Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu 383

Sommer ist eine schwierige Jahreszeit, findet mein Mädchen. Entweder es ist zu heiß zum ausreiten, oder es gewittert, oder – das ist in letzer Zeit irgendwie öfter so – es stürmt. Mitten im Sommer Sturm! Was soll denn das?

Jedenfalls war es am Samstag hier so fies heiß und schwül dass mein Mädchen arge Kopfschmerzen hatte und da schon beschlossen hat, dass es am Sonntag vormittag nix wird mit ausreiten. Weil Sonntag vormittag nämlich dann Sturm war und dann bin ich immer doch nicht so ganz entspannt und dem fühlte sie sich mental nicht gewachsen. Also haben wir vormittags erst mal eine Sitzung Osteopathie mit dem Mann gemacht, aber davon erzähle ich euch demnächst mal.

Abends hatte der Wind dann etwas nachgelassen und mein Mädchen hat sich einigermaßen fit gefühlt und gesagt, statt Ausritt probieren wir nochmal was neues aus. Sie hat mich gesattelt und wir haben Diego und den Mann mitgenommen und sind auf unseren Sommerreitplatz gegangen. Ihr wisst schon, da wo wir jetzt immer unser Fitnesstraining an der Longe gemacht haben. Aber mein Mädchen wollte diesmal nicht selbst laufen, sondern reiten. Ok, aber Graspausen will ich trotzdem haben! Ja, hat mein Mädchen gesagt, die kriege ich, aber nur wenn ich mich auch mit dem Bosal gut benehme. Wenn ich mich nicht gut genug benehme und sie mich mit Gebiss reiten möchte, dann wird es kompliziert, denn dann müsste sie für jede kleine Graspause ab- und anschließend wieder aufsteigen. Ok, ich wusste also direkt, was für mich auf dem Spiel steht! Benehmen ist angesagt! Tu ich doch aber eh immer. Also ehrlich!

Auf dem Weg nach oben zum Sommerreitplatz war schon etwas Aufregung, weil Gatsby und Caruso gedacht haben, wir gehen auf die Weide und uns ganz aufgeregt begleitet haben. Mit etwas hin und her haben wir es aber dann geschafft, dass die beiden draußen geblieben sind. Die sind dann die ganze Zeit am Zaun auf und ab getigert und waren sauer, dass wir auf der Weide sind und sie nicht. Das hat mich anfangs dann doch dezent abgelenkt, möchte ich gestehen, aber nach einer Weile konnte ich das wie ein Großer wegignorieren.

Mein Mädchen und ich haben Lenken geübt im Schritt und im Trab, das hatten wir schnell raus. Dann ist sie mit mir über die Stangen getrabt und hat sich da erst mal gewundert. Ich habe ja so einen gemütlichen Schottentrab, normalerweise hat sie es ja wirklich bequem da oben. Aber über den Stangen nutze ich die Federkraft meiner Beine und dann macht es doing-doing-doing weil ich als ganzes hoch und runter dotze. Da musste sie da oben einiges ausgleichen! Und schon hat sie beschlossen, dass das doch gutes Training wird für uns beide und wir das jetzt öfter machen. Weil es für mich ja auch gutes Training ist, das mit ihr als Gewicht oben drauf zu üben. Ok, wenn ich dafür eine Graspause bekomme…..

Na und dann hat sie sich was ganz wildes überlegt. Sie wollte galoppieren! Sagt sie doch da oben „Aaaaachtung….. und hopp!“! Nun weiß ich ja sehr wohl, was das heißt, aber auf dem Sommerreitplatz geht es ja ständig bergauf und bergab. Und bergab will sie nicht mit mir galoppieren wenn sie drauf sitzt, das traut sie mir noch nicht zu. Also haben wir nur bergauf zum galoppieren. Und weil sie nicht gleich die lange Seite runter wollte, sollte ich das auf der kurzen Seite schaffen. Mädchen, 25 Meter sind da einfach nicht lang genug und mit dir oben drauf um die Kurve schaff ich auch noch nicht, glaube ich. Das ist einfach was anderes als im Gelände geradeaus, da kriege ich das alles leicht geregelt.

Also wenn sie nicht auf meinem Rücken sitzt, kann ich schon ganz gut ohne Anlauf angaloppieren. Aber mit ihr da oben drauf bin ich noch nicht so flott im Beine sortieren. Also immer wenn sie „Aaaaachtung….. und hopp!“ gesagt hat, habe ich rückgemeldet, dass ich wohl weiß, was sie will, aber dass das so nicht geht. Nach ein paar missglückten Versuchen hat sie sich ein Herz gefasst und gesagt, dann nehmen wir doch gleich die lange Seite, aber ich musste versprechen, nicht los zu flitzen. Ehrlich, was sie immer denkt! Ich bin doch Gentleman! Derweil hat der Mann sich überlegt, auch galoppieren zu wollen und plötzlich kam Diego uns im Galopp entgegen! Da hab ich doch mal kurz das Ding mit den Manieren vergessen und… naja lassen wir das. Mein Mädchen hat geschimpft, also hab ich mich schnell wieder zusammengerissen, weil ich ja verstanden hab, was da auf dem Spiel steht – meine Graspause!

Und dann hat mein Mädchen es nochmal versucht. Diesmal mit verbessertem Kommando. Sie hat gesagt „Aaaaachtung….. und hopp!“ und dann „hopp!hopp!hopp!“ im Galopptakt und dabei immer mit den Händen so vor gegangen und dann hab ich es geschafft! Wir sind bis zum Ende der langen Seite galoppiert und das ging wirklich sehr sehr gut, fanden wir beide! Ich war sehr zufrieden mit mir und der Graspause und mein Mädchen war ganz stolz und fröhlich dass das so fein ging. Das haben wir dann ein paar mal wiederholt und dann war auch schon wieder Feierabend.

Hopp! Hopp! Hopp! Hopp!

Mein Mädchen sagt, ich hab das so gut gemacht, das wird sie sich wohl auch ohne Diego trauen. So können wir unser Fitness-Programm um einen neuen Punkt erweitern. Ok, aber es wird auch wirklich mal wieder Zeit für einen Ausflug, ja? Du weißt ja, die echten Abenteuer finden jenseits der Grundsstücksgrenze statt!

Euer galoppierender Sir Duncan Dhu of Nakel

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