Gestern war Sonntag…. Wieder ohne Sonntagsausflug. Wobei – nicht ganz. Diego hatte nämlich einen! Die Menschen haben die Kutsche rausgeholt und die gestrenge Fahrlehrmeisterin einbestellt und dann ging es los. Diego hat sie eine Runde durchs Dorf gezogen und kam mit stolz geschwellter Brust zurück, weil er das sooooo toll gemacht hat nach der langen Pause. Er wusste noch genau wie alles geht. Er hat sich sogar überlegt, dass er den einen kleinen Berg auch mal im Galopp machen könnte, da war der Mann extra stolz auf ihn. Diego hat also in einer Tour Kekse gekriegt und nachher noch am Stalltor gestanden und sich noch 235602834 mal sagen lassen, wie toll er das gemacht hat. Pah! Wenn man mich lassen würde, könnte ich das auch! Aber mein Mädchen traut mir das ja IMMER NOCH NICHT zu. Obwohl sie seit Jahren verspricht, dass es „bald“ losgeht. Aber wir wissen ja: ihre Vorstellung von „bald“ tendiert deutlich mehr zu „in einer halben Ewigkeit“.

Naja, ich gönne Diego seinen Triumph, er ist ja mein Ziehpapa. Außerdem hat mein Mädchen gesagt, wenn der Mann und Diego so richtig gut in Übung sind, darf ich mitkommen. Ich darf dann zu Fuß am Strick hinter der Kutsche herlaufen und wenn sie alle es noch besser können, kann mein Mädchen auch reiten, während der Mann fährt. Aber das dauert noch. Bis dahin greift Plan B. Für mich hieß das gestern wieder reiten auf dem Platz. Aber ich habe wirklich über Winter meinen Spaß an der Sache entdeckt und war wieder hoch motiviert. Ich hab ganz schön Muskulatur aufgebaut und kann jetzt krasse Sachen: aus dem Schritt in den Galopp und umgekehrt aus dem Galopp in den Schritt. Aus dem Rückwärts in den Trab und aus dem Trab schön sauber anhalten ohne das Gleichgewicht zu verlieren. Im Trab in kleinen, energischen Schritten um eine super enge Kurve und dann daraus mit Energie und großen Tritten auf die Gerade. Einmal habe ich es sogar schon aus dem Rückwärts in den Galopp geschafft (Rechtsrum ganz richtig, linksrum mit etwas Beinsalat dazwischen)! Gestern haben wir auch wieder geübt, wirklich geradeaus zu galoppieren, das ist wichtig fürs Gelände, aber verdammt schwer. Mein Mädchen hat mir gezeigt, wie wir ein bisschen tricksen können, um es mir leichter zu machen und das will sie dann mit mir auch auf dem Waldweg demnächst probieren (für die Fachleute: Kruppeherein). Das ist nämlich der zweite Teil von Plan B, dass wir diese Woche nochmal alleine ausreiten gehen. Da freu ich mich schon drauf! Aber vorher muss das Wetter etwas verlässlicher werden, da mein Mädchen ja bekanntlich keinen tauglichen Pelz hat um sich schnell an wechselnde Wetterlagen anzupassen.
Bis dahin vertreibe ich mir die Zeit damit, die kleinen grünen Spitzen im Paddock zu knabbern, die da überall wachsen. Außerdem ist Fell abzuwerfen und wir Ponys machen so viele Nickerchen in der Sonne wie wir nur können. Das ist so gemütlich nach dem ganzen Winter-Wetter, wenn man mal richtig Sonne tanken kann, da wird uns immer ganz müde und wir fallen einer nach dem anderen um.
Genießt den Frühling, liebe Menschen, und gönnt euch auch mal ein Schläfchen in der Sonne, das ist gut für die Gesundheit!
Euer Sir Duncan Dhu of Nakel