Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 514

Und schon wieder ein Ausflug! Weil Montag war. Ausreitkumpel! Bist du fit? Wir wollen doch jetzt mal wirklich richtig flott durchreiten, das hatten wir sooooo lange nicht! Mit der Wackelkiste ging es an den Waldrand. Aber ach! Der Waldrand bei schwülwarmem Wetter, da tut man gleich wieder unfreiwillig was gegen das Insektensterben. Decken, Fliegengebimselbämsel, Spray und trotzdem kommen die wilden Blutsauger. Da hilft leider nur eins: Tempo! Man muss einfach schneller laufen als die fliegen bzw landen können. Deswegen fiel die Aufwärmphase im Schritt ausnahmsweise aus. Mein Dieselmotor hat etwas gestottert, aber angetrabt bin ich natürlich trotzdem. Mein Ausreitkumpel wollte mal wieder keine Verantwortung übernehmen und klebte mit seiner Nase an – oder eher auf – meinem Hintern. Ich glaube er ist zu faul, seinen Kopf zu tragen und versucht ernsthaft, den auf mir abzulegen. Aber er darf das. Also von mir aus. Sein Mädchen hingegen fand das blöd und hat ihm gesagt, er soll jetzt mal vorneweg, er kann schließlich flott traben und ich war ja noch etwas langsam unterwegs. Also der Ausreitkumpel vorneweg. Der Weg war natürlich voller Pfützen – HÜPF – HÜPF – HÜPF – BREMS – HÜPF – RUTSCH- HÜPF das war ungefähr die Gangart des Ausreitkumpels. Mein Mädchen hat mir dann vorgeschlagen, dass wir etwas Abstand halten, falls er wieder einen Sliding Stop macht. Ok! Dann haben wir lustig Trab-Galopp-Übergänge gemacht. Langsam wurde ich warm!

Alsbald war der rutschige Weg zu Ende – und auch die Ambitionen meines Ausreitkumpels, Verantwortung zu übernehmen. Wer ging also wieder mutig voran? Ich. Im Galopp. Mein Mädchen findet, mit dem Bosal geht das alles viel besser. Ich bin schön gleichmäßig galoppiert, bis…. Mädchen, da stimmt was nicht! Tja, einer von meinen hinteren Hufschuhen hatte sich mal wieder gedreht. Mein Mädchen hat geschimpft, aber dann hat sie gesehen, dass tatsächlich nichts kaputt gegangen ist diesmal. Trotzdem hat sie mir versprochen, dass wir jetzt hinten auch kleben werden. Meine Hinterhufe sind nämlich ziemlich runtergelaufen, weil wir so viel ohne Schuhe unterwegs waren und mit den Schuhen kann ich halt leider einfach nicht ohne Verluste galoppieren, weil ich hinten so eng laufe. Mein Mädchen hofft, dass sich das mit Training und Wachstum noch verbessert, aber im Moment ist es wie es ist.

Nachdem sie mir den Schuh wieder gerichtet hatte, ging es weiter im Trab zur Brücke. Die Brücke, mein alter Feind! Aber jetzt hab ich das ja voll raus und kann da rüber traben! KLONK KLONK macht das unter meinen Hufen, aber ich hab es weggesteckt. Dann waren wir im Dorf, da gehen wir Schritt. Und wie immer waren da ein paar Spaziergänger, die es ganz erstaunlich fanden, wie ich aussehe „Ich wusste gar nicht, dass man jetzt auch Zebras reiten kann!“ sagt der nette Mann am Straßenrand. Nun kennt mein Mädchen diese Sprüche ja schon und hatte die passende Antwort parat „ja, das ist jetzt der neue Trend!“ hat sie behauptet. Pah! Und dann sagt der Typ doch „kommt der aus Mittel-Afrika?“ „Klar“ sagt mein Mädchen, „aber es ist ihm hier zu kalt“. Echt jetzt, Mädchen? Zu kalt? Zu mückig wohl eher! Naja. Weiter ging es durchs Dorf. Als wir schon fast wieder raus waren, sahen wir von weitem eine Frau mit Hund, die stehenblieb sobald sie uns sah. Die fürchten sich wohl vor uns? Da sind die Mädchen abgestiegen, das Mädchen vom Ausreitkumpel hat die Hunde angeleint und wir sind zu Fuß weiter. Und wie wir so gehen merke ich ein dringendes Bedürfnis. Habe ich euch schon erzählt, dass ich nur dann Pieschern kann, wenn ein kleines Abenteuer dabei ist? Ein Graben, ein paar Brennnesseln, Dornengestrüpp oder sowas, sonst kann ich nicht. Und hier war alles passend. Mein Mädchen wäre gern im Boden versunken vor Scham, weil ich genau neben dem fremden Hund angehalten habe, um zu tun was ich nicht lassen konnte. Was denn? Das war halt der beste Platz dafür und dem Hund macht das nix aus.

Meine Schuhe hinten hat mein Mädchen mir dann ausgezogen denn nun ging es zu dem schönen Weg und da wollte sie doch noch galoppieren. Das war aber eine sportliche Nummer nach dem ganzen Regen, weil es überall rutschig, sumpfig und matschig war. Also sind wir doch die meiste Zeit getrabt und nur zwischendurch ein bisschen galoppiert. Mein Mädchen fand aber ich habe den schwierigen Boden super gemeistert und dass das tolles Balance-Training war. Aus dem Wald wieder raus sind die Mädchen dann abgestiegen, ich hab meine Schuhe wieder anbekommen und wir sind ein Stück die Straße lang gegangen (wenn mein Mädchen im Wald nicht falsch abgebogen wäre, wäre das übrigens gar nicht nötig gewesen, aber wir sind diese Strecke zu lang nicht geritten und also…… tsss tsss). Während wir so unterwegs sind, bemerkt mein Mädchen plötzlich ein frisches Lüftchen an ihrem Bein. Reithose kaputt! Das ist wohl auf dem rutschigen Weg passiert, denn der ist auch voller tiefhängender Äste, da ist sie wohl unbemerkt an einem hängen geblieben. Zum Glück kann der Mann nähen, der flickt ihr das bestimmt.

Ja das war abenteuerlich diesmal!

Als die Mädchen dann wieder aufgestiegen sind und wir weiter traben wollten, zeigte sich das Übel: Der Ausreitkumpel lahmt! Sein Humpelfuß ist ja eigentlich wieder gut, aber er hat so lang gehumpelt, dass seine Muskeln alle ganz verspannt waren und anscheinend war das jetzt doch ein bisschen zu viel. Was ist zu tun? Sir Duncan Dhu muss auf Rettungsmission gehen! Also sind mein Mädchen und ich los getrabt Richtung Wackelkiste, während der Ausreitkumpel im Schritt geführt wurde und die Mädchen haben vereinbart, wo wir den Ausreitkumpel abholen können. Und so waren wir plötzlich ganz allein unterwegs, mein Mädchen und ich. Aber mein Mädchen hat eine neue Taktik gelernt, wie sie ihren Kopf beruhigen kann. Sie heißt „ABC-Spiel“. Also man sucht sich eine Kategorie, in ihrem Fall Bäume, und findet für jeden Buchstaben einen Baum. Ahorn, Buche, Ceder, …äh…. Dornengestrüpp, Esche, Fichte, …äh…. Giraffenbaum…. ungefähr so hat sie das gemacht. Es macht ihr gute Laune, wenn sie sich zwischendurch Blödsinn ausdenkt, weil ihr auf die Schnelle kein echter Baum einfällt. Und so sind wir munter getrabt. Plötzlich klingelt es in ihrer Tasche! Sie wollte aber nicht durchparieren und da ihr Handy beim Reiten immer an der Leine liegt, ist das auch kein Problem. Also Handy raus, da war das Mädchen vom Ausreitkumpel dran. Er musste auch mal pieschern und auf mysteriöse Art und Weise konnte er danach wieder einwandfrei laufen! Anscheinend hatte er sich so verklemmt, weil er so dringend musste, dass er gar nicht mehr laufen konnte. Jedenfalls war alles wieder gut und sie kommen jetzt hinter uns her. Wir sind weiter getrabt bis der Weg zu Ende war, dann ist mein Mädchen abgestiegen und hat mich grasen lassen. Ich hoffte auf einen fürstlichen Schmaus aber was soll ich sagen? Mein Ausreitkumpel war soooo flott, dass es nur für einige Maulvoll gereicht hat. Jetzt aber schnell zur Wackelkiste, bevor die Blutsauger uns noch den letzten Tropfen auslutschen! Außerdem hatte ich nach der Tour schon wieder einen amtlichen Heuhunger. Im Moment bin ich immer sooooooo hungrig! Aber nach 11,9km (davon 3km allein!) im stattlichen 7km/h Durchschnitts-Tempo darf man auch hungrig sein. Unsere Mädchen waren wahnsinnig stolz auf uns, weil wir uns so klaglos getrennt haben und uns so unglaublich anständig benehmen können. Das war zwar eine ungeplante, aber sehr erfolgreiche Übung und wir sind zufrieden nach hause gewackelt. Dort durfte ich dann auch gleich auf die Weide, gegen den Hunger.

Euer Sir Duncan Dhu of Nakel (kurzzeitig auf Rettungsmission)

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