Wenn ich mich in den Highlandpony-Gruppen auf Facebook herumtreibe, sehe ich viele Beiträge, in denen es darum geht, die Ponys für die Platzarbeit zu motivieren. Beim Ausreiten scheinen die meisten eine Menge Spaß zu haben (es sei denn sie sind unsicher, dann schlagen sie auch beim Ausreiten gerne mal Wurzeln, der berüchtigte Highlandpony-Plant). Und auch ich hatte am Anfang meine Zweifel, ob ich Duncan jemals für die Platzarbeit würde begeistern können. Inzwischen kann ich sagen: das ist mir gelungen. Überraschenderweise fand er von Anfang an, dass longieren eine gute Sache ist – etwas, was sich all meinen anderen Ponys nie erschlossen hat. Aber vielleicht liegt es ja auch an mir und meiner Einstellung dazu, wer weiß? Jedenfalls longiere ich derzeit mehr als mir lieb ist. Denn Ausreiten – das hat der Ritter bereits berichtet - ist schwierig und zur Zeit bleibt noch nicht mal der Reitplatz zum reiten übrig, denn der ist hart gefroren und es liegt kein Schnee.
Derweil beobachte ich, dass nicht nur ich einen Burgkoller habe. Auch mein kleiner großer Ritter zeigt Verhaltensweisen, die ich längst erledigt glaubte. Wenn ich mich neben ihn stellen will beim Heu fressen, meckert er mich an. Beim Putzen schüttelt er mit dem Kopf und geht weg. Trotzdem bettelt er nach Aufmerksamkeit. Und er freut sich, wenn ich ihn an die Longe nehme, bietet mir dann direkt Trab und Galopp an – nicht doof überdreht, sondern ganz fein und gesittet – und möchte eigentlich nicht nach 25 Minuten aufhören. Während ich es anstrengend finde, über den unebenen Boden meine kleinen Kreise mitzugehen, läuft er munter und geschmeidig den Hang rauf und runter und seine Laune bessert sich zusehends. Trotzdem klärt sich für mich im Nachhinein manche Diskussion auf, die wir im Winter so hatten, denn ich weiß jetzt, woher die schlechte Laune kommt: mein Ritter ist süchtig nach ausreiten und Abenteuer, genau wie ich. Derzeit sind wir auf Entzug und so lange könnte ich ihn gar nicht longieren, dass er so wohlig entspannt und ein bisschen müde wäre wie nach einem ausgiebigen Ausritt. Das kleine, gut geölte Maschinchen zwischen seinen Ohren braucht Abenteuer und sein Körper möchte auch ausgiebig bewegt werden. Seine Grundfitness ist schon ganz anständig und so ist es jetzt deutlich schwieriger, Energieüberschuss abzubauen, als noch vor einem Jahr. Zwar ist er nicht mehr so wild und überschießend wie er es als Hengst war, aber auch als Wallach möchte er doch ordentlich Sport machen – wiederum etwas, was ihn von meinen bisherigen Ponys unterscheidet.
All die Dinge die ich zu selten tue oder schon immer mal tun wollte: ausgiebig auf dem Sommerreitplatz longieren, wo ein sanfter Hügel das reine „im Kreis laufen“ schon zu einem schönen bergauf-bergab- Training macht. Oder „Mount Groß Vollstedt“ erklimmen, mit hoch gelegten Stangen üben und ausgiebig wippen oder neue Übungen an unserem Holzsteg ersinnen…. all das tue ich jetzt, in der Hoffnung, dass es uns beiden die Zeit vertreibt, bis wir endlich wieder mal so richtig schön ausreiten können. Und einmal mehr wird mir klar: ich muss es schaffen, allein ausreiten gehen zu können. Wenn das gelingt, steigt die Anzahl der möglichen Tage enorm an, denn dann muss ja nur ich Zeit haben und nicht auch noch jemand anders. Wenn dann mal kein Eis, kein Sturm und kein eiskalter Regen ist, können wir los.
Bis das klappt, müssen wir durchhalten, der Ritter und ich. Ob er – wie ich – vom nächsten Ausritt träumt? Ob er eine Vorstellung davon hat, wie schön das sein wird, wenn wir wieder mal ein halbes Stündchen durchgängig traben können? Ich weiß es nicht. Man sagt, Pferde leben im Hier und Jetzt. Nachprüfen kann ich es nicht. Ich jedenfalls freue mich schon auf sein Lächeln, wenn es wieder in einen unserer Lieblingswälder geht. Und ein bisschen fürchte ich mich vor seiner Fitness, die im Vergleich zu meiner sehr viel weniger gelitten haben wird unter der Winterpause. Bis dahin ertrage ich seine teilweise schlechte Laune so wie er meine erträgt, so ist das unter Freunden…..
Dankeschön, uns geht es genauso –Diese Nachricht wurde v
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