so schwer fällt. Wir werden sehen, wie es weiter geht!
Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel