Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 410

Gestern waren mein Mädchen und ich wieder allein ausreiten. Nun ist es so: ich bin ja immer ein bisschen unbedarft einfach so los marschiert. Unterwegs fiel mir dann auf, dass ich ganz schön viel Verantwortung trage! Da wurde mir doch manchmal etwas flau. Ich gestehe: ich bin das noch nicht gewohnt. Und dass erwachsen sein SO viel Verantwortung bedeutet, das war mir vorher nicht bewusst. Das will wohl überlegt sein!

Und also habe ich diesmal vorher überlegt. Direkt nach dem losgehen, schon bevor wir den Hof verlassen haben, habe ich angemerkt, dass ich mir das gern einmal gründlich durchdenken möchte, bevor ich los lege. Mein Mädchen hat gesagt, das ist ok, aber die Option, doch lieber wieder links abzubiegen statt rechts, besteht nicht. Also ihre Regel war: wir gehen rechts vom Hof runter und dann bleiben wir am rechten Straßenrand. Kein Geeier wie letztes Mal. Ich durfte dafür das Tempo bestimmen und da hab ich einfach mal bei Null angefangen. Habe mich hingestellt, die Ohren gespitzt, in die Welt hinaus geschaut und nachgedacht. Als ich eine Weile nachgedacht hatte, meinte mein Mädchen, ich könnte evt losgehen. Weil ich so ein guter bin, bin ich einen Schritt nach vorn gegangen. Dann ist mir aber aufgefallen, dass es noch eine Menge zu bedenken gibt und ich bin wieder stehen geblieben um nachzudenken. Nach einer Weile dann wieder die Frage von oben, ob ich noch einen Schritt vorgehen könnte. Ja ok. Aber dann musste ich nochmal denken. Und so ging das eine Weile, bis ich das Denken vorerst für beendet erklärt habe und los gegangen bin. Nachdem ich ein Stück gegangen war, hab ich einen Keks kassiert und bin dann auch noch ein Stück gegangen. Und noch ein Stück. Dann nochmal nachdenken. Schließlich waren wir weiter als je zuvor, nämlich schon fast am Haus des Nachbarn zur rechten vorbei. Da durfte ich dann etwas grasen (mein Mädchen ist nicht abgestiegen, sondern sitzen geblieben, das ist Teil ihres neuen Plans). Dann ging es nach hause und mein Mädchen war hoch erfreut, weil ich den Rückweg ganz entspannt gemeistert habe und dann auch noch zu hause vorbei gegangen bin. Ganz kurz hinter der Hofeinfahrt ist sie dann abgestiegen und ich durfte noch etwas grasen. Heimgeführt und fertig.

Mein Mädchen sagt, sie ist sehr gespannt, wie es jetzt weitergeht mit der Denkerei meinerseits. Sie meint, ich kann mir das ruhig alles in Ruhe anschauen und überlegen und dann würde ich mich irgendwann auch in der Lage fühlen, weiter alleine mit ihr raus zugehen. Wir schaffen das schon, sagt sie immer. Ich denke noch darüber nach.

Aber sie findet, dass ich das ganz toll mache mit dem Denken, weil ich dabei ganz ruhig bleibe und mich nicht aufrege. Außerdem findet sie es total toll, dass ich mir jetzt vorher überlege ob ich das wirklich schaffe, anstatt einfach loszulaufen und dann zu merken, dass ich mich doch etwas unwohl fühle. Lieber langsam und dafür durchdacht, sagt sie.

Euer denkender Sir Duncan Dhu of Nakel

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