Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 533

Mein Mädchen hatte einen kühnen Plan für die Woche. Weil sie recht viel Zeit hat, hatte sie eine volle Ausreit-Trainingswoche geplant:

Montag mit dem Ausreitkumpel los
Mittwoch Ausflug mit Sir Willibald
Freitag Ausflug mit Herrn Fjord
Sonntag eine große Tour auf Spezial-Mission mit Diego und dem Mann.

Aber Pläne sind das eine, die Realität ist etwas anderes. Es fing also damit an, dass mein Ausreitkumpel sich einen gelben Schein geholt hat und wir deswegen bereits am Montag mit Herrn Fjord los waren. Das waren recht entspannte 11km durchs wilde Moor. Dann kam die Nachricht, dass Sir Willibald auch nicht ganz auf der Höhe ist. Herr Fjord, dessen Mädchen diese Woche auch viel Zeit hat, bot sich an, nochmal einzuspringen. Und so hat mein Mädchen für heute eine weitere Tour geplant, diesmal durch den schönen Iloo. Da waren mein Mädchen und ich ja schon öfter, aber wir haben noch längst nicht alle Wege gesehen, die es dort gibt. Und jetzt dachte sie, das könnte doch eine gute Möglichkeit sein, um Wege zu testen! Also ging es los. Erst war alles ganz einfach. Dann kamen wir an ein Reitwegeschild, wo mein Mädchen schon länger mal abbiegen und gucken wollte und das haben wir dann auch getan. Herr Fjord ging vorneweg und hat den Weg gesucht durch hohes Gras und Matschlöcher. Das war schon ganz schöne Konzentrationsarbeit! Ich musste zwar nur hinterher gehen, aber trotzdem gut auf meine Hufe aufpassen. Nachdem wir eine Weile so unterwegs gewesen waren, kamen wir an einen Hauptweg und mein Mädchen hat entschieden, dass es mit den abenteuerlichen Strecken jetzt auch reicht und wir lieber auf dem bequemen, breiten Weg bleiben. Zumindest ein Stück, denn dann haben wir noch einen schönen Reitweg entdeckt, der war wirklich gut zu laufen und trotzdem sehr idyllisch. Anschließend ging es im Trab und mit einem kleinen Galopp über bekannte Strecken. Und dann, bei km8, ging das Abenteuer erst so richtig los! Jetzt wollte mein Mädchen nämlich einen Weg finden, von dem ihr jemand erzählt hatte. Gedacht war es so, dass wir schauen ob wir den Weg finden – wenn ja, wären wir dann auf dem Rückweg gelandet, wenn nein hätten wir halt umgedreht, den breiten Hauptweg genommen und den schönen Weg wann anders gesucht. Was aber dann passiert ist, war völlig ungeplant, wir haben nämlich einen wunderschönen Weg gefunden, der aber leider nicht in die richtige Richtung führte! Weil wir immer noch Hoffnung hatten, dass er wohl doch noch mal abbiegt, sind wir munter weiter gegangen. Schließlich hat mein Mädchen dann eingesehen, dass das so nix wird und hat uns an der nächsten Möglichkeit zum abbiegen linksrum gelotst, so dass wir in einem hübschen Kringel wieder dort raus kamen wo wir angefangen hatten mit der Wegesuche. Ja, der Kringel hat sich wirklich gelohnt, es ist total schön da! So hatten wir halt jetzt 2,5km mehr auf dem Tacho, ohne einen Meter näher an unsere Wackelkisten gekommen zu sein. Na sowas! Wir sind dann noch ein Stück weit die schönen Wege neben den Hauptwegen geritten, aber ehrlich gesagt waren wir alle schon etwas matt. Herr Fjord und ich waren kopfmüde, es war schwül-warm, wir haben alle geschwitzt und es bewegte sich kein Lüftchen. Mein Mädchen meinte, wir gehen auf die Hauptwege und sehen zu, dass wir noch traben so weit wir können. Ich natürlich vorne weg. Und los ging es. Was ich nicht wusste: wir hatten noch fast 6km zu schaffen! Und das zog sich. Der Weg geht immer geradeaus und man hat nicht das Gefühl, voran zu kommen. Mein Mädchen hat mich angefeuert und gesagt, dass Schritt gehen einfach keine Option ist, weil es dann viel zu lange dauert. Und dass ich gleichmäßig traben soll, weil das am kräfteschonendsten ist. Puh! Ich habe schon immer mal angemerkt, dass ich müde bin, aber mein Mädchen meinte nur, dass wir alle müde sind und dass das jetzt nix nutzt und es nur schlimmer wird, wenn wir Schritt gehen.

Schließlich mussten wir aber doch durchparieren, weil wir an einem Auto vorbei mussten, das da im Weg stand, und weil da noch ganz viele Rinder waren, das hätte ich im Trab einfach nicht geschafft, das wusste mein Mädchen auch. Danach waren es noch 1,4km und die Mädchen waren sich einig: ein letzter kleiner Trab noch, damit wir schnell wieder an den Wackelkisten sind. Mittlerweile hatten wir 15 km auf der Uhr und als mein Mädchen gesagt hat, ich soll wieder antraben, hatte ich eine eindeutige Antwort für sie: nein. Einfach nein. Vergiss es. Sie hat gelacht und gemeint, das würde wohl nix mehr werden. Aber was soll ich sagen: plötzlich kam Herr Fjord von hinten angetrabt und zog lässig an mir vorbei! Moment mal! Das lasse ich mir ja nun doch nicht bieten. Zack, angetrabt und ihn flugs nochmal überholt. Da hat mein Mädchen nochmal gelacht. Zu guter Letzt haben wir dann doch durchpariert (jetzt war ich wieder im Fluss und hätte noch ein Stück weiter laufen können) und die Mädchen sind abgestiegen. Mein Mädchen hat gejammert, dass alles klebt. Ja danke, bei mir übrigens auch. Eine erste Pulsmessung ergab 76, als wir dann die letzten Meter zu den Wackelkisten gegangen waren, war der schon runter auf 68, damit war mein Mädchen sehr zufrieden. Aus Jux und Dollerei hat mein Mädchen auch Herrn Fjords Puls gemessen, der war auch bei 68.

Ich hab erstmal einen tüchtigen Schluck aus dem Wassereimer genommen und mich dann abschwammen lassen bevor es wieder in die Wackelkiste ging. Ab nach hause!

Kaum waren wir zu hause – Hufschuhe aus und noch eine Dusche für mich – fing es an zu donnern und zu regnen! Da hatten wir aber nochmal Glück mit dem Wetter! „Siehst du“ hat mein Mädchen gesagt „deswegen mussten wir traben“. Dann hat sie mir erzählt wie toll ich das gemacht habe und wie stolz sie auf mich ist. Ich hab ihr gesagt, dass ich sehr, sehr kopfmüde bin, aber auch richtig zufrieden mit mir und der Welt. Und sie war stolz, dass ich auch kopfmüde noch alles richtig gemacht habe.

16,6km in 2h40min haben wir jetzt auf dem Buckel. Und wir haben schöne neue Wege entdeckt. Und das war so viel Abenteuer, das reicht für den Rest der Woche, hat mein Mädchen beschlossen. Wir bleiben jetzt hier zu hause und ruhen uns aus, bis es am Sonntag wieder los geht mit dem nächsten Abenteuer. Ich muss sagen: im Abenteuer liefern ist mein Mädchen wirklich viel besser geworden!

Euer abenteuerlich ausgetobter Sir Duncan Dhu of Nakel

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