Schon wieder Wind! Oder immer noch? Mein Mädchen war nicht sicher, ob wir bei dem Gepuste los können. Aber der Mann meinte, das sei nur „n büschen Wind“ und das ginge schon. Also Wackelkiste hergerichtet, Schuhe an und los! In der Nähe vom Ausreitkumpel sind wir dann ausgestiegen. Knappe 9km waren geplant. Aber nun ist es ja so: Diego braucht eine extra Decke unter seinem Sattel zum Ausgleich fehlender Muskulatur. Und zwar am besten MEINE Decke! Aber MEINE Decke ist nunmal MEINE Decke und die brauche ich unter MEINEM Sattel. Also was ist zu tun? Mein Mädchen und der Mann hatten vorher zu hause ausprobiert, wie sie Diegos Sattel mit einer anderen Decke polstern könnten. Diese andere Decke ist auch eigentlich MEINE Decke, die habe ich immer unter meinem Reitpad. (Ok, das war früher Merlins Decke, aber ICH hab sie geerbt! Und außerdem finde ich es blöde, dass ich alles teilen muss, sogar mein Mädchen!). Zu hause hatten die Menschen das ausprobiert mit dem Sattel und der Decke, aber ohne Diego. Als wir dann an der Wackelkiste gesattelt wurden, sagt der Mann plötzlich: „nein, das geht so nicht“. Da hätte Diego eine ganz fiese Kante in der Polsterung gehabt. Was ist also zu tun? Der Mann hat dann beschlossen, dass er einfach zu Fuß geht. Die Menschen haben die Runde umgeplant, so dass es nur noch 5km waren und der Mann ist mit Diego zu Fuß gegangen, während mein Mädchen geritten ist. Nun kann der Mann ja zu Fuß mindestens genauso schnell gehen wie Diego im Schritt. Die sind sooooo flott unterwegs! Also waren wir kurz nach dem Start schon wieder hinten dran. Plötzlich ruft es von hinten „Achtung Jogger von hinten!“ das fand mein Mädchen ja sehr nett! Damit ich mich nicht erschrecke, hatte der Laufmensch bescheid gesagt. Der kam dann an mir vorbei und hat mich einfach überholt! Sowas kann ich ja wohl gleich gar nicht leiden! Habe ihm mit angelegten Ohren hinterher-gemeckert und meinem Mädchen gesagt, dass wir jetzt traben müssen, weil das eine Unverschämtheit ist, mich einfach zu überholen! Mein Mädchen hat gelacht und gesagt, ich wäre ein Spinner und sollte einfach weiter Schritt gehen. Dann, als ich mich wieder abgeregt hatte, durfte ich traben und auch an Diego vorbei immer dem Jogger hinterher. Der konnte genauso schnell laufen wie ich getrabt bin! So und jetzt, mein Mädchen, möchte ich nochmal genau wissen, warum wir eine halbe Ewigkeit immer nur im Schritt spazieren waren, wenn es doch offensichtlich auch für euch Menschen möglich ist, mein Trabtempo zu laufen! Naja, die Antwort liegt ja auf der Hand: mein Mädchen ist nicht gerade ein Ausbund an Fitness….. da hätte ich so einen Jogger als Besitzer haben müssen, der wäre mit mir auch zu Fuß auf Distanzritt gegangen, als ich angeblich noch zu klein war, um mein Mädchen zu tragen. Aber ok, ich mag mein Mädchen, auch wenn sie nicht so schnell laufen kann. Dafür hat sie immer leckere Kekse….

Weiter ging es im Schritt Richtung Umspannwerk. Da war ich ja nun länger nicht und die haben da einiges verändert seit ich das letzte Mal da war. Und es war ja windig, da hat es ein bisschen geklappert, geknarzt und gescheppert und eine Fahne wehte vor sich hin – kurzum: es war gruselig. Mein Mädchen hat gesagt, wir schaffen das, Diego und der Mann sind ja auch da und wir sind schon groß. Dann hat sie doll geatmet und ich hab meinen Mut zusammengekratzt und wir sind da vorbei gegangen. Keks!
Der Mann meinte dann, wir könnten doch mal üben, voraus zu traben, dann umzudrehen und wieder zurück zu traben. Mein Mädchen hat diese Übung erst mal entschärft (so läuft das bei den beiden immer, der Mann ist ja viel mutiger als mein Mädchen): Wir sind voraus getrabt und dann im Schritt zurück. An Diego vorbei in die falsche Richtung, kurz danach gewendet und im Schritt hinter Diego her, dann auftraben. Ich war etwas durcheinander, aber mein Mädchen sagt ich hab das alles richtig gemacht. Bis auf dass ich immer sehr langsam werde, wenn ich durcheinander bin, aber das ist ihr ja lieber als zu schnell. Nachher haben wir das nochmal gemacht, diesmal mit Trab, und da konnte ich es schon besser. Dann sind wir lange vorgetrabt, haben dann an einer schönen Grasstelle angehalten, mein Mädchen ist abgestiegen und ich durfte grasen, bis Diego uns eingeholt hatte. Diego ist dann an uns vorbei, mein Mädchen hat mich an einer günstigen Stelle eingeparkt und ist wieder aufgestiegen. Zack! Mädchen stolz, weil ich das alles so toll gemacht habe obwohl Diego ja weiter von uns weg ging!
Dann im Trab hinterher, an Diego vorbei und einfach weiter. „Wir schaffen das, wir sind groß“ hat mein Mädchen immer gesagt. Und als sie Sorge hatte, ich könnte in den Galopp fallen, hat sie ihr Trablied gesungen. Bis ein Spaziergänger mit zwei Hunden kam, da sind wir dann im Schritt vorbei gegangen. Danach wieder Trab, immer weiter weg von Diego, bis wir das Gefühl hatten, ganz allein zu sein. Mein Mädchen hat sich selbst Mut zugesprochen und ich hab alles fabelhaft richtig gemacht. Ganz allein über die kleine Brücke und schon waren wir an der Wackelkiste. Bis mein Mädchen in Ruhe abgesattelt hatte, waren Diego und der Mann dann auch schon da und wir sind nach hause gewackelt worden. Das waren zwar nur 5km aber mein Kopf hatte ordentlich zu tun, muss ich sagen!
Jetzt lösen die Menschen das Problem mit der Satteldecke, damit der Mann demnächst auch wieder reiten kann.
Euer fast allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel