Schon wieder ist so viel Zeit vergangen! Diesmal zum Glück weniger langweilig. Mit Besuchen von meinen kleinen Freundinnen und reiten auf dem Reitplatz war ruckzuck wieder eine Woche rum. Sonntag hatte ich ja leise Hoffnung: Sonntagsausflug? Aber der Mann ist einfach noch nicht wieder so fit wie er mal war! Sein neues Knie hat sich noch nicht so gut eingelebt, dass er alles machen könnte. Also sind mein Mädchen und ich wieder auf den Reitplatz zum üben gegangen.
Aber heute hat es sie gepackt. Sie wollte einfach unbedingt endlich wieder ausreiten! Da sie sich nicht allein mit mir vom Hof traut, hat sie beschlossen, dass wir in unseren „Sicherheitswald“ fahren. Das ist der Wald, in dem wir das mit dem Reiten überhaupt angefangen haben. Da ist nichts. (Zumindest in der Regel). Und Montag mittags sowieso nicht. Keine Kühe, Autos, Trecker, Leute oder sonstige Fiesigkeiten. Nur breite Wege und der Wald. Also Hufschuhe an, alles einpacken, Zöpfchen flechten, Tracker ans Halfter und so weiter und so fort. Dann rein in die Wackelkiste, da hab ich mich doll gefreut und bin gleich reingehüpft. Fand mein Mädchen super! Nach kurzer Wartezeit ging es los. Der Mann war mit, ist aber im Auto sitzen geblieben, während mein Mädchen und ich losgezogen sind. Mädchen erstmal zu Fuß und das war auch gut so, denn ich war doch etwas aufgeregt! Ich war schließlich seit dem 9.11. nicht mehr ausreiten und unser letzter Solo-Ritt ist noch viel länger her!

Ich hab erstmal in den Wald gerufen. Man sagt doch, wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus! Hat aber nicht geklappt. Ich hab nochmal gerufen, aber der Wald hat nicht geantwortet. So ein schweigsamer Geselle! Na gut. Am Anfang bin ich ein paar Mal stehengeblieben und hab meinem Mädchen gesagt, dass ich mir nicht so ganz sicher bin. Sie hat gesagt, dass sie jetzt meine Herde ist und wir das zusammen hinkriegen. Bin dann weiter mit ihr mitgegangen. Nach einer Weile ging es besser. Rechts stand ein Reitwegeschild, das kannten wir vom letzten Jahr, aber letztes Jahr war da nur ein Schild und noch kein Weg. Allerdings ist da dieses Jahr immer noch kein Weg, nur ganz tiefe Fahrspuren. Voll blöde! Wir sind ein Stück da rein gelaufen und dann umgedreht, weil nichts ging. Das hat mich gleich wieder aufgeregt. Mein Mädchen hat beruhigend mit mir geredet und gesagt, dass wir groß sind und das alles hinkriegen. Wir sind also weiter gegangen. Nach einer Weile wollte sie gern aufsteigen und hat sich auf einen Baumstamm gestellt und mich gefragt ob ich einparken könnte. Aber ich war zu aufgeregt, habe mit dem Kopf geschlenkert und angemerkt, dass ich viele Hummeln in meinem Hintern habe. Also ist sie doch lieber noch ein gutes Stück zu Fuß gegangen. Nach und nach wurde es besser mit meiner Aufregung und als wir schließlich an eine Bank kamen, hat mein Mädchen mich gefragt, ob ich sie jetzt wohl aufsteigen lassen würde. Ja klar, bin ja schließlich Gentleman (wenn ich nicht zu aufgeregt bin). Also hab ich sie aufsteigen lassen und als sie sich sortiert hatte, haben wir einen munteren Trab angeschlagen. Wie ein Uhrwerk sollte ich traben, so will mein Mädchen das. Und ich hab das voll gut hingekriegt. Als wir uns schön eingetrabt hatten, hat mein Mädchen einen kleinen Galopp vorgeschlagen und ich war einverstanden. Schön Reisegalopp wollte sie. Bittesehr, mache ich für dich. Dann wieder Trab und schnell mal einen Keks weil ich das sooooo toll gemacht habe! Noch ein kleines Stück Trab bis zur Grillhütte, dann Schritt, noch ein Keks. Und von der Grillhütte ist es auch gar nicht mehr weit bis zur Wackelkiste. Dort stand der Mann und erwartete uns schon. Mein Mädchen war stolz und glücklich, ich war zufrieden und verschwitzt. Und das juckt ja immer so! Also hat mein Mädchen versucht, mich ein bisschen abzuwaschen, das hat ein bisschen geholfen. Trotzdem musste ich mich während der Fahrt in der Wackelkiste noch ordentlich am Kopf kratzen, dann tauche ich immer ins Heunetz und bringe die Wackelkiste noch mehr zum Wackeln. Findet mein Mädchen doof, aber da kann man nichts machen.

Sie hat sich fest vorgenommen, dass wir jetzt öfter in diesen Wald fahren. Eigentlich könnten wir das auch ohne den Mann, sagt sie. Mal sehen, ob sie sich das demnächst wirklich traut. Und ob wir dann nach und nach die Runde etwas erweitern können. Wer weiß! Sie meint, wir können das alles, wir brauchen nur etwas Übung. Ich meine, es wird auf jeden Fall Zeit, dass wir wieder mehr raus kommen an die frische Luft!
Euer endlich wieder ausgerittener Sir Duncan Dhu of Nakel