Ich bin euch ja noch einen Dienstags-Bericht schuldig! Der kommt so spät, weil ich erst mal Regenerationszeit brauchte. Mein Mädchen hat mir ja jahrelang versprochen, dass ich – sobald ich sie tragen kann – so viel laufen darf, wie ich will. Und was sie verspricht, das hält sie auch! Und jetzt, knapp vor meinem 5. Geburtstag, legt sie richtig los. Also wir waren ja am Freitag bremsenreiche 11,2km unterwegs, am Sonntag ruhige 11,6km und am Dienstag waren es dann 12,2km – und zwar flott!
Wir waren natürlich wieder mit DEM Ausreitkumpel unterwegs. Und jetzt weiß ich auch, warum mein Mädchen immer sagt, das Mädchen vom Ausreitkumpel sei unser Drill-Instructor! Das war wohl damals mit meinem großen Bruder schon so. Das frühere Pony vom Mädchen vom Ausreitkumpel war nämlich sehr, sehr fit und ist ganz viel vor der Kutsche gelaufen. Und mein großer Bruder war nicht so fit, wollte aber ja auf Distanzritt gehen und musste also trainieren. Also war das kleine Pony vom Mädchen vom Ausreitkumpel immer vorneweg, immer flott, immer gut gelaunt und fit wie ein Turnschuh und hat dadurch meinen großen Bruder auf Trab gebracht. Nun galoppieren die beiden vielleicht gemeinsam über die himmlischen Weidegründe, wer weiß? Jedenfalls ist klar, wer vorneweg galoppiert……ich trete derweil hier unten in die Fußstapfen meines großen Bruders. Und mein Ausreitkumpel tritt in die Fußstapfen seines Vorgängers.
Mein Ausreitkumpel hat ja nicht nur das eine Mädchen, sondern einen ganzen Harem. Und er ist etwas älter als ich. Das bedeutet, er trainiert länger und öfter und ist folgerichtig fitter als ich. Und das Mädchen vom Ausreitkumpel hat Lust, schnell und lang zu reiten. Und jetzt wo ich etwas größer bin, kann das richtig los gehen, meint mein Mädchen. Und so ging es denn auch los! Erst mal im Trab. Dann kamen wir an eine Stelle, wo man einen Hügel erklimmen kann – einfach so. Es gibt keinen Grund dafür, das zu tun, außer dass man dann an der anderen Seite den Hügel wieder runter reitet und genau da ist wo man angefangen hat. Ich hab das drei mal gemacht (das dritte mal aber nur, damit es noch auf Video fest gehalten wird) und meinem Mädchen dann mitgeteilt, dass es Dinge gibt, die auch mit Keks wenig Sinn ergeben.
Das hat sie verstanden und also sind wir weiter getrabt. Dann ein klitzekleines Stück Straße und – huch? Was ist das? Der Boden sieht so komisch aus? Mein Mädchen meinte, ich wäre hier schon mal gewesen – ob ich das vergessen hätte? Ist halt lange her! – und ich sollte mir das ruhig anschauen, aber nicht zu lange, weil es sonst sein könnte, dass ein Zug kommt! Das waren nämlich die Bahnschienen. Ich bin dann tapfer drüber gegangen und mein Mädchen war schon wieder stolz.
Hinter den Bahnschienen fing es dann alsbald mit den schönen Wegen an und mein Wunsch ging in Erfüllung: wir sind schön ausgiebig galoppiert! Erst hinter meinem Ausreitkumpel her, dann vorneweg. Zum Glück! Denn plötzlich flog mein Hufschuh weg! Es ist so: weil ich so kurz gebaut bin, trete ich mir manchmal mit den Hinterhufen von hinten in die vorderen Hufschuhe rein. Das liegt auch daran, dass die hinteren Hufschuhe nicht ganz die besten für mich sind, da suchen wir noch was besseres. Jedenfalls war der vordere Hufschuh etwas kaputt und dadurch etwas lose und ich war flott im Galopp und – schwupps! – war der Schuh weg. Zum Glück hat es ja aber das Mädchen vom Ausreitkumpel gleich gesehen und bescheid gesagt. Wo mein Mädchen dann eh absteigen musste, haben wir gleich eine schöne Graspause eingelegt. Na den Trick merke ich mir! Schuh wieder an und noch ein Stückchen Galopp, aber der Schuh hat sich gedreht und also haben wir das mit dem Galopp dann gelassen. Ehrlich gesagt war ich mittlerweile aber auch so viel galoppiert, dass mir etwas matt um die Beine wurde. Weiter ging es im gleichmäßigen Trab. Mein Mädchen war schon wieder stolz, weil mein Ausreitkumpel um die Ecke außer Sichtweite getrabt ist und ich ganz ruhig mein Tempo weiter getrabt bin, ohne zu befürchten, dass wir ihn jetzt verloren haben. Ich weiß ja jetzt: die lassen uns nicht allein. Die warten irgendwo auf uns. Und das taten sie auch, weil sie nämlich sowieso anhalten mussten. Da war plötzlich ein Großaufgebot an Treckern und Autos und alle waren am Hin- und herfahren und wenden auf dem Weg. Wir haben erst mal abgewartet. Die meisten sind dann von uns weg gefahren aber zwei Trecker wollten an uns vorbei. Wir haben uns in eine Feldauffahrt gestellt und mein Mädchen hat kurz überlegt ob sie in Anbetracht der Größe dieser zwei Gefährte wohl absteigen muss, um mir zu helfen. Ich hab ihr nach oben gefunkt, dass ein, zwei Kekse von oben mir reichen um das zu überleben. Dann habe ich ganz ruhig gewartet, während diese Monstergeschosse an uns vorbei gefahren sind. Und hab Kekse gegessen. Zack! – Mädchen schon wieder stolz! Weil ich so entspannt war dabei.
Danach hatte ich einen kleinen Anfall von Kopfmüdigkeit. Ich musste mal Pipi, konnte mich aber ewig nicht entscheiden,was wohl die richtige Örtlichkeit dafür ist. Und als ich es dann erledigt hatte, war ich etwas durcheinander und wir haben uns ein bisschen gestritten, mein Mädchen und ich, weil ich plötzlich überall links abbiegen wollte, auch da wo gar nicht unbedingt ein Weg war. Mein Mädchen hat sich Sorgen gemacht, dass ich voll überfordert bin. Aber ich hab mich dann irgendwann wieder zurecht getüddelt.
Die Mädchen sind ein Stück zu Fuß gegangen und da kamen von hinten nochmal so zwei riesige Gefährte angerollt. Auch das habe ich wunderbar gemeistert. Dann wieder über die Bahnschienen und in den schönen Weg. Dort gab es nochmal eine Graspause, damit mein Kopf wieder mit macht. Und dann konnte ich auch noch ein gutes Stück traben, wenn auch nicht mehr so arg flott. Schließlich sind die Mädchen abgestiegen und wir sind zu Fuß zur Wackelkiste zurück gegangen. Heidewitzka, was war ich kaputt! Mein Puls war so bummelig bei 52, da wusste mein Mädchen, dass ich mich echt angestrengt hatte. Nach 15 Minuten Heimfahrt in der Wackelkiste war er dann aber schon auf 44 runter. Ich kann einfach gut entspannen in der Wackelkiste!
Nach diesem Training hatte ich mir den freien Mittwoch wahrlich verdient. Ich habe ihn einfach verbummelt und mir neue Muskeln wachsen lassen. Mein Mädchen hat erstmal ein Ersatzteil für meinen Hufschuh bestellt und wird jetzt verschärft nach einer besseren Lösung für meine Hinterhufe suchen.
Euer gut trainierter Sir Duncan Dhu of Nakel mit dem stolzen Mädchen