Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 519

Was für ein Wochenende! Das war mal ein richtiges Abenteuer! Am Freitag ist mein Mädchen emsig durch die Gegend gesaust und hat ganz viele Sachen ins Auto gepackt. Die Wackelkiste stand auch schon parat. Diego meinte schon: da kommt wieder was großes auf uns zu. Wenn sie am Tag VOR der Abreise schon packen, wird es wild, hat er gesagt.

Und tatsächlich, am Samstag in der Frühe kam der Mann und anstatt uns unser Frühstücksheu zu bringen, hat er doch tatsächlich mein Wallehaar komplett gebürstet! Er fand das wichtig, dass ich gut aussehe. Schließlich ist er mein persönlicher Coiffeur! Diego wurde natürlich auch entsprechend aufgehübscht. Können wir jetzt bitte endlich frühstücken? Nein, wir sollen in der Wackelkiste frühstücken und deswegen müssen wir warten, bis die Menschen fertig sind mit packen. Dann aber endlich. Hunger! Wir sind ein gutes Stück gefahren und dann haben wir noch eine ganze Weile in der Wackelkiste gewartet aber das war uns sehr recht, wo doch so viel leckeres Heu da war! Schließlich sollten wir dann aber doch aussteigen. Ach, den Hof kenne ich doch! Den hatte mein Mädchen mir ja in weiser Voraussicht schon mal gezeigt, damit ich mich schon ein bisschen auskenne. Schön ist das hier! Wir haben ein kleines Stück Wiese bekommen, Diego und ich, und zwar genau zwischen Rinderweide und Reitplatz. Da hatten wir den Logenplatz und alles genau im Blick! Und das ganze mit leckerem Gras dazu, besser geht es ja nicht.

Als wir eine Weile zugeschaut hatten, wie andere Reiter Unterricht bekommen, waren wir dann dran. Wir sind nach oben in die Halle gegangen, da waren Zuschauer und der Reitlehrer, den mein Mädchen sonst immer nur im Ohr hat. Hallo! Du bist das! Dich finde ich nett!

Dann sollten wir reiten. Mein Mädchen hatte viele, viele Fragen und ich musste mich ganz doll konzentrieren, dass ich neben all den Zuschauern und dem was außerhalb der Halle so los war auch noch meine Aufgaben gut machen konnte. Gaaaaanz genau drauf achten, was mein Mädchen will. Gut, dass Diego mit war, der strahlt immer so eine Ruhe aus und hat alles im Griff, das macht es für mich dann gleich viel leichter.

Nach einer Weile hatte ich Feierabend, mein Mädchen ist abgestiegen und wir haben ein bisschen herumgestanden, während der Mann und Diego auch noch Unterricht bekommen haben. Dann ging es wieder auf unser Weidestück.

Am Nachmittag wurde es dann ganz wild. Da haben wir nämlich Rinder getrieben! Erst war eine Gruppe Reiter dran, die haben die Rinder von der kleinen Koppel uns gegenüber auf eine größere Koppel getrieben. Ich hab mir das ein bisschen angeschaut aber dann beschlossen, dass essen doch auch sehr wichtig ist. Und dann waren wir dran und ich dachte, ich hätte doch mal genauer zuschauen sollen! Von mir als Pony wird erwartet, dass ich auf diese großen, böse guckenden Tiere genau zu gehe und angeblich gehen die dann weg, weil sie Respekt vor mir haben! Also bei Diego klappt das. Aber der ist ja auch so viel größer und beeindruckender als ich! Ich war da jetzt nicht so ganz sicher. Und ehrlich gesagt: mein Mädchen auch nicht. Sie ging zu Fuß neben mir und hat versucht, mir Sicherheit zu geben, aber wenn wir zu nah an die Rinder gekommen sind, hatten wir beide bisschen Muffensausen. Reitlehrer Alex hat mich dann an die Hand genommen und ist mit mir da hin gegangen. Der war sich sicher, aber wisst ihr was? Der ist ja auch so viel größer als ich! Ich war nicht ganz überzeugt. Wenn die Rinder sich komisch bewegt haben, hab ich mich doch immer etwas erschreckt und bin mal kurz in den Fluchtmodus gegangen. Die anderen Pferde hatten das besser raus, aber die Menschen haben gesagt, ich hab das trotzdem alles toll gemacht. Nachher sind wir dann mit mehreren Pferden im Kreis um die Herde herum gegangen, das konnte ich gut. Da ist mein Mädchen dann auch aufgestiegen und geritten und wenn ein Mensch am Boden mir geholfen hat, konnte ich auch mal so ein Rind anschauen und es ist dann auch tatsächlich weg gegangen.

Mein Kopf hat schon ordentlich geraucht, als wir schließlich Feierabend gemacht haben. Mein Mädchen hat sich bei mir entschuldigt, weil sie fand, sie wäre mir keine gute Hilfe gewesen. Sie fand die Rinder nämlich auch ganz schön groß und beeindruckend und war sich auch nicht sicher, ob die weggehen, wenn wir kommen. Na gut, dann sind wir uns ja einig, mein Mädchen!

Die sind größer und schwerer als ich!

Wir haben dann auf dem Weidestück übernachtet, aber in der Nacht fing es an zu regnen und alles wurde immer nasser und nasser. Am frühen Morgen kam dann der Mann und hat uns in den Stall gebracht, da waren zwei Boxen für uns vorbereitet. Hey, warum muss ich denn in den Knast? Ich habe nichts verbrochen! Das fand ich voll blöd. Aber ich bin ja ein artiges Pony und habe mich in mein Schicksal gefügt. Da war Heu und wo Heu ist kann man es eine Weile aushalten wenn nötig.

Am Sonntag hatten wir dann morgens nochmal Unterricht und haben tolle Sachen gemacht, mein Mädchen und ich. Ich hab gut aufgepasst und mir Mühe gegeben, immer meine Beine richtig zu sortieren und mein Mädchen war stolz wie Bolle. Die Zuschauer haben gejubelt und uns angefeuert und immerzu gesagt, wie toll sie mich finden. Jetzt weiß ich was Merlin immer meint, wenn er sagt, Kurse sind toll! Das macht ja richtig Spaß!

Reitlehrer Alex, der ein großer Merlin-Fan ist, hat mich am Ende angeschaut und gesagt, ich sei ein würdiger Nachfolger. Und ich glaube, da bin ich nochmal ein gutes Stück gewachsen.

Nachmittags ging es dann nochmal in die Halle, aber diesmal waren nicht nur Diego und ich dort, sondern auch noch zwei andere Pferde! Oooooooh war das aufregend! Mein Mädchen hatte Sorge, ob mein Kopf wohl schon so raucht, dass bald was durchbrennt, aber ich habe alle meine Geisteskraft gebündelt und mich nochmal so doll konzentriert wie ich nur konnte. Wir haben geübt, mit der Garrocha zu reiten, da muss man wirklich gut aufpassen, damit das gelingt! Und ich habe mich konzentriert was das Zeug hielt, bis mein Mädchen meinte, das reicht jetzt wirklich. Sie ist dann abgestiegen und ich durfte neben Diego stehen und entspannen während die anderen beiden Pferde noch gearbeitet haben.

Danach nochmal kurz in den Knast – das haben wir gar nicht verdient! Diego war auch schon ziemlich angefressen davon. Aber die Menschen haben nur noch eingepackt und dann durften wir in die Wackelkiste und es ging nach hause. Man war ich müde, ich konnte kaum noch geradeaus denken nach den ganzen Erlebnissen. Mein Mädchen ist natürlich wieder wahnsinnig stolz auf mich, weil ich das alles so toll hingekriegt habe. Und sie ist auch richtig, richtig müde, weil es für sie auch ganz schön viel Abenteuer war. Wir waren beide sehr froh, dass Diego und der Mann dabei waren, das hilft ja immer so. Irgendwann, sagt mein Mädchen, sind wir so gut, dass wir das auch ohne die beiden können, aber bis dahin lassen wir uns gerne von ihnen helfen.

Heute gehen wir erstmal ausreiten mit dem Ausreitkumpel. So ein schöner Ausritt ist genau das was mein Kopf jetzt braucht, damit sich alles wieder sortieren kann.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (offiziell würdiger Nachfolger von Merlin dem Zauberer)

Hinterlasse einen Kommentar