Also, eins muss ich meinem Mädchen lassen: Wenn sie etwas fest verspricht, dann hält sie sich auch dran. Also ging es gestern los. Das Wetter macht ja was es will: kommt die Sonne raus und der Wind ist weg, dann ist es heiß, kommt die nächste Regenwolke ist es kalt, windig und nass. Mein Mädchen und der Mann waren daher total ratlos, was wohl anzuziehen sei. Na, ich bin ja Gentleman und trage ihre Jacke so lange es zu warm ist. Nachher war sie sehr froh drum, dass sie die anziehen konnte!

Ich war eher gemütlich gelaunt, aber trotzdem haben wir ein kleines Galöppchen hingelegt, einfach so, weil wir das jetzt so gut können. Ansonsten sind wir fast nur im Schritt unterwegs gewesen, 10km in 2 Stunden.
Am Ende war ich recht bummelig und Diego hatte es eilig, da hat mein Mädchen zum Mann gesagt, er braucht den armen Diego nicht immer bremsen, sie schaut mal, was ich so denke wenn der Abstand größer wird. Ich hab da meine Regeln: so lange Diego gut in Sichtweite ist, ist es mir egal. Aber wenn er um die Kurve verschwindet, finde ich, dass es Zeit ist aufzuholen. Mein Mädchen fand das aber nicht. Stattdessen haben wir etwas Schulterherein geübt, was ich jetzt schon richtig gut kann. Wenn ich es gut gemacht hab, hab ich einen Keks bekommen. Dadurch wurde aber der Abstand zu Diego immer größer, weil ich für den Keks ja anhalten muss! Naja, mein Mädchen meinte, wir schaffen das und ist weiter geritten. An Nachbars Hengst vorbei – der hat da sein komisch hohes Quietschestimmchen erklingen lassen, keine Ahnung was bei dem eigentlich los ist. Als ich mich dann etwas entspannt hab, ist sie abgestiegen und den Rest zu Fuß gegangen. Zu hause hat sie mich aber nicht gleich abgesattelt, denn wir hatten noch einen Auftrag! Ihr wisst ja, ihr dürft immer Wünsche äußern worüber ich euch was erzählen soll. Und einer meiner Fans (oder Groupies?) hatte sich ein Regenschirmreitvideo gewünscht. Nun, ich bin ja grundsätzlich ein furchtloser Ritter aber mein Mädchen hatte Sorge, ich könnte mich doch etwas erschrecken. Deswegen hat sie mir der Schirm erst mal gezeigt. Ist schließlich lang her, dass ich was mit einem Regenschirm zu tun hatte! Aber das hat mich nicht gestört.

Dann hat sie beschlossen, mit dem Regenschirm in der Hand aufzusteigen. Na klar, das hat sie wieder in äußerster Eleganz hinbekommen. Nicht. Aber ich kenne sie ja und ich bin ein sehr geduldiges Pony…. Aufs Losreiten hat sie dann verzichtet. Weil ich das alles so toll gemacht hatte und sie fand, ich sollte jetzt Feierabend machen.
Heute wollen wir dann nochmal los, diesmal vielleicht sogar mit der Wackelkiste. Aber erst warten wir den Regen ab, denn mit dem Schirm in der Hand reitet es sich halt doch nicht ganz so gemütlich und ich glaube im Galopp könnte es sein, dass mein Mädchen dann einfach weg fliegt! Das will ich ja auch nicht – wer soll mir dann meine Kekse geben?
Zwischen den Ausritten beschäftige ich mich mit wachsen. Mein Mädchen erkennt dass daran dass ich viel liege, manchmal pubertär und manchmal sehr gemütlich bin und es in meiner Hüfte beim laufen manchmal laut „plopp, plopp“ macht. Und ich mag dann nicht gebürstet werden, ganz egal wie weich die Bürste ist. Das müsst ihr Menschen nicht verstehen. Mein Mädchen sagt, erwachsen werden ist harte Arbeit, sie erinnert sich noch sehr gut daran und deswegen ist das voll ok wenn ich dann mal nicht ganz ich selbst bin. Sie weiß ja inzwischen auch, dass das nur eine Phase ist und ich danach noch viel schöner, stärker und wundervoller bin als vorher!
Euer (er)wachsender Sir Duncan Dhu of Nakel