Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 523

Nach dem ereignisreichen Mittwoch brauchte mein Mädchen am Donnerstag dringend einen Tag Pause.  Ich wäre ja parat gewesen aber sie meinte, ich soll mal meine Kräfte schonen, denn am Freitag ginge es dann so richtig los! Und tatsächlich: Freitag früh kam der Mann und hat Diego raus geholt und in die Wackelkiste steigen lassen. Hey! Ich will mit! Zum Glück kam mein Mädchen auch alsbald und ich durfte tatsächlich mit. Diego war nur so mittel motiviert, der hatte sich eigentlich gerade auf ein Vormittagsschläfchen eingestimmt. Als wir dann im Wald ausgestiegen waren, hat er deswegen seinen Kopf erst nochmal bei mir abgestützt um ein Nickerchen zu machen während wir gesattelt wurden. Unter Freunden geht so was klar.

Als wir fast fertig waren mit gesattelt werden, fuhr plötzlich noch eine Wackelkiste vor. Oha! Da stieg ein charmantes Spanier-Stütchen aus, die Diego gleich ein bisschen den Kopf verdreht hat! Normalerweise ignoriert er fremde Pferde, aber bei dieser netten Dame hat er doch ein paar mal hingeschaut! Ich auch, aber sie war nicht ganz mein Typ. Jedenfalls waren wir mit ihr zum Ausreiten verabredet. Und das war jetzt nicht irgendein Ausritt, sondern ein richtig langer! Wir haben ein paar Wege zusammengesetzt die wir schon kannten. Erst ging es durch den Wald und ich musste mich kurz abregen wegen der Anwesenheit der fremden Schönheit. Als ich das im Griff hatte, sind wir ein Stück gemeinsam getrabt, ich durfte vorneweg. Raus aus dem Wald auf den Plattenweg bis zur Straße. Da sind unsere Reiter alle abgestiegen, denn nun kam ein längeres Schritt-Stück und da können wir dann auch ebenso gut alle zu Fuß gehen. Zum Glück für uns Ponys beinhaltete das eine schöne Graspause, in der wir gemeinsam schmausen konnten.

Ein bisschen zu Fuß gehen schadet den Menschen auch nicht!

Und dann ging es weiter, Schritt, Trab, Schritt und von der anderen Seite wieder rein in den Wald. Ich war schon etwas kopfmüde und die Anwesenheit der Stute hat mich ein bisschen genervt. Deswegen musste ich vorneweg gehen, damit ich sie nicht immer anmecker. Aber ich mochte keine Verantwortung mehr übernehmen, mein Kopf hat geraucht. Mein Mädchen hat aber gesagt, ich schaffe das und mich ordentlich angefeuert bis mein Kopf schließlich wieder angesprungen ist. Sie sagt, wir beide wissen jetzt, was ein „toter Punkt“ ist und sind wohl zum ersten Mal drüber weg geritten. Sowas muss man auch mal können, wenn man die großen Abenteuer erleben will! Wir Schotten sind zum Glück serienmäßig mit einem Reservetank ausstattet.

Wir sind wieder durch die vielen Furten geritten – aber weil es in den letzten Tagen ausnahmsweise mal nicht geregnet hatte, war jetzt nirgendwo mehr fließendes Wasser drin und ich da einfach durchmarschiert wie so ein Großer (der ich ja auch bin!). Dann wieder Trab bis zum matschigen Weg, wo leider gar nichts zu wollen war mit Trab, sondern wir bei jedem Schritt unsere Hufe mit einem Schmatzgeräusch aus dem Modder ziehen mussten. Ganz schön anstrengend! Die Reiter Waldfahrzeuge hatten nämlich mal wieder die Reitwege kaputt gemacht, für unsere Menschen immer ein großes Ärgernis, zumal dann meistens im Anschluss der Weg geschottert wird und gar keinen Spaß mehr macht…. aber wir haben uns die Laune nicht vermiesen lassen. Am Ende, als wir dann dem Weg vom Anfang wieder näher kamen, durfte die Stute auch mal vorneweg traben. Das war ok für mich, denn mein Mädchen und ich haben in den letzten Wochen fleißig das Abstand-halten geübt so dass ich das jetzt prima kann. Außerdem hatte die Dame einen flotten Zahn drauf und galoppieren war nicht erlaubt! Da musste ich einen flinken Fuß machen um mitzuhalten. Meine Füße konnten noch gut laufen aber mit denken ging es nicht mehr ganz so gut. Mein Mädchen hat die Verantwortung übernommen und für mich mit geguckt, wo der Weg am besten ist und mir bescheid gesagt wenn da Matsch, Zweige oder Löcher waren. Danke, mein Mädchen! Ich bin ziemlich viel gestolpert, weil ich mich nicht mehr konzentrieren konnte und weil meine Klebeschuhe auch leider etwas gelitten hatten unter den vielen Matschwegen. Da hatte sich Matsch drunter gesammelt an Stellen wo eigentlich Kleber hätte sein sollen, da sind jetzt Reparaturarbeiten fällig. Aber es ging alles noch und wir haben ja gelernt dass traben bei Müdigkeit viel schlauer ist als Schritt gehen – weil im Schritt alles soooooo lange dauert und Schritt gehen eigentlich auch viel anstrengender ist als traben.

Als wir wieder an der Wackelkiste ankamen, zeigte der Tacho fast 17km und 3 Stunden die wir unterwegs waren! Das ist ein neuer Rekord! Mein Mädchen sagt, körperlich habe ich das total gut weggesteckt, aber den Kopf haben wir gut trainiert. Ich durfte meine Nase direkt im Heusack versenken, damit ich still stehe während sie mich absattelt. Meine Fliegen-Zebradecke behalte ich jetzt in der Wackelkiste immer drauf, falls ein paar Fliegviecher mit auf die Reise gehen und mich piesacken wollen. Die Decke muss aber einmal nach vorn geklappt werden, damit mein Mädchen den Sattel abnehmen kann. Und plötzlich war es passiert!

Hui buh!

Naja ihr kennt mich, ich hatte Heu vor der Nase also war mir alles andere ziemlich egal. Ich hab einfach weiter gefressen, während mein Mädchen einen mittelschweren Lachanfall bekam.

Diego war ein bisschen müde und sehr, sehr hungrig, der hat zu hause erstmal eine riesige Portion extra Heu bekommen und mein Mädchen sagt, vor so einem langen Ritt braucht er wohl einen volleren Tank. Ach und ich? Nein ich wohl nicht, ich habe angeblich Reserven – aber die sind doch für den Winter! Aber das versteht sie ja irgendwie nicht.

Jedenfalls war das mal ein ausgiebiges Abenteuer und mit Sonntags-, Montags-, Mittwochs- und Freitags- Ausritt eine Woche ganz nach meinem Geschmack! So kann das weitergehen! (Wird es nicht, sagt mein Mädchen. Aber man wird ja wohl noch träumen dürfen….).

Mein Mädchen war hoch zufrieden mit mir und meinte ich habe wieder alles richtig gemacht und mich insgesamt einwandfrei benommen. Immerhin war die Spanierin erst das 4. fremde Pferd mit dem wir ausreiten waren und dafür mache ich das ganz schön toll, findet mein Mädchen. Und das Mädchen von der Spanierin fand das auch. Die hat uns jetzt eingeladen, dass wir mal zu ihr fahren und sie uns ihr Ausreitgelände zeigt, das ist wohl auch sehr, sehr schön. Da sind wir mal gespannt! Zu gegebener Zeit werde ich natürlich berichten.

Euer Abenteurer Sir Duncan Dhu of Nakel

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