Mein Mädchen meinte, es soll heute schön kühl sein, da können wir weiter weg fahren und eine schöne 12km-Tour machen.
Dann sagte aber die Wetter-App, dass es sehr windig werden soll und zwar immer windiger, je weiter der Tag fort schreitet. Also hat sie überlegt, lieber doch nicht so weit weg zu fahren, sondern nur ein kurzes Stück und dann eine 9km- Runde zu reiten.
Morgens, als wir dann los wollten, war das Wetter schon ganz schön wild. Es war nicht nur windig, es hat auch immer mal wieder plötzlich geschüttet! Also hat mein Mädchen sich nochmal umentschieden und statt der 9km nur 7km geplant. Aber das wollten wir uns jetzt doch nicht nehmen lassen!
Also ab in die Wackelkiste und ein kleines Stück fahren. Zum Satteln hat mein Mädchen mich an der Wackelkiste angebunden. Dann fing es an zu regnen, und damit es nicht in die Wackelkiste rein regnet, während wir ausreiten gehen, hat mein Mädchen schnell die Plane runter gemacht. Hui, da hab ich mich erschreckt! Bin ein bisschen in die Knie gegangen und hab einen kleinen Hüpfer gemacht. Mein Mädchen hat dann den Mann gefragt, ob man wohl was dagegen tun könnte, dass ich mich so erschrecke und Hüpfer mache. Der Mann hat nur ganz trocken gesagt: „du willst dass er sich beim Erschrecken zurückschmeißt, Spannung auf den Strick kommt, er in Panik gerät und sich los reißt?“ Da wusste mein Mädchen, dass er Mann findet, dass ich das alles wirklich toll mache und dass ich selbst beim Erschrecken noch weiß, dass ich angebunden bin und wo ich hin springen kann. Und jetzt sag ich euch was: so ein (wenn auch verstecktes) Lob vom Mann ist ganz was seltenes und besonderes, da war ich schon mal mächtig stolz auf mich!
Dann ging es los. Diego und ich waren gut drauf und hatten Lust, zu traben. Und mein Mädchen war von Mut gebeutelt und hat beschlossen, dass heute DER Tag ist. Ich hör sie sagen „aaaaaachtung… und hopp!“. Nein, nein, denke ich mir, das meint sie nicht so. Aber dann ist Diego vor mir angaloppiert und mein Mädchen hat nichts anderes gesagt und also bin ich auch angaloppiert und siehe da: es war erlaubt! Erst war ich noch etwas zögerlich, weil ich das ja noch nicht so oft gemacht hab mit meinem Mädchen auf dem Rücken und wir beide nicht so sicher waren. Aber dann bin ich rein gekommen in das Galopp-Gefühl und etwas flotter geworden. Mein Mädchen hatte dann doch ein bisschen Bange und hat zwischendurch gecheckt, ob die Bremse wohl noch funktionieren würde. Ja, klar. Dann sind wir noch etwas weiter galoppiert und schließlich fand mein Mädchen, es sei Zeit, durchzuparieren. Hab ich auch prompt und brav gemacht und einen Keks dafür bekommen.
So, jetzt waren Diego und ich aber wach! Wir sind dann noch ganz viel getrabt und ich hab meinen Turbotrab geübt, den ich jetzt immer besser kann! Diego immer vorne weg, ich hinten dran. Diego stört sich ja an nix, der trabt auch völlig ungerührt an der Rinderkoppel vorbei. Ich kann das normalerweise auch ganz gut aber ehrlich: da stand der größte Bulle der Welt direkt hinterm Zaun und hat mich so angeschaut! Da wusste ich jetzt auch nicht so recht. Mein Mädchen hat mir gut zugeredet, aber sie fand den auch etwas gruselig. Diese Zäunchen sehen neben Bullen auch immer nur wie Spielzeug aus…
Schließlich haben wir durchpariert und sind im Schritt mit Abstand da vorbei gegangen. Diego ist derweil vorne weiter getrabt und mein Mädchen dachte schon, ich würde jetzt Gas geben um schnell aufzuholen, aber das hab ich nicht gemacht! Ich bin einfach schön weiter getrabt. Weil ich doch so ein Guter bin und schon weiß, was sich gehört!
Alsbald ratzfatz waren wir wieder an der Wackelkiste. Die musste noch gewendet werden und da hatte mein Mädchen mal wieder Lust zu üben. Der Mann hatte sich eigentlich schon gefreut, dass er sie wieder retten kann und ihr Held ist, aber mit etwas Hilfe und ein paar Hinweisen hat mein Mädchen das doch tatsächlich in angemessener Zeit allein geschafft! Und da wusste ich dann gar nicht, ob der Mann eigentlich enttäuscht ist (wegen der verpassen Heldentat) oder stolz auf seine Frau. Mir war es einerlei, denn während mein Mädchen gewendet hat, durften wir Ponys grasen. Dann rein in die Wackelkiste und es ging nach hause. Kaum zu hause ausgestiegen, fing es an zu stürmen und zu schütten! Wir sind schnell in den Stall gesaust und haben uns dort unsere Schuhe ausziehen lassen und der Mann hat gesagt, mein Mädchen hätte das perfekt getimt und geplant mit dem Ausritt. Alle hoch zufrieden und ich freu mich jetzt schon auf den nächsten Galopp – juhuuu!
Euer galoppierender Sir Duncan Dhu of Nakel