Ich kann das besser

„Show him that you can do better“ (Zeig ihm, dass du das besser kannst) ist einer der Sätze von Elsa Sinclair, die mir besonders hängen geblieben sind. Wenn Du etwas falsch gemacht hast, zeig deinem Pferd, dass du es besser kannst. Das ist eine sehr heilsame Einstellung, wenn ich mal das Gefühl habe, ich hätte alles komplett verbockt. Und genau dieses Gefühl hatte ich neulich mal wieder.

Duncan ist gewachsen. Er sah wieder so komisch aus (er hat dann, wie Finlay damals auch, so einen birnenförmigen Bauch und einen leichten Karpfenrücken), er war krumm und schief in alle Richtungen, schlecht gelaunt und pubertär. So weit, so unangenehm. Aber das kenne ich ja nun, das sitzen wir aus. Die Schiefe hat Arnulf behandelt und ich habe etwas Wellness obendrauf gemacht. Ich habe ein bisschen langsamer gemacht, mehr Doppellonge, weniger reiten. Passt schon. Dann war Duncan wieder ganz der alte und ich dachte, es geht wieder los. Ging es auch, nur: reiten auf dem Platz war plötzlich „kaputt“. Wir hatten schon so schön an seiner Geraderichtung gearbeitet, er lief auf beiden Händen (altersentsprechend) gleichmäßig schön und war durchlässig, ließ sich lenken und mit etwas Geschick und Ruhe auch vernünftig biegen. Und da wollte ich ja nun anknüpfen. Ich bin sicher, Duncan wollte das auch, aber obwohl er den osteopathischen Check bestanden hatte, wollte es einfach nicht klappen. Oder sagen wir: nicht immer. Momenteweise war alles gut, dann wieder nicht. Linksrum hatte ich eine Art Brett unterm Hintern, Duncan lief entweder einfach gnadenlos nach links oder er blieb stehen und ging nicht mehr los. Und wir gerieten in Streit. Wie dumm von mir, ich weiß doch, dass er das nicht macht, um mich zu ärgern. Wir stritten nicht so doll wie an dem Tag als er so schief war, aber immer noch zu doll – als ich abstieg, hatte ich ein schlechtes Gewissen. Da steht mein kleines Pony und er bemüht sich immer so sehr und ich kriege es nicht hin, ihm richtig zu helfen. Nach etwas Nachdenken kamen mir ein paar Ideen, die ich versuchen könnte. Und so kam ich am nächsten Tag mit genau jener Einstellung zu Duncan, die ich von Elsa gelernt habe: ich zeige dir jetzt, dass ich das besser kann. Und zum Glück war Duncan auch total bereit, sich das von mir zeigen zu lassen, nachtragend ist er ja (im Gegensatz zu Finlay) nicht.

Wir ritten 15 Minuten im Schritt, ganz in Ruhe und übten nur, unser Gleichgewicht zu finden. Ich fühlte mich um 2 Jahre zurückversetzt, als wir gerade dabei waren, herauszufinden, wie das mit dem Lenken auf dem Reitplatz überhaupt geht. Aber ich konnte das jetzt akzeptieren – wir fangen eben von vorn an. Wir erarbeiten uns alles neu, denn Duncans Körper ist anscheinend sehr neu. Und ich vermute, es wird nicht der letzte Wachstumsschub gewesen sein, da kommt bestimmt noch mehr solcher kleinen Dramen auf uns zu. Mit viel Lob, viel Ruhe und ganz einfachen Übungen kamen wir da hin, dass Duncan links und rechts im Schritt ein hübsches kleines Schulterherein auf dem Zirkel hinkriegte. Dann wollte es eh schon wieder regnen und ich nutzte das als Anlass, um aufzuhören. Wir gingen mit einem zufriedenen Gefühl vom Platz und ich hoffe dass Duncan gemerkt hat, dass ich das besser kann. Und ich werde hoffentlich nächstes Mal schneller schalten und nicht streiten, sondern in aller Ruhe so viele Schritte zurückgehen wie nötig und da anknüpfen, wo ich anknüpfen kann.

Leider sind wir in der Pferdewelt fast alle mal darauf konditioniert worden, uns „durchzusetzen“. Der Mensch sagt, was gemacht wird und das Pferd hat zu gehorchen. Wie schwierig all jene leicht aussehenden Dinge für unser Pferd sind, verkennen wir oft. Das schon ein vernünftiger Zirkel etwas ist, was gelernt und geübt werden will, hat mir damals im Reitverein niemand gesagt. Und wahrscheinlich hat es auch niemand gedacht. Wieso, im Kreis laufen kann doch jeder. Ja sicher, nur wie ist halt die Frage…. Duncan hat mir schon in den allerersten großen Wachstumsschüben immer gezeigt, was das mit ihm macht. Dann ging es plötzlich am Steg nicht mehr, die Wippe hat sich anders benommen, wenn sein „Radstand“ und sein Schwerpunkt sich verändert hatten und einmal hat er ja auch einfach vergessen, dass er ein linkes Hinterbein hat – das war irgendwie völlig aus dem System verschwunden. Neuer Körper, alles neu lernen. Das gute ist ja: je öfter er es neu lernt, desto schneller geht es. Und ich kann derweil üben, nicht mit ihm zu streiten über Dinge die er gar nicht richtig machen KANN. Klingt einfach, ist es aber im Eifer des „Gefechts“ leider nicht immer…. Und dann ist es eben manchmal so, dass man am nächsten Tag wieder kommt und dem Pferd zeigt, dass man es besser kann. Ich persönlich glaube fest daran, dass die Pferde das auch merken und dann besser damit umgehen können, wenn wir Menschen uns mal daneben benehmen.

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  1. Avatar von Stella, oh, Stella

1 Comment

  1. So benehmen wir Menschen uns doch den meisten Tieren gegenüber, nicht wahr? Besonders auch gegenüber Hunden. Die müssen immer alles mögliche lernen; einige Dinge sind wichtig, viele sind allein zum Vorzeigen. Was der Hund dazu meint oder ob er überhaupt zu dem Verlangten geeignet ist, schert den Menschen wenig.

    Da gefällt mir deine Art wesentlich besser.

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