Heute müssen wir wieder unseren Schwerpunkt schön tief halten, es ist ein bisschen windig! Eigentlich wollte mein Mädchen nochmal mit mir alleine ausreiten, aber das fällt leider aus wegen Wetter. Sie findet, das ist zu viel Wind. Ich denke mir: das hätten wir doch nutzen können! Ich meine, wenn man im Flitzegalopp den richtigen Winkel erwischt, könnten erste Flugversuche gelingen! Aber mein Mädchen, die alte Spaßbremse, ist da irgendwie schon wieder nicht dabei. Tja.
Aber neulich, am Donnerstag, da waren wir alleine ausreiten. Also so fast. Noch ist es ja so, dass der Mann mitkommt, wenn wir mit der Wackelkiste in unseren Sicherheitswald fahren. Aber er bleibt dann bei der Wackelkiste und macht es sich gemütlich, während mein Mädchen und ich allein durch den Wald ziehen. Und das lief rund, das sage ich euch!
Ich habe mir das diesmal gespart, in den Wald zu rufen. Da ruft ja doch nix zurück, es ist nur Schweigen im Walde. Bis auf die Vögel, versteht sich. Also wir sind los, mein Mädchen erstmal wieder zu Fuß. Aber sie hat schon gleich gesehen, dass ich richtig gute Laune habe. Sie sagt, ich hätte mein „Waldgrinsen“ aufgesetzt. Und wenn ich so grinse, dann grinst sie immer gleich mit. Hat auch gleich ihr Lieblingslied angestimmt („Wochenend und Sonnenschein…“)

Nach 10 Minuten zu Fuß kamen wir an eine gute Aufsteigestelle und mein Mädchen ist auf meinen Rücken gehüpft. Und schon ging es los! Sie hat mir eine paar Einlegesohlen in meine vorderen Hufschuhe gelegt, damit ich gut geschützt bin vor den vielen spitzen Steinen, die leider in unserem Sicherheitswald überall liegen.

Wir haben dann direkt losgelegt. Erstmal mit ein paar Übergängen vom Schritt zum Trab und wieder zum Schritt. Ich war richtig gut drauf und mein Mädchen auch. Weiter ging es mit Galopp-Trab-Übergängen wobei wir geübt haben, dass ich jeweils den richtigen Galopp erwische, mal rechts, mal links. Das ist manchmal kompliziert, ich muss schließlich 4 Beine im Griff haben und sortieren! Aber ich hab das schon ganz gut hingekriegt. Dann Übergänge von schnell zu langsam – also langsamer Trab zu schneller Trab, langsamer Galopp zu schneller Galopp. Zwischendurch mal ein Keks, weil ich das sooo gut gemacht habe. Am ersten Abbieger sind wir einfach vorbei, wir haben diesmal den zweiten Abbieger genommen, so dass die Runde ein klitzekleines bisschen länger wurde als letztes Mal. Nur einmal hab ich mich vergessen. Da wollte ich unbedingt links abbiegen! Manchmal überkommt es mich einfach. Naja, gab bisschen Ärger, aber dann war auch schon alles wieder gut. Schnell noch ein bisschen geübt, im langsamen Trab Schulterherein zu gehen und daraus geradeaus zu beschleunigen, dann noch ein bisschen geübt, im leichten Schenkelweichen im Trab von einer Seite des Weges zur anderen zu kommen. Langsam wurde ich etwas matt und als wir an der Grillhütte waren, war ich dann auch froh, Schritt gehen zu dürfen. Eigentlich wollte mein Mädchen absteigen, sobald der Parkplatz in Sicht kommt, aber dort stand der Mann mit der Kamera und so hat sie ihn erst noch ein bisschen filmen lassen, bevor sie abgestiegen ist. Ich war ordentlich nassgeschwitzt, aber sie auch. Wir waren beide sehr, sehr zufrieden und es stellte sich heraus, dass wir nur 36 Minuten für die 5,2km gebraucht hatten. Das fand mein Mädchen schön sportlich und meinte, ich darf dann auch müde sein, weil ich doch über Winter zwar an Kraft und Geschmeidigkeit gewonnen habe, aber an Kondition habe ich eindeutig verloren, auf dem Reitplatz kommt man ja einfach nicht auf Kilometer. Sie hat mich dann ein bisschen abgewaschen, aber gejuckt hat mich trotzdem irgendwie alles, so dass ich in der Wackelkiste noch ein bisschen „Kopfstand“ gemacht habe (so nennt sie das, wenn ich meinen Kopf ins Heunetz tauche um mich zu kratzen oder meine Brust an der Bruststange rubbel). Damit ist sie noch nicht zufrieden und sucht noch nach einer besseren Lösung, wie sie mir mit dem Gejucke vom Schweiß helfen kann. Aber ansonsten, das kann ich euch sagen: perfekter Ausritt! Seitdem bin ich wieder ihr Heldenpony und sie hat noch mehr Herzchen in den Augen, wenn sie mich anschaut. Läuft bei mir!
Euer allein ausreitender Sir Duncan Dhu of Nakel (Distanzpony in the making)