Aus dem Tagebuch des Sir Duncan Dhu vom 8. Februar 2026

Am Freitag war dann meine große Freundin mal wieder da. Ja, so viele Freundinnen hab ich! Meine große Freundin hat schon öfter mal auf Schulpferden Reitunterricht gehabt und hat schon etwas mehr Übung. Leider ist sie aber noch nicht so vielen Pferden begegnet, die es wirklich gut hatten im Leben. Und wenn Pferde es nicht gut hatten in ihrem Leben, dann sprechen sie oft nicht mehr mit den Menschen, weil sie gelernt haben, dass ihnen eh niemand zu hört. Sie lassen vieles über sich ergehen, weil sie sich hilflos fühlen. Ich hingegen bin ja ein sehr gesprächiges und meinungsstarkes Pony. Ich habe gelernt, dass mir zugehört wird und ich eigene Vorschläge mit einbringen darf. Außerdem habe ich auch gelernt, Menschen eine beliebige Anzahl an Keksen in möglichst kurzer Zeit aus der Tasche zu ziehen. Das alles ist meine große Freundin noch nicht gewohnt. Sie lernt jetzt, mir gut zuzuhören. Außerdem lernt sie, sich selbst klarer auszudrücken. Ist doch nicht mein Job, zu erraten, was sie will! Sie ist ja so viel größer als meine winzige Freundin. Bei der drücke ich nochmal ein Auge zu und sorge dafür, dass sie Erfolg hat. Aber meine große Freundin darf sich ruhig richtig ins Zeug legen und sich verständlich ausdrücken. Wenn ihre Worte nicht zu dem passen, was ihr Körper sagt, richte ich mich natürlich nach ihrem Körper – denn Körpersprache ist meine Muttersprache und das bleibt auch so, Stimmkommandos hin, Stimmkommandos her. Jetzt lernt sie, ihre Wege zu planen, ihren Raum zu kennzeichnen, meine Wege zu planen und immer nur eine Sache zur Zeit zu machen. Mir Zeit zu lassen zum Nachdenken, wenn ich sie brauche aber auch schnell genug auf meine Fragen zu antworten, denn wenn ich nicht zügig eine Antwort bekomme, interpretiere ich das zu meinen Gunsten als „ja“. Und wenn eine Lücke im System ist und ich keine Anweisungen bekomme, weil sie abgelenkt ist, dann denke ich mir was eigenes aus. Bleibe stehen oder biete mal einen schönen spanischen Schritt an, weil ich mich dann so toll finde.

Mein Mädchen sagt, ich kann jetzt zum dritten Mal die Erfahrung sammeln, dass Menschen besser werden, wenn man ihnen nur die Zeit gibt. Damit meint sie, ich hätte diese Erfahrung ja schon bei meiner kleinen und bei meiner winzigen Freundin gemacht. Aber ich finde diese Zählung falsch, denn ich mache diese Erfahrung auch bei meinem Mädchen! Die wird auch besser, langsam aber stetig. Geduld zahlt sich aus, das hat Merlin mir schon immer gesagt. Der hat schließlich viele, viele Jahre in mein Mädchen investiert… Also ich sage es mal so: ich fange an, zu begreifen, dass man mit euch Menschen eine schier endlose Geduld braucht, weil ihr soooooooo langsam lernt. Aber so lange dabei die Keksrate stimmt…

Heute hat mein Mädchen uns die Hufe geraspelt. Und dann hatte sie genug von kaltem Schneematschwetter und hat beschlossen, dass wir frei haben und nix arbeiten. Also habe ich mir Gatsby geschnappt und die 23413897. Spielrunde eingeleitet, während mein Mädchen staunend am Fenster stand und sich wunderte, wie wir bei diesen Bodenverhältnissen immer noch völlig rutschfrei über den Paddock sausen können. Allhufantrieb sag ich da nur!

Euer geduldiger Sir Duncan Dhu of Nakel

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