Menschen haben zwei Beine und Ponys vier. Deswegen sind wir euch grundsätzlich überlegen, wenn es ums Laufen geht. Wehe, wenn euch von euren zwei Beinen eins wegrutscht, da liegt ihr fix auf der Nase! Wir haben dann noch drei am Boden, das klappt meistens. Und wenn von 4 Beinen mal eines weh tut, kann man das in die Luft halten und hat noch drei übrig zum laufen – ist nicht schön, funktioniert aber (mein Ausreitkumpel praktiziert das gerade). Ihr Menschen könnt hingegen ja nur noch hüpfen, wenn euch ein Bein wehtut. Mein Mädchen hat das damals mal demonstriert, das sah wirklich ganz und gar nicht gut aus!
So ging es auch dem Mädchen vom Schimmelfreund, nachdem sie böse umgeknickt war. Und als mein Mädchen gesehen hat, wie die so vor sich hin hoppelt, da fiel ihr ein, dass der Mann noch „Unterarmgehhilfen“ (der Volksmund sagt „Krücken“) auf dem Speicher herumstehen hat. Und wenn meinem Mädchen sowas einfällt, dann weckt das sofort ihren Spieltrieb. Ob sie mich auch noch führen könnte, wenn sie selbst einen bösen Humpelfuß hätte und an Krücken ginge? Das musste sie dann gleich mal ausprobieren. Sie sagt dann immer, sowas erweitert meinen Horizont und es ist eine gute Übung. Ich denke mir meinen Teil, bin aber ja Gentleman und mache alles mit was man mir aufträgt.
So, mein Mädchen, und nachdem du nun meine Nerven getestet hast, teste ich deine. Wir sind dann heute einmal unsere kleine Hausrunde geritten, mit viel „Angebertrab“ und Seitengängen, damit Diego seine Fitness langsam wieder aufbauen kann. Ich war aber in Frühlingslaune und also etwas schreckhafter als sonst. Und wenn es so im Gebüsch raschelt, kann ich einfach manchmal nicht an mich halten! Mein Mädchen hat nachher gesagt, sie versucht, es positiv zu sehen. Sie kann nämlich zwei Punkte auf ihrer Liste abhaken. Was passiert, wenn ich mich auf dem Dornröschenweg erschrecke und was passiert, wenn ich mich beim bergab-gehen erschrecke. Antwort ist immer die gleiche: nix wildes. Ich sprinte kurz los, mache ein paar Galoppsprünge, merke dann, dass es eben doch kein Säbelzahntiger war und pariere wieder durch. Mein Mädchen weiß ja, dass sich das wieder legt, wenn der Sommer kommt, ich mehr Gras esse und alles wieder ruhiger wird in meinem Kopf. Sie wünscht sich nur, dass der Ausreitkumpel endlich wieder fit wäre, dann könnten wir mit ihm eine schöne, ausgiebige Trabrunde drehen, das hilft am besten gegen Schreckhaftigkeit. Aber weil ich schon so gut trainiert bin, braucht es flotte 12km oder lieber mehr, bis wirklich alle Hummeln aus meinem Hintern weg sind. Das kann Diego im Moment nicht und allein können wir es schon gar nicht. Mein Mädchen hat sich aber fest vorgenommen, dass alleine ausreiten weiter voranzutreiben, damit wir nächstes Jahr da bessere Möglichkeiten haben. Nur im Moment wird sie sich das nicht trauen, sagt sie, wenn ich so schreckhaft bin. Irgendwie ist das ein Teufelskreis, scheint mir!
So, jetzt sind alle Nerven getestet, ich verbummel den Tag im Paddock und mein Mädchen und der Mann backen Waffeln für Diegos Retterinnen, die ihn, als er Ostersamstag sooooo krank war, in die Klinik gefahren haben. Jetzt sieht es ja so aus, als ob er wieder ganz gesund ist, er soll jetzt wieder ins Training kommen und wir hoffen, dass alles wieder gut ist. So ganz sicher wissen wir das wohl erst in ein paar Wochen, wenn er nochmal Blut hergegeben hat und wenn er dann bis dahin stabil gesund ist. Vielleicht ist er der härtere Nerventester als ich?
Euer Nerventester Sir Duncan Dhu of Nakel