Den ganzen Tag hab ich mein Mädchen beobachtet. Gegen Abend wurde ich leicht nervös: wollten wir nicht noch alleine ausreiten gehen? Wann holst du mich denn endlich? Dann kam sie doch noch mit dem Bosal. Da hab ich sie erstmal freundlich angebrummelt. Das mache ich ja nicht so oft und wenn ich es dann mal mache, dann freut sie sich immer so süß. Sie sagt, ich mache das meistens dann, wenn die Abenteuer-Rate in den Tagen davor gut war. Ja, mein Mädchen, denk da mal drüber nach!
Also alles antüddeln, Reitpad drauf, Bosal dran und Handy eingeschaltet, damit der Mann uns live und in Farbe verfolgen kann (theoretisch). Und dann links rum vom Hof auf die Hausrunde. Ich war gleich los marschiert aber dann hab ich doch gezögert. Mein Mädchen hat mich angetrieben und gesagt, sie hat gelernt, dass es mir mehr hilft, wenn sie klar das Kommando übernimmt. Ja schon, aber bei dem was gerade zu tun war hat das halt nicht geholfen, ich musste nämlich mal pieschen. Zum Glück weiß mein Mädchen ja, woran sie das erkennt. Ich mach ja immer Abenteuerpieschen, schön irgendwo halb im Graben oder im Gebüsch, in den Brennesseln oder in den Dornen. So muss das, sonst kann ich nicht, wenn ich muss. Falls ihr versteht.
So nun war das erledigt und dann konnte es losgehen. So ganz 100% sicher war ich mir nicht, aber mein Mädchen hat mir gut zugeredet. Ein gemütlicher Trab und dann, als wir an die Rinderweide kamen, Schritt. Zwei Rinder standen unten an der Tränke, wo wir direkt vorbei kommen. Das ist aber kein Thema, zwei Rinder schaffe ich mit links. Und dann auf den Grasweg. Das ist so: links ist der Wald, rechts der Stacheldraht zu den Kühen, dazwischen zwei Pony-Breiten Weg. Und die Rinderkoppel, die ist lang, das sage ich euch. Die haben nämlich jetzt den hinteren Teil der Weide auch aufgemacht und da kommen 700 Meter zusammen. Die Rinder standen alle im hinteren Bereich, das war gut für uns, denn so lange die alle vor uns sind, ist alles fein. Also sind wir noch ein bisschen getrabt. Mein Mädchen hat mir gesagt, dass sie jederzeit absteigen kann, wenn es mich gruselt. Einzige Bedingung ist, dass ich rechtzeitig Bescheid sage und keine Blitzaktion mache. Ok!

Alles war gut bis wir es plötzlich hinter uns galoppieren hörten! BESCHEID! Hab kurz überlegt ob ich losflitze, mich dann aber erinnert, was mein Mädchen gesagt hat, bin also nur zusammengezuckt und schon sagt sie „hooo“ und springt von meinem Rücken. Da kam doch eine von den Kühen, die an der Tränke gewesen waren, von hinten über die Weide galoppiert, weil die schnell wieder zu ihrer Herde wollte! Aber sobald mein Mädchen unten neben mir stand, war das ok. Sie ist dann zu Fuß mit mir gegangen bis ans Ende der Rinderkoppel. Ich war ein klitzekleines bisschen aufgeregt, das merkt sie daran, dass ich wild nach Gras hasche und sie mit der Nase anstupse und so. Aber nichts schlimmes. Es gab ein paar Kekse, die helfen ja bekanntlich gegen alles. Die zweite Kuh ist dann auch noch etwas galoppiert, aber ich hab das gut gemeistert. Am Ende der Weide haben wir dann angehalten und ich durfte grasen, direkt neben den Rindern. Ich hab mich strategisch schlau hingestellt so dass ich die nicht sehe, habe meinem Mädchen die Oberaufsicht übertragen, die Nase ins Gras geschoben und versucht, mich mit essen abzulenken. Hat auch ganz gut geklappt.

Schließlich ging es dann weiter. Der Dornröschenweg kam in Sicht. Und was soll ich euch sagen: da stehen jetzt auch Rinder! Und da hat mein Mädchen der Mut verlassen. Sie hat gesagt, das tun wir uns nicht an. Der Dornröschenweg ist ja so schmal, dass wir nicht nebeneinander her gehen können. Und da möchte sie nicht mit mir sein, wenn ich dann doch Angst bekomme. Also haben wir eine Abkürzung genommen übers Stoppelfeld. Da war zum Glück eh abgemäht, also kein Problem. Mein Mädchen war noch zu Fuß und ist auch zu Fuß gegangen bis wir dann auf der anderen Seite wieder auf dem Weg waren und dann noch das steile, steinige Stück bergab. Danach ist sie wieder aufgestiegen und wir sind noch ein bisschen getrabt. Schritt an den Pferden vorbei, noch ein kleiner Trab, Schritt an den nächsten Pferden vorbei – oh die waren ein bisschen interessiert an mir! Da musste ich mich doll zusammenreißen um vorbei zu gehen. Hab ich aber brav gemacht – Keks!
Dann noch ein kleiner Trab und wieder Schritt am Nachbarhof vorbei – ich finde es da ja immer gruselig. Da finde ich Sachen gruselig, die mir sonst nichts ausmachen, ein Fahrrad zum Beispiel. Aber auch das haben wir gemeistert. Noch ein paar Meter Trab und da waren wir schon wieder zu hause!
Mein Mädchen hat gesagt, ich hätte das gemacht „wie ein König“. Wahrscheinlich weil ich alles so tapfer und würdevoll gemeistert habe. Außerdem hat sie gesagt, sobald sie absteigt, ist sie sich jetzt sicher, dass wir so ziemlich alles schaffen und das gibt ihr Mut. Denn absteigen geht zur Not ja immer, wenn ich nur rechtzeitig Bescheid sage.
Der Mann hat uns dann gezeigt, was das Handy behauptet hat, wo wir so waren…. das war teilweise schon sehr gelogen. Luftlinie 2km waren wir vom Dorf weg, als sein Handy meinte, wir würden gerade durchs Dorf tingeln. Mein Mädchen sagt, das probieren wir nochmal anders. Mit viel Glück sogar gleich heute!

Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel
Bravo und herzlichen Glückwunsch! 👏💃🥳 Ich feiere mit euch!
Kann euch so gut nachfühlen. Wir würden gerne wieder mit galoppieren anfangen (ging zuletzt vergangenen Herbst und da noch lange nicht routiniert), aber die nächsten zwei Wochen haben wir wieder keinen passenden Ausreit-Partner. Und auf dem Reitplatz geht Galopp bisher nur ohne Reiter, da müssen wir erst noch viiiel an der Balance arbeiten. Und halt im Gelände galoppieren, sonst kann es ja nicht besser werden. Ich drücke euch die Daumen, dass ihr euren Radius bald erweitern könnt. Alles Liebe und Gute!
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